Reinhard Mey schreibt mit Schatzhauser erneut Chartgeschichte

Symbolbild: Mikrofon auf einer Bühne
Lestat (Jan Mehlich), CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons

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Reinhard Mey hat im Alter von 83 Jahren erneut Platz eins der deutschen Album-Charts erreicht. Sein neues Album „Schatzhauser“ stieg in der Chartwoche 40/2026 direkt an der Spitze ein. Die Rangliste wurde am Freitag, 2. Oktober 2026, veröffentlicht. Damit steht Reinhard Mey auf Platz 1 und verbessert zugleich einen Altersrekord, den er bereits selbst gehalten hatte. GfK Entertainment bezeichnet ihn nun als ältesten nationalen Künstler, der jemals die deutschen Album-Charts angeführt hat.

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GfK bestätigt den Rekord in der Chartwoche 40

Die Offiziellen Deutschen Charts werden von GfK Entertainment im Auftrag des Bundesverbandes Musikindustrie ermittelt. Nach Angaben des Unternehmens fließen Verkaufs- und Nutzungsdaten aus dem stationären Handel, Online-Shops, Downloadangeboten und Streamingdiensten ein. Die Auswertung deckt nach GfK-Angaben rund 90 Prozent des deutschen Musikmarktes ab. Hinter Mey landeten in der betreffenden Woche Till Lindemann, Wolfgang Petry, Kuko und Linkin Park auf den folgenden Positionen. Taylor Swift belegte mit ihrem Album Rang sechs.

Für Mey ist „Schatzhauser“ bereits das fünfte Nummer-eins-Album seiner Karriere in Deutschland. Seine bisherigen Spitzenreiter waren „Mein Achtel Lorbeerblatt“ 1972, „Bunter Hund“ 2007, „Dann mach’s gut“ 2013 und „Nach Haus“ 2024. Die Datenbank der Offiziellen Deutschen Charts weist für alle vier Vorgängeralben eine Höchstposition von eins aus.

„Schatzhauser“ erschien am 25. September

„Schatzhauser“ wurde am 25. September 2026 veröffentlicht und ist Meys 30. reguläres Studioalbum. Fast 60 Jahre liegen damit zwischen dem neuen Werk und seiner ersten LP „Ich wollte wie Orpheus singen“ aus dem Jahr 1967. Die offizielle Universal-Music-Seite nennt Electrola als Label. Streamingdienste und Tonträgerdaten führen die Veröffentlichung zugleich als Odeon-Release unter Universal Music.

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Das Album umfasst 13 Titel und hat eine Laufzeit von rund 45 Minuten. Zwölf Stücke sind neu, hinzu kommt eine neue Fassung von „In meinem Garten“, das Mey ursprünglich 1970 auf „Aus meinem Tagebuch“ veröffentlicht hatte. Mey hatte die komplette Titelliste am 2. September vorgestellt und die Zusammenstellung nach einer französischen Tradition erklärt: Zu einem Dutzend gebe es ein dreizehntes Stück gewissermaßen als Zugabe. Als musikalische Kostprobe veröffentlichte er damals einige Takte aus „Mein Wald“. Eine separat angekündigte klassische Vorab-Single ist auf seinen offiziellen Seiten nicht dokumentiert.

Erstmals ein Studioalbum in weitgehend solistischer Form

Musikalisch konzentriert sich „Schatzhauser“ auf Meys Gesang und Akustikgitarre. Universal Music beschreibt es als erstes Studioalbum seiner Laufbahn, das er vollständig allein eingespielt habe. Damit überträgt Mey eine Arbeitsweise ins Studio, die seine Solokonzerte seit Jahrzehnten prägt. Bei seinen 29 vorherigen Studioalben waren jeweils weitere Musiker beteiligt.

Ganz ohne weitere Stimmen kommt die veröffentlichte Fassung allerdings offenbar nicht aus. In den veröffentlichten Tonträger-Credits werden Jurij Mey beim Stück „Tristan“ und Sasha Mey bei „Kinderlied“ als Gäste geführt. Der instrumentale und gesangliche Kern des Albums bleibt dennoch die Kombination aus Meys Stimme und Gitarre.

Wilhelm Hauff liefert den Namen für das Album

Der Albumtitel verweist auf den Schatzhauser aus Wilhelm Hauffs Märchen „Das kalte Herz“. Mey erklärte auf seiner eigenen Website, die Figur habe ihn schon als Kind beschäftigt. Der Schatzhauser erfüllt in der Erzählung Sonntagskindern Wünsche. Mey wurde nach eigener Darstellung an einem Montag um 0.15 Uhr geboren und verbindet die Figur deshalb augenzwinkernd mit dem Gedanken eines Neubeginns. „Ich fang nochmal von vorne an!“, schrieb er im August.

Inhaltlich kreisen die neuen Stücke um Erinnerungen, Beziehungen, Freundschaft, Natur, das Fliegen, Verlust und die Endlichkeit des Lebens. Trotz dieser Themen hat Mey das Album nicht als angekündigten Abschied präsentiert. Auf seiner Website schrieb er vor der Veröffentlichung ausdrücklich, er habe gar nicht ans Aufhören gedacht. Die reduzierte musikalische Form passt zu diesem Gedanken des Neubeginns: Statt eines großen Jubiläumsarrangements zum 30. Studioalbum stehen Sprache, Gesang und Gitarre im Vordergrund.

„In meinem Garten“ verbindet Mey mit einer jüngeren Generation

Eine Sonderstellung nimmt „In meinem Garten“ ein. Das Stück stammt aus dem Jahr 1970 und erlebte 2025 ein ungewöhnliches Comeback. In der Netflix-Dokumentation „Babo, Die Haftbefehl-Story“ über den Rapper Aykut Anhan, bekannt als Haftbefehl, spielte das Lied eine auffällige Rolle. Anschließend stieg das mehr als fünf Jahrzehnte alte Stück erstmals in die deutschen Single-Charts ein und erreichte Platz 15. GfK sprach damals vom größten Abstand zwischen Erstveröffentlichung und Chartdebüt eines deutschsprachigen Titels.

Für „Schatzhauser“ nahm Mey das Lied neu auf. Damit enthält das Album neben zwölf neuen Titeln eine Verbindung zu seinem frühen Werk. Die Episode steht zugleich für die ungewöhnlich lange Zeitspanne seiner Karriere: Zwischen der ersten Veröffentlichung von „In meinem Garten“ und seiner aktuellen Nummer eins liegen 56 Jahre.

Auch Österreich und die Schweiz melden hohe Platzierungen

Der Erfolg beschränkt sich nicht auf Deutschland. In Österreich stieg „Schatzhauser“ ebenfalls auf Platz eins ein. Dort hatte Mey bereits 2013 mit „Dann mach’s gut“ die Spitze erreicht, während „Nach Haus“ 2024 bis auf Rang zwei kam. Die österreichische Chartdatenbank führt das neue Album mit Einstieg und Höchstposition eins am 2. Oktober 2026.

In der Schweiz erreichte „Schatzhauser“ in der am 4. Oktober veröffentlichten Album-Hitparade Rang drei. Auch „Nach Haus“ hatte 2024 dort bereits Platz drei erreicht. Damit zählt das aktuelle Album auch im deutschsprachigen Ausland zu Meys stärksten Chartveröffentlichungen.

Altersrekord gilt offiziell für nationale Künstler

Beim Altersrekord ist eine genaue Formulierung entscheidend. GfK Entertainment erklärt ausdrücklich, Reinhard Mey sei mit 83 Jahren der älteste nationale Artist, der jemals die Spitze der deutschen Album-Charts erreicht habe. Rolling Stone bezeichnete ihn dagegen als ältesten deutschen Musiker auf Platz eins. Die offizielle Mitteilung beansprucht keinen darüber hinausgehenden Rekord für sämtliche internationalen Künstler, Gruppen und Veröffentlichungen in der Geschichte der deutschen Charts.

Die vorherige Bestmarke hatte Mey selbst gesetzt. Im Mai 2024 erreichte „Nach Haus“ im Alter von 81 Jahren Platz eins. Universal Music bezeichnete ihn damals bereits als bislang ältesten Platz-eins-Künstler in der deutschen Chartgeschichte. Mit „Schatzhauser“ hat er seine eigene Altersmarke nun um mehr als zwei Jahre verschoben.

Auf den neuen Erfolg reagierte Mey am 2. Oktober auf seiner Website. „Aus heiterem Himmel“ habe ihn noch einmal eine Nummer eins erreicht, schrieb er und bedankte sich bei seinem Publikum.

Neue Tournee ist bislang nicht angekündigt

Eine begleitende Tour zu „Schatzhauser“ ist bislang nicht offiziell angekündigt. Der Konzertveranstalter Sali Konzerte führt auf seiner Website weiterhin die Termine der Tournee von 2022 auf, neue Konzertdaten für das aktuelle Album sind dort nicht veröffentlicht. Mey hatte bereits im März 2026 erklärt, neue Auftritte oder eine Tour würden zuerst auf seiner eigenen Website oder bei Sali Konzerte bekanntgegeben.

Damit bleibt zunächst das Album selbst der aktuelle Schwerpunkt. Fast sechs Jahrzehnte nach seinem Debüt erreicht Reinhard Mey mit einem weitgehend auf Stimme und Gitarre reduzierten Werk noch einmal die höchste Position der deutschen Album-Charts. Für seine Diskografie ist „Schatzhauser“ die fünfte deutsche Nummer eins, für die offizielle Chartstatistik zugleich ein neuer Altersrekord unter nationalen Künstlern.

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