WDR spart: Münster-Tatort mit Thiel und Boerne bleibt

Der neue Münster-Tatort „Die Erfindung des Rades“ wird am 7. Dezember 2025 ausgestrahlt. Es ist der Abschied von Staatsanwältin Klemm.
Prof. Karl Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, l.) und Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, r.) verschlägt es die Sprache, als ihnen kein neues Hobrecht-Fahrrad, sondern überraschend eine Kühltruhe präsentiert wird. © WDR/Molina Films/Frank Dicks

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Köln/Münster. Der WDR stellt sein Programm massiv um, Dutzende Angebote verschwinden und bis 2030 soll das gesamte Portfolio deutlich kleiner werden. Für Fans des Münster-„Tatorts“ gibt es dagegen Entwarnung: Der Münster-Tatort beim WDR soll von den aktuellen Einschnitten nicht betroffen sein. Intendantin Katrin Vernau hat Kürzungen bei der erfolgreichen Krimireihe ausgeschlossen. Für Frank Thiel und Professor Boerne spricht außerdem noch ein weiterer Punkt: Der Sender hat mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers bereits längerfristig geplant.

WDR will sein Angebot bis 2030 deutlich verkleinern

Der Hintergrund ist einer der größten Programmumbauten beim Westdeutschen Rundfunk seit Jahren. Der WDR hatte bereits im Frühjahr beschlossen, sein Portfolio von derzeit rund 600 auf etwa 300 Angebote im Jahr 2030 zu reduzieren. Gleichzeitig können bis zu 100 neue Angebote entwickelt werden, vor allem mit Blick auf die digitale Nutzung.

Am Freitag, 25. September, machte der Sender den ersten großen Schritt konkret: 76 Angebote werden eingestellt. Der WDR will damit Doppelungen innerhalb der ARD reduzieren, mehr Inhalte für Mediathek, Apps und andere digitale Plattformen entwickeln und seine Ressourcen stärker bündeln.

Ausgerechnet beim „Tatort“ soll jedoch nicht gespart werden. WDR-Intendantin Katrin Vernau machte in einem Interview mit der „Rheinischen Post“ deutlich, dass sie bei erfolgreichen Marken keinen Anlass für Einschnitte sieht. Sie machte deutlich, dass der Sender gerade bei einer starken und stark nachgefragten Marke wie dem „Tatort“ keine Einschnitte plane.

Damit sind nach aktuellem Stand die WDR-Ermittler aus Münster, Dortmund und Köln nicht Teil der Kürzungspläne.

Münster-„Tatort“ hat gleich doppelte Zukunftssicherheit

Besonders deutlich ist die Lage in Münster. Axel Prahl als Hauptkommissar Frank Thiel und Jan Josef Liefers als Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne gehören seit 2002 zum „Tatort“. Und der WDR plant mit beiden noch mehrere Jahre.

Der WDR-Rundfunkrat stimmte bereits Ende 2025 längerfristigen Darstellerverträgen für Prahl und Liefers zu. Nach Angaben der Stadt Münster und weiteren Berichten umfassen die Vereinbarungen auch die Jahre 2028 und 2029. Der Rundfunkrat hatte zugleich einen weiteren Produktionsvertrag für den Münster-„Tatort“ genehmigt.

Der aktuelle Sparkurs des Senders ändert daran nach dem derzeit bekannten Stand nichts.

Dass der WDR gerade an neuen Münster-Fällen arbeitet, lässt sich unmittelbar sehen: Seit dem 15. September laufen die Dreharbeiten zum bereits 51. Münster-„Tatort“. Der Arbeitstitel lautet „Edle Spender“. Gedreht wird bis Mitte Oktober in Münster, Köln und Umgebung. Eine Ausstrahlung ist für 2027 vorgesehen, einen konkreten Sendetermin gibt es bislang nicht.

In dem Fall geraten Thiel und Boerne in einen Streit um ein millionenschweres Erbe und komplizierte Familienverhältnisse. Neben Prahl und Liefers stehen unter anderem Christine Urspruch als Silke Haller, Lou Strenger als Staatsanwältin Nicole König und Björn Meyer als Mirko Schrader vor der Kamera.

Jubiläumsfolge Nummer 50 kommt ebenfalls 2027

Noch davor wartet ein besonderer Fall auf die Zuschauer. Die Dreharbeiten zum 50. Münster-„Tatort“ „Eine Frage der Zeit“ wurden bereits im März abgeschlossen.

Darin wird Thiel mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Bei einer Feier zu seinem 35-jährigen Dienstjubiläum taucht die Akte seiner ersten Ermittlung als junger Kripo-Anwärter wieder auf. Damals war der Tod einer 17-Jährigen als Unfall behandelt worden. Nun gerät der alte Fall erneut ins Visier der Ermittler.

Der Jubiläums-„Tatort“ soll nach Angaben des WDR im Frühjahr 2027 ausgestrahlt werden. Ein genaues Datum steht noch nicht fest.

Dass der Sender an Münster festhält, überrascht auch mit Blick auf die Einschaltquoten kaum. Das Team um Thiel und Boerne gehört seit Jahren zu den größten Publikumsmagneten der gesamten Reihe. Der Münster-Fall „Die Erfindung des Rades“ erreichte im Dezember 2025 beispielsweise 11,63 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 42,6 Prozent.

Selbst Wiederholungen können außergewöhnlich stark laufen: Am 10. Mai 2026 sahen 6,36 Millionen Menschen den bereits bekannten Münster-Fall „Man stirbt nur zweimal“. Das Erste erreichte damit einen Marktanteil von 28,3 Prozent und den Tagessieg.

Auch Peter Faber in Dortmund ermittelt weiter

Auch beim Dortmunder „Tatort“ gibt es aktuell keine Anzeichen für einen Produktionsstopp. Erst im September drehte der WDR den neuen Fall „Engel sucht Frau zum Verwöhnen“ mit Jörg Hartmann als Peter Faber.

Mit ihm ermitteln Ira Klasnić, gespielt von Alessija Lause, und Leo Sturm, gespielt von Sophia Mercedes Burtscher. Gedreht wurde bis zum 16. September in Dortmund, Köln und Umgebung. Einen Ausstrahlungstermin hat der WDR noch nicht genannt.

In Köln steht trotzdem ein großer Abschied bevor

Veränderungen gibt es dagegen beim Kölner „Tatort“ – allerdings unabhängig vom aktuellen Sparprogramm. Klaus J. Behrendt wird sich nach der 100. Kölner Folge als Max Ballauf verabschieden. Die Jubiläumsfolge soll im Herbst 2027 ausgestrahlt werden.

Der Abschied erfolgt nach Angaben des WDR aus persönlichen Gründen. Behrendts langjähriger Kollege Dietmar Bär will dagegen auch über die 100. Folge hinaus als Freddy Schenk weitermachen. Der WDR hat seine Fortsetzung ausdrücklich bestätigt.

Beim MDR sieht die Situation anders aus

Dass eine solche Entscheidung keineswegs selbstverständlich ist, zeigt der Blick zu einem anderen ARD-Sender. Der MDR hat im Mai beschlossen, Neuproduktionen von „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ für drei Jahre zu pausieren. Bereits fertiggestellte oder vertraglich fest vereinbarte Filme sollen allerdings weiterhin ausgestrahlt werden.

Hintergrund sind zusätzliche Sparvorgaben. Neben einem bereits bestehenden Ausgleichsvorhaben von 160 Millionen Euro muss der MDR nach eigenen Angaben bis Ende 2028 weitere 30 Millionen Euro einsparen.

Beim WDR fällt die Entscheidung bislang anders aus. Trotz des umfangreichen Umbaus und der Streichung zahlreicher Angebote bleibt der „Tatort“ eine der Marken, an denen der Sender festhalten will.

Für Münster bedeutet das nach aktuellem Stand: Thiel und Boerne bleiben. Mit zwei bereits produzierten beziehungsweise in Produktion befindlichen neuen Fällen und den längerfristigen Verträgen von Prahl und Liefers reicht die konkrete Planung sogar bis 2029. Ein baldiges Ende des Münster-„Tatorts“ ist damit derzeit nicht in Sicht.

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