
Die Europäische Union erwägt offenbar zusätzliche Schutzmaßnahmen gegen den stark gestiegenen Import von Hybridautos aus China. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg werden in Brüssel Instrumente vorbereitet, mit denen die Einfuhren begrenzt werden könnten. Genannt werden unter anderem Zollkontingente. Eine endgültige Entscheidung war am Mittwochmittag, 7. Oktober 2026, jedoch nicht bekannt. Die Pläne könnten sich zudem noch durch die bevorstehenden Handelsgespräche zwischen der EU und China verändern.
Nach den am Mittwoch bekannt gewordenen Angaben geht es nicht einfach um eine Ausweitung der bereits bestehenden Strafzölle auf Elektroautos. Im Raum stehen sogenannte Schutzmaßnahmen, mit denen die EU auf einen außergewöhnlich starken Importanstieg reagieren kann. Eine Möglichkeit sind Zollkontingente. Dabei kann eine bestimmte Menge zu den bisherigen Bedingungen eingeführt werden, während oberhalb der festgelegten Menge zusätzliche Abgaben greifen. Solche Maßnahmen wären grundsätzlich zeitlich begrenzt. Welche Fahrzeugtypen tatsächlich erfasst würden und wie hoch ein mögliches Kontingent ausfallen könnte, war zunächst nicht offiziell bestätigt.
Eine unabhängige Bestätigung für einen bereits feststehenden EU-Beschluss lag zunächst nicht vor. Die Gespräche mit China laufen weiter. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič reist zu Beratungen nach Peking, bei denen der stark unausgeglichene Handel und insbesondere die Entwicklung im Automobilsektor eine zentrale Rolle spielen sollen.
Der Hintergrund liegt in einer Lücke zwischen unterschiedlichen Antriebsarten. Seit Ende Oktober 2024 erhebt die EU zusätzliche Ausgleichszölle auf in China produzierte reine Batterieautos. Die Sätze liegen je nach Hersteller zwischen 7,8 und 35,3 Prozent und kommen grundsätzlich zum regulären Autozoll von zehn Prozent hinzu. Für BYD gilt beispielsweise ein zusätzlicher Satz von 17 Prozent, für Geely 18,8 Prozent und für SAIC 35,3 Prozent.
Plug-in-Hybride aus China werden von diesen zusätzlichen Ausgleichszöllen bislang nicht erfasst. Die EU-Kommission hatte im April noch ausdrücklich erklärt, dass die ursprüngliche Untersuchung ausschließlich Batterieautos umfasste und Maßnahmen nicht ohne eine entsprechende Untersuchung auf Hybridfahrzeuge ausgeweitet werden könnten.
Seit Einführung der zusätzlichen Zölle auf reine Elektroautos hat sich der Fahrzeugmix chinesischer Anbieter in Europa deutlich verändert. Daten des Marktforschers Dataforce zufolge erreichten chinesische Marken im August 2026 knapp zwölf Prozent des europäischen Neuwagenmarktes. Bei sämtlichen Hybridfahrzeugen kam etwa jedes vierte verkaufte Auto von einer chinesischen Marke, bei Plug-in-Hybriden sogar ungefähr jedes dritte.
Bereits im September war bekannt geworden, dass die EU mit China über eine freiwillige Begrenzung der Hybridexporte spricht. Zwischen Oktober 2024 und Juli 2026 stiegen die monatlichen Einfuhren chinesischer Hybridfahrzeuge demnach von rund 3.800 auf etwa 50.000 Fahrzeuge. Gleichzeitig gingen die durchschnittlichen Preise zurück.
Die rechtliche Konstruktion wäre entscheidend. Ausgleichszölle sollen konkret festgestellte staatliche Subventionen ausgleichen. Schutzmaßnahmen können dagegen eingesetzt werden, wenn Einfuhren so stark steigen, dass europäischen Herstellern ein schwerwiegender Schaden entsteht oder droht. Dafür ist keine Subventionierung nachzuweisen. Die Voraussetzungen sind allerdings streng.
Nach den EU-Regeln muss eine entsprechende Untersuchung unter anderem Importmengen, Preise und Auswirkungen auf die heimische Industrie prüfen. Typischerweise können Zollkontingente festgelegt werden. Klassische Schutzmaßnahmen gelten grundsätzlich gegenüber Importen aus allen Herkunftsländern und nicht ausschließlich gegenüber einem einzelnen Staat. Wie Brüssel einen möglichen Schutzmechanismus für den Automarkt konkret ausgestalten würde, war am Mittwoch noch offen.
An den europäischen Börsen wurde die Aussicht auf stärkeren Schutz vor chinesischen Importen zunächst überwiegend positiv aufgenommen. Der europäische Branchenindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts gewann am Mittwochvormittag gut ein Prozent. Die Volkswagen-Vorzugsaktie legte zeitweise fast vier Prozent zu und gehörte damit zu den stärksten Werten im Dax. Mercedes-Benz gewann rund ein Prozent. BMW gab dagegen leicht um etwa 0,3 Prozent nach. Renault und Stellantis stiegen jeweils um mehr als vier Prozent.
Die Kursbewegungen spiegeln allerdings nur die unmittelbare Reaktion am Aktienmarkt wider. Für BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen ist China zugleich ein wichtiger Absatz- und Produktionsstandort. Zusätzliche Handelskonflikte können deshalb neben einem möglichen Schutz des europäischen Marktes auch neue Risiken erzeugen.
Gerade bei den deutschen Autobauern ist die Lage widersprüchlich. Sie konkurrieren in Europa zunehmend mit BYD, Geely, SAIC und weiteren chinesischen Herstellern, sind gleichzeitig aber selbst stark vom chinesischen Markt abhängig. Bei Mercedes-Benz brach der Pkw-Absatz in China im dritten Quartal 2026 nach Unternehmensangaben um 31 Prozent ein. Weltweit sank der Pkw-Absatz um acht Prozent.
BMW-Chef Milan Nedeljkovic hatte sich erst im September gegen zusätzliche Zölle ausgesprochen und stattdessen freiwillige Vereinbarungen über faire Marktbedingungen befürwortet. BMW produziert zudem Fahrzeuge in China und exportiert einzelne Modelle nach Europa. Damit könnten neue Handelsbarrieren je nach Ausgestaltung auch europäische Konzerne mit chinesischer Produktion betreffen.
Peking hat sich bereits gegen den Versuch gestellt, die Lieferungen von Hybridfahrzeugen freiwillig zu begrenzen. Das chinesische Handelsministerium erklärte am 18. September, solche freiwilligen Exportbeschränkungen verstießen aus chinesischer Sicht gegen die Regeln der Welthandelsorganisation und gegen Prinzipien des fairen Wettbewerbs. Eine mögliche Vereinbarung müsse sowohl WTO-Regeln als auch die Interessen beider Seiten berücksichtigen.
Damit steht vor den Gesprächen in Peking ein schwieriger Interessenausgleich bevor. Die EU-Kommission bezeichnet das Handelsdefizit mit China inzwischen als nicht nachhaltig. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezifferte es im September auf rund eine Milliarde Euro pro Tag und kündigte an, alle verfügbaren Instrumente zur Neuordnung der Handelsbeziehungen zu prüfen.
Ob daraus tatsächlich neue Einfuhrbeschränkungen für chinesische Hybridautos entstehen, war am Mittwochmittag noch nicht entschieden. Klar ist dagegen, dass Plug-in-Hybride inzwischen zu einem zentralen Punkt im Handelskonflikt zwischen der EU und China geworden sind.
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