UniCredit erhöht den Druck auf die Commerzbank-Spitze

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Bei der Commerzbank wächst der Einfluss des italienischen Großaktionärs UniCredit weiter. Zugleich verdichten sich Berichte, wonach UniCredit-Chef Andrea Orcel einen personellen Umbau an der Spitze der Frankfurter Bank anstrebt. Im Mittelpunkt steht Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp. Einen bestätigten Abgang gibt es jedoch nicht. Die Commerzbank führt Orlopp weiterhin offiziell als Vorstandsvorsitzende, eine Rücktrittserklärung oder eine Abberufung wurde nicht veröffentlicht.

Reuters hatte Mitte September unter Berufung auf drei mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, Orcel wolle Orlopp nach einer Übernahme nicht als Vorstandschefin behalten. Zwei der Quellen zufolge soll UniCredit zudem einen Wechsel an der Spitze des Commerzbank-Aufsichtsrats anstreben. Die Bank selbst bestätigte diese Personalpläne nicht. UniCredit äußerte sich zu dem Bericht nicht. Die Commerzbank verwies darauf, dass die Vorstandsmitglieder laufende Verträge hätten und der Aufsichtsrat gewählt sei.

Orlopp bleibt offiziell Vorstandsvorsitzende

Auf den aktuellen Unternehmensseiten der Commerzbank wird Bettina Orlopp unverändert als Chief Executive Officer beziehungsweise Vorstandsvorsitzende geführt. Sie steht seit Oktober 2024 an der Spitze des Instituts und gehört bereits seit 2016 dem Vorstand an.

Damit ist ein angeblich bereits beschlossener Abschied nicht belegt. Auch die jüngsten öffentlichen Informationen der Bank enthalten keine Mitteilung über einen Rücktritt oder eine bevorstehende Ablösung. Noch Ende September veröffentlichte die Commerzbank auf ihrer Themenseite zur Beteiligung von UniCredit ein Interview mit Orlopp und verwies weiterhin auf sie als Vorstandsvorsitzende.

Bereits im September hatte Reuters zudem berichtet, Orlopp selbst habe zuvor erklärt, sie fühle sich nicht unter Druck gesetzt, ihr Amt aufzugeben. Eine unabhängige Bestätigung dafür, dass inzwischen eine konkrete Personalentscheidung getroffen worden wäre, lag zunächst nicht vor.

UniCredit besitzt inzwischen fast die Hälfte der Commerzbank

Deutlich weiter fortgeschritten ist dagegen die Veränderung der Eigentümerstruktur. UniCredit teilte am 8. Juli mit, nach Abschluss ihres freiwilligen Übernahmeangebots seien Aktien in Höhe von 17,60 Prozent des Commerzbank-Kapitals angedient worden. Zusammen mit bereits direkt gehaltenen Aktien und weiteren Finanzinstrumenten errechnete UniCredit daraus eine Position von 47,59 Prozent des Kapitals. Das entsprach nach Angaben der italienischen Bank 49,65 Prozent der stimmberechtigten Aktien, weil eigene Aktien der Commerzbank nicht stimmberechtigt sind.

Die Commerzbank bestätigte die Größenordnung des Angebots. Der Übergang der angedienten Aktien und der damit verbundenen Stimmrechte steht beziehungsweise stand dabei unter dem Vorbehalt der erforderlichen aufsichtsrechtlichen Genehmigungen. Nach Darstellung der Commerzbank erhält UniCredit nach Vollzug Zugriff auf knapp 50 Prozent der Stimmrechte.

Damit wäre UniCredit bei Hauptversammlungen in einer sehr starken Position. Reuters berichtete Ende September, dass der italienische Konzern nach den noch erforderlichen Freigaben faktisch die Kontrolle über Beschlüsse der Aktionäre erlangen könnte.

Bericht über Umbau des Aufsichtsrats ab Januar

Am 29. September berichtete die Financial Times unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, UniCredit könne bereits Anfang 2027 versuchen, den Aufsichtsrat der Commerzbank umfassend neu zu besetzen. Reuters griff den Bericht auf und schrieb, ein Umbau könne im günstigsten Fall für UniCredit bereits im Januar erfolgen. Als Basisszenario werde eine Kontrolle bis Ende Februar genannt.

Dem Bericht zufolge geht es um die zehn Vertreter der Anteilseigner im 20-köpfigen Commerzbank-Aufsichtsrat. Eine außerordentliche Hauptversammlung könnte nach Erteilung der noch ausstehenden Genehmigungen einberufen werden. UniCredit und Commerzbank äußerten sich gegenüber Reuters zu diesem Bericht zunächst nicht.

Ein solcher Umbau wäre auch für die Position von Bettina Orlopp entscheidend. Nach deutschem Aktienrecht bestellt der Aufsichtsrat die Mitglieder des Vorstands und bestimmt bei mehreren Vorstandsmitgliedern auch den Vorsitzenden. Die Abberufung eines Vorstandsmitglieds liegt ebenfalls beim Aufsichtsrat und setzt grundsätzlich einen wichtigen Grund voraus.

UniCredit könnte Orlopp deshalb nicht allein durch den Erwerb von Aktien unmittelbar aus dem Vorstand entfernen. Ein Wechsel an der Vorstandsspitze müsste über die entsprechenden gesellschaftsrechtlichen Organe erfolgen.

Bundesregierung stellt Bedingungen an UniCredit

Neben der personellen Frage laufen Gespräche über die künftige Struktur der Bank. Die Bundesregierung hält weiterhin 13,3 Prozent an der Commerzbank. Reuters zufolge verlangt Berlin unter anderem, dass die Commerzbank börsennotiert bleibt, ihren Sitz in Frankfurt behält und ihre Rolle bei der Finanzierung des deutschen Mittelstands fortführt. Auch eine ausreichende Kapitalbasis sowie wesentliche Entscheidungen in Deutschland gehören zu den Punkten, die aus Regierungskreisen genannt wurden.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und UniCredit-Chef Andrea Orcel hatten sich im September zu Gesprächen getroffen. Beide Seiten bezeichneten das Treffen als konstruktiv. UniCredit erklärte später, der Dialog mit der Bundesregierung werde begrüßt, wollte Details der laufenden Gespräche jedoch nicht öffentlich kommentieren.

Die Bundesregierung beansprucht zudem weiterhin Einfluss im Aufsichtsrat. Reuters zufolge möchte Berlin die zwei Aufsichtsratsmandate behalten, die im Zusammenhang mit dem staatlichen Einstieg während der Finanzkrise entstanden waren. Nach Informationen der Nachrichtenagentur steht UniCredit diesem Wunsch ablehnend gegenüber.

Kein bestätigter Nachfolger für Bettina Orlopp

Auch über mögliche Nachfolger für Bettina Orlopp kursieren Namen. Eine offizielle Personalentscheidung liegt dazu jedoch nicht vor. Weder Commerzbank noch UniCredit haben einen künftigen Vorstandsvorsitzenden benannt.

Damit bleibt der Stand Anfang Oktober eindeutig: Bestätigt ist der inzwischen sehr große Einfluss von UniCredit auf die Eigentümerstruktur der Commerzbank. Belastbar belegt ist außerdem, dass die italienische Bank eine stärkere Kontrolle über das Institut anstrebt und Gespräche mit der Bundesregierung laufen. Berichte, wonach Andrea Orcel Bettina Orlopp ersetzen möchte, stammen bislang aus Informationen an Medien und sind nicht durch einen formellen Beschluss der zuständigen Commerzbank-Gremien bestätigt.

Bettina Orlopp ist deshalb weiterhin Vorstandsvorsitzende der Commerzbank. Ob sich das mit einem möglichen Umbau des Aufsichtsrats im Jahr 2027 ändert, ist bislang offen.

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