Nürnbergs Stadionpläne stehen vor der Finanzierungsfrage

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Der geplante Vollumbau des Max-Morlock-Stadions hat eine neue politische und sportliche Dimension bekommen. Der Stadionumbau 1. FC Nürnberg rückt einen Tag nach der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes, München als deutschen Kandidaten für Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 ins internationale Rennen zu schicken, zusätzlich in den Fokus. Der Zweitligist hofft auf eine Beteiligung Nürnbergs an dem Großereignis. Das Stadionprojekt selbst ist grundsätzlich beschlossen. Offen ist jedoch weiterhin, wie der Bau finanziert werden soll und wann die Arbeiten tatsächlich beginnen können.

Der Nürnberger Stadtrat hatte am 22. Juli 2026 einstimmig beschlossen, die ausgearbeitete Vorzugsvariante für den Vollumbau weiterzuverfolgen. Vorgesehen ist eine Arena mit rund 50.000 Plätzen. Die Leichtathletikbahn soll verschwinden, die Tribünen sollen näher an das Spielfeld rücken. Geplant sind außerdem mehr Stehplätze, modernisierte Sanitär- und Gastronomiebereiche, zusätzliche Flächen für Hospitality sowie bessere Bedingungen für Menschen mit Behinderung. Die denkmalgeschützten Elemente des charakteristischen Achtecks sollen erhalten bleiben.

Kostenrahmen liegt bei bis zu 280 Millionen Euro

Bei den Kosten existieren unterschiedliche Angaben aus verschiedenen Planungsständen. Die Stadt Nürnberg nennt auf ihrer allgemeinen Projektseite weiterhin eine erste Schätzung von rund 200 Millionen Euro. Bei der Vorstellung der inzwischen beschlossenen Vorzugsvariante wurde allerdings ein deutlich höherer Rahmen genannt. BR24 und das Portal nordbayern.de berichteten im Juli übereinstimmend von 260 bis 280 Millionen Euro. BR24 verwies dabei ausdrücklich auf den vom Stadtrat vorgegebenen Kostenrahmen.

Eine endgültige Bausumme steht damit noch nicht fest. Die Vorzugsvariante wird weiter vertieft, parallel soll ein Businessplan entstehen. Anschließend soll die europaweite Vergabe der weiteren Planungs- und Bauleistungen vorbereitet werden. Die Stadt hatte im Juli angekündigt, gemeinsam mit dem 1. FC Nürnberg und dem Freistaat Bayern ein tragfähiges Finanzierungskonzept zu entwickeln.

Damit ist der politische Beschluss zum Umbau nicht mit einer gesicherten Finanzierung gleichzusetzen. Eigentümerin des Max-Morlock-Stadions ist weiterhin die Stadt Nürnberg. Der 1. FC Nürnberg ist Hauptnutzer und soll sich finanziell an dem Projekt beteiligen. Der Verein erhebt dafür seit der Saison 2025/26 auch einen sogenannten Stadiongroschen auf Heimspieltickets, dessen Einnahmen zweckgebunden für das Stadionprojekt vorgesehen sind.

Oberbürgermeister rechnet mit Verzögerung

Die angespannte Finanzlage Nürnbergs hat den ursprünglichen Zeitplan inzwischen infrage gestellt. Oberbürgermeister Marcus König erklärte Mitte September im Sommerinterview mit Franken Fernsehen, es werde eine „Zeitverschiebung geben müssen“. Nach seinen Angaben müsse sichergestellt sein, dass Zinsen und Tilgung einer Finanzierung durch die künftigen Einnahmen des Stadions getragen werden können. Franken Fernsehen berichtete deshalb am 17. September, der geplante Umbau werde voraussichtlich nach hinten verschoben.

Auch die Nürnberger Nachrichten berichteten am 18. September, König rechne nicht mehr damit, dass wie ursprünglich geplant bereits 2028 die Bagger rollen. Damit ist der frühere Zeitplan mit einem möglichen Baubeginn ab 2028 und einer Fertigstellung zur Saison 2031/32 derzeit nicht gesichert.

Der Finanzierungsanteil des Freistaats ist ebenfalls noch nicht verbindlich festgelegt. Ministerpräsident Markus Söder war bereits mit der Aussage zitiert worden, Stadt und Freistaat könnten sich jeweils zur Hälfte beteiligen. Auf eine parlamentarische Anfrage erklärte die Staatsregierung im März 2026 jedoch, zunächst müssten die Planungen der Stadt für Konzept und Finanzierung abgewartet werden. Eine konkrete Förderhöhe oder ein Zeitpunkt für Zahlungen wurden darin nicht zugesagt.

Olympia macht Nürnberg zum vorgesehenen Fußballstandort

Seit Samstag, 26. September, steht fest, dass München Deutschland im internationalen Olympia-Bewerbungsverfahren vertritt. Der DOSB entschied sich mit 91 zu 50 Stimmen für das Münchner Konzept und gegen KölnRheinRuhr. Angestrebt werden die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Über einen tatsächlichen Zuschlag des Internationalen Olympischen Komitees ist damit noch nicht entschieden.

Für Nürnberg ist die Entscheidung unmittelbar relevant. Das offizielle Münchner Bewerbungskonzept sieht Nürnberg neben München, Augsburg, Stuttgart und Ingolstadt als Spielort für die olympischen Fußballturniere vor. Stadt, 1. FC Nürnberg, Hochschulen und Unternehmen hatten sich bereits im August gemeinsam hinter die Münchner Bewerbung gestellt.

Nach dem DOSB-Votum erklärte FCN-Vorstandssprecher Niels Rossow, der Verein wolle dazu beitragen, dass die Bewerbung auch international erfolgreich werde und die Metropolregion Nürnberg „unter anderem mit einem neuen Stadion und einer Spitzensportler gerechten Infrastruktur“ Teil der Großveranstaltung werde. Damit bestätigt der Verein seine Olympia-Ambitionen ausdrücklich.

Eine automatische Finanzierung des Stadionumbaus durch die Olympiabewerbung ergibt sich daraus allerdings nicht. Weder der DOSB-Beschluss noch das Münchner Bewerbungskonzept enthalten eine verbindliche Förderzusage für den Vollumbau des Max-Morlock-Stadions. Die Finanzierungsgespräche zwischen Nürnberg, dem FCN und dem Freistaat bleiben davon zunächst ein eigenständiger Prozess.

Moderne Arena soll wirtschaftliche Möglichkeiten erweitern

Für den 1. FC Nürnberg ist das Stadionprojekt auch Teil seiner langfristigen wirtschaftlichen Strategie. Finanzvorstand Stefan Heim erklärte bei der Präsentation der Vorzugsvariante im Juli, das Projekt solle nicht nur dem Fußball dienen. Zusätzliche Veranstaltungen und neue Nutzungsflächen sollen die wirtschaftlichen Möglichkeiten erweitern. Die Stadt verfolgt ebenfalls das Ziel, das Stadion ganzjährig für Veranstaltungen, Tagungen und Konzerte einsetzen zu können.

Der Verein selbst hat seine finanzielle Lage zuletzt deutlich verbessert. Für das Geschäftsjahr 2024/25 meldete der FCN ein positives Konzernergebnis von 13,1 Millionen Euro sowie Rekorderträge von 105,3 Millionen Euro. Der Verein verwies zugleich darauf, sein strukturelles Defizit reduziert zu haben. Im April 2026 erhielt Nürnberg die DFL-Lizenz für die laufende Saison ohne finanzielle Bedingungen oder Auflagen.

Organisatorisch setzt der Club auf Kontinuität. Im August verlängerte der Aufsichtsrat die Verträge der drei Vorstände Niels Rossow, Joti Chatzialexiou und Stefan Heim vorzeitig. Heim verantwortet die Finanzen und beschäftigt sich bereits seit 2022 intensiv mit der Stadionentwicklung.

Die entscheidenden Schritte liegen nun bei der wirtschaftlichen Detailplanung. Für den Stadionvollumbau existiert eine beschlossene Vorzugsvariante, aber noch keine abgeschlossene Finanzierung und kein gesicherter Baubeginn. Münchens erfolgreiche nationale Olympia-Bewerbung erhöht die Bedeutung Nürnbergs als möglicher internationaler Sportstandort. Ob daraus zusätzliche öffentliche Mittel für das Max-Morlock-Stadion entstehen, war am Sonntagmorgen, 27. September 2026, nicht offiziell bestätigt.

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