
Der angeschlagene Stahlkonzern Swiss Steel verschärft seinen Sanierungskurs. Nach Angaben von Konzernchef Frank Koch sollen die Aktivitäten in Deutschland weiter umgebaut werden. Damit ist erneut ein Stellenabbau verbunden. Wie viele Arbeitsplätze betroffen sein werden und an welchen deutschen Standorten die Einschnitte erfolgen sollen, wurde zunächst nicht konkretisiert. Koch kündigte zugleich eine weitere Sanierung der Bilanz an. Ziel des Konzerns ist es, ab 2028 wieder operativ profitabel zu arbeiten. ()
Die Swiss Steel Sanierung in Deutschland ist damit ein weiterer Schritt in einem bereits seit mehreren Jahren laufenden Konzernumbau. Das Unternehmen hat Produktion, Vertrieb und Verwaltung wiederholt verkleinert und seine Belegschaft deutlich reduziert. Nach Angaben Kochs sank die Mitarbeiterzahl in den vergangenen Jahren von rund 13.000 auf etwa 6.500. Mit den nun angekündigten Maßnahmen soll sie weiter zurückgehen. ()
Koch nannte in dem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der „SonntagsZeitung“ keine konkrete Zahl für den geplanten Stellenabbau. Auch einzelne Werke wurden nicht ausdrücklich als Abbauziele genannt. Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass deutsche Standorte von der nächsten Sanierungsrunde betroffen sein sollen. ()
Swiss Steel verfügt in Deutschland unter anderem über Produktionsaktivitäten der Deutschen Edelstahlwerke. Der Konzern führt Standorte in Witten, Krefeld, Siegen und Hagen auf. Hinzu kommen weitere Produktions-, Verarbeitungs-, Vertriebs- und Serviceeinheiten, unter anderem in Lüdenscheid und Düsseldorf. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass an jedem dieser Standorte Stellen gestrichen werden. Eine Aufteilung der geplanten Einschnitte auf einzelne Werke lag am Sonntagmorgen nicht vor. ()
Nach Angaben Kochs soll der Umbau insbesondere dazu beitragen, die Abhängigkeit des Konzerns vom Automobilgeschäft weiter deutlich zu reduzieren. Die Produktionsstandorte müssten so ausgerichtet werden, dass sie auch in einem erheblich kleineren Markt wieder operative Gewinne erwirtschaften könnten. ()
Die deutschen Aktivitäten stehen bereits seit mehreren Jahren im Mittelpunkt des Konzernumbaus. Swiss Steel hatte für die Deutschen Edelstahlwerke schon 2023 ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm aufgelegt. Bis 2025 sollten strukturelle Kosten von mehr als 130 Millionen Euro eingespart werden. Dazu gehörte damals auch die Streichung von mehr als 350 Stellen, vor allem in indirekten Bereichen. ()
Im November 2024 folgte ein weiteres konzernweites Programm. Swiss Steel kündigte damals Kapazitätsanpassungen im Umfang von rund 800 Vollzeitstellen an. Davon sollten 530 Arbeitsplätze tatsächlich entfallen, weitere 270 Vollzeitstellen sollten rechnerisch durch kürzere Arbeitszeiten eingespart werden. Bei den Deutschen Edelstahlwerken in Deutschland wurde dafür die tarifliche Wochenarbeitszeit um rund 15 Prozent reduziert. Die Maßnahmen betrafen vor allem europäische Produktionsstandorte und die Vertriebsorganisation. ()
Zum Jahresende 2024 beschäftigte Swiss Steel noch 7.450 Menschen. Gegenüber dem Vorjahr entsprach dies einem Rückgang um 15,5 Prozent, wobei ein erheblicher Teil auf Veränderungen des Konsolidierungskreises zurückging. Inzwischen spricht Koch von rund 6.500 Beschäftigten im Konzern. ()
Hintergrund der neuen Maßnahmen ist die weiterhin schwierige wirtschaftliche Lage. Für 2024 wies Swiss Steel einen Konzernverlust von 197,2 Millionen Euro aus. Der Umsatz lag bei 2,51 Milliarden Euro, nach 3,24 Milliarden Euro im Vorjahr. Das EBITDA blieb mit minus 35,5 Millionen Euro negativ. Das Betriebsergebnis EBIT lag bei minus 136,6 Millionen Euro. ()
Für 2025 nennt die „SonntagsZeitung“ nun einen Verlust von 311 Millionen Euro. Diese Zahl wird von Keystone-SDA und SRF unter Berufung auf das Interview wiedergegeben. Ein öffentlich zugänglicher vollständiger Konzernabschluss 2025 mit dieser Ergebniszahl war auf der Investorenseite von Swiss Steel zunächst nicht hinterlegt. Dort werden weiterhin die Finanzberichte für 2024 als aktuellste vollständige Finanzveröffentlichungen geführt. Die 311 Millionen Euro sind deshalb bislang als Angabe aus dem Interview beziehungsweise dem Zeitungsbericht einzuordnen. ()
Schon für 2024 hatte Swiss Steel auf die schwache Industriekonjunktur in Europa verwiesen. Besonders die Automobilindustrie, der wichtigste Kundensektor des Konzerns, entwickelte sich schwach. Auch der deutsche Maschinen- und Anlagenbau litt nach Darstellung des Unternehmens unter zurückhaltenden Investitionen. Auf vergleichbarer Basis sank der Umsatz 2024 um 14,3 Prozent auf 2,432 Milliarden Euro. ()
Die neue Sanierungsrunde soll nicht allein beim Personal ansetzen. Koch kündigte auch eine Bilanzsanierung an, ohne Einzelheiten zu nennen. Der Konzern verfolgt nach seinen Worten das Ziel, ab 2028 wieder in die operative Gewinnzone zurückzukehren. Swiss Steel werde dann kleiner und stärker fokussiert sein. ()
Der Konzern hatte seine Finanzstruktur bereits in den vergangenen Jahren mehrfach verändert. 2024 brachte eine Kapitalerhöhung netto rund 288 Millionen Euro ein. Die Nettoverschuldung sank bis Ende 2024 auf 711,4 Millionen Euro. Gleichzeitig veräußerte Swiss Steel verschiedene Aktivitäten und Immobilien und konzentrierte sich stärker auf das Kerngeschäft mit Speziallangstahl. ()
2025 zog sich die Swiss Steel Holding zudem von der Schweizer Börse SIX zurück. Der Konzern begründete den Schritt mit seiner strategischen Neuordnung und dem Ziel, den damit verbundenen Verwaltungsaufwand zu reduzieren. ()
Zusätzliche Belastungen entstehen nach Kochs Angaben durch neue Schutzmaßnahmen der Europäischen Union für den Stahlmarkt. Seit Juli 2026 wurden die zollfreien Einfuhrmengen in die EU deutlich reduziert und die Abgaben für darüber hinausgehende Importe erhöht. Davon sind auch Lieferungen aus der Schweiz betroffen. Swiss Steel erklärte im Juni, die neuen Regeln träfen insbesondere die Tochter Steeltec in Emmenbrücke. ()
Für die deutschen Beschäftigten ist vorerst entscheidend, wie die nun angekündigte Restrukturierung konkret ausgestaltet wird. Eine Zahl für den zusätzlichen Stellenabbau, ein Zeitplan und eine Aufteilung auf Witten, Krefeld, Siegen, Hagen oder andere deutsche Standorte waren zunächst nicht genannt worden. Fest steht bislang lediglich, dass Swiss Steel seine deutschen Produktionsstrukturen erneut verkleinern und den Gesamtkonzern bis 2028 deutlich stärker fokussieren will. ()
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