
Bei den insolventen Baumarktketten Hellweg und BayWa Bau & Garten läuft Anfang Oktober weiterhin der bundesweite Abverkauf. Beide Unternehmen weisen auf ihren Internetseiten auf einen Abverkauf in allen Märkten hin. Während für einen wachsenden Teil der Standorte neue Betreiber gefunden wurden, steht für zahlreiche andere Filialen die Schließung bis Ende November bevor. Der Räumungsverkauf bei Hellweg und BayWa bedeutet deshalb nicht automatisch, dass der jeweilige Baumarktstandort dauerhaft verschwindet. Mehrere Märkte sollen nach Umbauten unter den Marken von Konkurrenten neu eröffnen.
Die Neuordnung betrifft eines der größeren Baumarktnetze in Deutschland. Hellweg betrieb vor dem Insolvenzverfahren 68 Märkte. Bei BayWa Bau & Garten waren zu Beginn des Verfahrens noch 46 Standorte genannt worden. Zuletzt wurden bundesweit 68 Hellweg-Filialen und 43 BayWa-Märkte im laufenden Abverkauf erfasst. Die unterschiedliche Gesamtzahl erklärt sich durch Veränderungen im Filialnetz während des Verfahrens. Das Bundeskartellamt spricht inzwischen von zuletzt 113 Bau- und Gartenmärkten der Gruppe.
Der großflächige Abverkauf begann Anfang September. Angeboten werden unter anderem Werkzeuge, Baustoffe, Farben, Gartengeräte, Pflanzen und weitere Waren aus den bestehenden Lagerbeständen. Von Preisnachlässen ausgenommen sind nach Unternehmensangaben unter anderem Pfand, Tabakwaren, Bestellkäufe, Geschenkgutscheine, Serviceleistungen sowie Fracht- und Versandkosten. Die Waren sind nur verfügbar, solange die jeweiligen Bestände reichen.
Der Verkauf betrifft auch Filialen, für die bereits ein Nachfolger feststeht. Hintergrund ist, dass die künftigen Betreiber nicht einfach das bisherige Hellweg- oder BayWa-Geschäft fortsetzen. Zahlreiche Standorte sollen nach der Übernahme umgebaut und anschließend unter einer anderen Marke neu eröffnet werden. Mehrere Wettbewerber planen den Betreiberwechsel zum 1. Dezember 2026 und Neueröffnungen im Frühjahr 2027.
Für Filialen ohne Fortführungslösung ist dagegen eine Schließung bis Ende November vorgesehen. Beschäftigten an zunächst nicht gesicherten Standorten waren bereits vorsorglich Kündigungen ausgesprochen worden. Ende August gab es zunächst für 18 Hellweg-Märkte und 17 BayWa-Bau-&-Garten-Standorte konkrete Übernahmelösungen. Gleichzeitig liefen für zahlreiche weitere Märkte noch Gespräche.
Eine wichtige Entscheidung fiel unmittelbar vor dem ersten Oktoberwochenende. Das Bundeskartellamt gab die Übernahme von acht Standorten der insolventen Gruppe durch Bauhaus frei. Die Genehmigung umfasst die Märkte in Backnang, Beckum, Berlin-Köpenick, Dahlwitz-Hoppegarten, Dortmund-Hacheney, Essen-Rellinghausen, Iserlohn und Potsdam. Die Behörde sieht durch die Übernahmen keine erheblichen Wettbewerbsprobleme, weil in den jeweiligen Einzugsgebieten ausreichend andere Bau- und Fachmärkte vorhanden seien.
Damit fällt die Bauhaus-Lösung inzwischen größer aus als zunächst angekündigt. Anfang September hatte das Unternehmen sieben Standorte genannt: die sechs Hellweg-Märkte Beckum, Dahlwitz-Hoppegarten, Dortmund-Hacheney, Essen-Rellinghausen, Iserlohn und Potsdam sowie den BayWa-Markt Backnang. Neu hinzugekommen ist Berlin-Köpenick. Bauhaus hatte für die zunächst sieben vorgesehenen Märkte von rund 400 Arbeitsplätzen gesprochen.
Obi hatte bereits Ende August den Zuschlag für zunächst fünf Standorte erhalten. Dazu gehören die Hellweg-Märkte Berlin-Tiergarten, Berlin-Yorckstraße und Münster-Gievenbeck sowie die BayWa-Bau-&-Gartenmärkte in Nördlingen und Wolfratshausen. Insgesamt arbeiten dort nach Unternehmensangaben rund 250 Menschen. Die Übernahme ist für den 1. Dezember vorgesehen, nach Umbauten sollen die Märkte voraussichtlich im März 2027 als Obi-Filialen öffnen. Darüber hinaus war Obi für sieben weitere Standorte als bevorzugter Investor ausgewählt worden, die Verhandlungen waren zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht abgeschlossen.
Hornbach kündigte Mitte September die Übernahme von sechs bisherigen Hellweg-Standorten an. Dabei handelt es sich um Ahrensfelde, Berlin-Köpenick, Dortmund-Kley, Essen-Borbeck, Freiberg in Sachsen und Sankt Augustin. Für Berlin-Köpenick hat sich der Stand inzwischen verändert: Dieser Markt gehört zu den acht Standorten, deren Übernahme durch Bauhaus das Bundeskartellamt am 2. Oktober freigegeben hat. Damit ist die frühere Hornbach-Ankündigung für diesen Standort nicht mehr der aktuelle Stand. Die übrigen von Hornbach genannten Märkte sollen nach damaliger Planung im Frühjahr 2027 unter der neuen Marke eröffnen.
Auch aus dem Hagebau-Verbund gibt es Übernahmen. Hagebau-Gesellschafter wollen die bisherigen Märkte in Bad Tölz, Pfarrkirchen, Schmalkalden, Viechtach, Weil der Stadt und Brandenburg an der Havel übernehmen. Ende September kam außerdem der bisherige BayWa-Bau-&-Gartenmarkt in Traunreut hinzu. Dort will die Schneider Gruppe ihren bestehenden Hagebaumarkt an den bisherigen BayWa-Standort verlagern.
Der Investorenprozess ist in Bewegung. Das zeigt unter anderem das Beispiel Falkensee. Ende August gehörte der Hellweg-Markt dort noch zu den Standorten mit einer angekündigten Fortführungslösung. Ende September bestätigte das Unternehmen jedoch, dass die geplante Übernahme nicht zustande gekommen ist. Der Abverkauf soll dort bis Ende November laufen, anschließend ist die Schließung vorgesehen.
Deshalb lässt sich aus älteren Listen nicht zuverlässig ableiten, welche Filialen tatsächlich dauerhaft erhalten bleiben. Für mehrere Standorte waren Ende August zwar Investoren gefunden worden, teilweise standen die Vereinbarungen aber noch unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Genehmigungen oder einer endgültigen Einigung mit den jeweiligen Vermietern. Gleichzeitig kamen später zusätzliche Übernahmelösungen hinzu.
Hellweg und BayWa Bau & Garten hatten Mitte Juni Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Ende August eröffnete das Amtsgericht Essen die Verfahren. Eine Lösung für das gesamte bestehende Filialnetz kam nicht zustande. Auch die Zentralen in Dortmund und Garching mit zusammen rund 340 Beschäftigten sollten deshalb geschlossen werden. Als Belastungen hatten die Unternehmen unter anderem Kaufzurückhaltung, höhere Mieten, Lieferengpässe, geopolitische Unsicherheiten und inflationsbedingte Kostensteigerungen genannt.
Die BayWa Bau- & Gartenmärkte dürfen dabei nicht mit der börsennotierten BayWa AG gleichgesetzt werden. Die BayWa AG hält nach eigenen Angaben 15 Prozent an der Betreibergesellschaft, während der übrige Anteil bei der Hellweg-Gruppe liegt. Die operative Führung der Bau- und Gartenmärkte war bereits Jahre zuvor auf Hellweg übergegangen. Die wirtschaftlichen Probleme und das Insolvenzverfahren der Baumärkte betreffen damit eine eigenständige Betreibergesellschaft.
Für die Kunden bleibt Anfang Oktober vor allem ein sichtbares Ergebnis der Insolvenz: In den noch geöffneten Hellweg- und BayWa-Bau-&-Gartenmärkten werden die vorhandenen Bestände weiter abverkauft. Bei einem Teil der Standorte folgt danach lediglich ein Betreiber- und Markenwechsel. Märkte ohne neue Lösung sollen dagegen spätestens Ende November schließen.
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