
Bei RB Leipzig wächst nach einem wechselhaften Start in die Bundesliga-Saison 2026/27 der Druck auf Cheftrainer Martín Demichelis. Obwohl Sportgeschäftsführer Marcel Schäfer dem Argentinier öffentlich das Vertrauen ausgesprochen hat, wird über die sportliche Zukunft des 45-Jährigen diskutiert. Nach Informationen von Sky Sport vom Donnerstag, 8. Oktober, beschäftigen sich einzelne Verantwortliche weiterhin mit dem früheren Leipziger Trainer Julian Nagelsmann. Konkrete Verhandlungen über einen Trainerwechsel sind allerdings nicht bekannt. Für Demichelis stehen in den kommenden Wochen zahlreiche anspruchsvolle Aufgaben an.
Der Fernsehsender Sky Sport veröffentlichte am Donnerstag um 18.04 Uhr einen Bericht der Journalisten Philipp Hinze und Florian Plettenberg über die Situation bei RB Leipzig. Demnach genieße Demichelis weiterhin das Vertrauen der Verantwortlichen. Gleichzeitig werde seine bisherige Arbeit kritisch bewertet.
Insbesondere die fehlende Konstanz im Spielaufbau und die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der taktischen Vorstellungen würden intern Fragen aufwerfen. Hinzu komme der umfangreiche personelle Umbruch während der Sommerpause.
Bereits am 7. Oktober hatten 90min und Fussballtransfers unter Berufung auf die Sport Bild eine mögliche Trainerdiskussion aufgegriffen. Eine kurzfristige Entlassung sei nach diesen Darstellungen jedoch nicht geplant. Offiziell angekündigt wurde ein Trainerwechsel bislang nicht.
Sportgeschäftsführer Marcel Schäfer hatte sich bereits am 11. September nach den Niederlagen gegen Werder Bremen und Como 1907 öffentlich zur Situation geäußert. In einer damals vom Verein verbreiteten Stellungnahme erklärte er:
„Jeder hat unsere Unterstützung und unser Vertrauen.“
Schäfer bezog diese Aussage ausdrücklich auf die Mitarbeiter des Vereins, die Mannschaft und das gesamte Trainerteam. Gleichzeitig räumte er ein, dass die sportlichen Ergebnisse nicht den eigenen Ansprüchen entsprächen.
Auf die personellen Veränderungen im Sommer verwies er mit den Worten: „Eine neu zusammengestellte Mannschaft braucht Zeit, um sich zu finden und Abläufe zu entwickeln.“
Eine neue öffentliche Stellungnahme von Schäfer oder der Leipziger Geschäftsführung zu den konkreten Nagelsmann-Spekulationen vom 8. Oktober lag zunächst nicht vor.
Martín Demichelis übernahm RB Leipzig im Juni 2026. Seine Verpflichtung gab der Bundesligist am 22. Juni offiziell bekannt. Der frühere argentinische Nationalspieler wechselte vom spanischen Klub RCD Mallorca nach Sachsen und unterschrieb einen Vertrag bis zum 30. Juni 2028.
Bei Mallorca hatte Demichelis erst im Februar 2026 das Traineramt übernommen. Zuvor sammelte er unter anderem beim FC Bayern München und beim argentinischen Spitzenverein River Plate Erfahrungen als Trainer.
In Leipzig trat er die Nachfolge von Ole Werner an. Dieser hatte den Verein in der vergangenen Spielzeit auf den dritten Bundesliga-Platz und damit zurück in die Champions League geführt. Dennoch entschieden sich die Verantwortlichen für eine personelle Neuaufstellung.
Mit Demichelis sollte insbesondere die intensive, offensive Spielweise stärker in den Mittelpunkt rücken.
Auch Demichelis selbst hat sich zu den sportlichen Schwierigkeiten seiner Mannschaft geäußert. Vor dem Bundesliga-Spiel gegen Bayer Leverkusen am 20. September sprach er über die Unterschiede zwischen den bisherigen Heim- und Auswärtsleistungen.
Dabei stellte er klar: „Ich habe Vertrauen in den Kader.“
Diese Aussage griff der Verein auch in einem am 8. Oktober veröffentlichten Beitrag auf. Demichelis betonte zudem die Bedeutung von Selbstvertrauen, Einsatzbereitschaft und einer gleichbleibenden Einstellung unabhängig vom Spielort.
Bereits im September hatte er gefordert: „Es geht immer darum, in jede Aktion die gleiche Leidenschaft zu legen.“
Eine konkrete Stellungnahme des Trainers zu den aktuellen Spekulationen um Julian Nagelsmann war zunächst nicht bekannt.
Nach Informationen von Sky Sport soll Julian Nagelsmann innerhalb des Leipziger Umfelds weiterhin einen guten Ruf genießen. Einzelne Verantwortliche würden den 39-Jährigen grundsätzlich als möglichen Kandidaten betrachten.
Besonders Red-Bull-Geschäftsführer und Leipziger Aufsichtsratschef Oliver Mintzlaff soll Nagelsmann nach Sky-Angaben weiterhin positiv gegenüberstehen. Eine unabhängige Bestätigung für konkrete Überlegungen oder Gespräche lag zunächst nicht vor.
Die Sport Bild hatte die Möglichkeit einer baldigen Rückkehr zuvor anders eingeordnet. Nach Angaben von 90min und Fussballtransfers vom 7. Oktober sei Nagelsmann derzeit kein ernsthafter Kandidat für den Trainerposten.
Auch n-tv griff die neuen Sky-Informationen am Donnerstagabend auf. Der Sender verwies zusätzlich darauf, dass Nagelsmann eine Tätigkeit in der englischen Premier League bevorzugen könnte.
Julian Nagelsmann betreute RB Leipzig bereits von 2019 bis 2021. Während dieser Zeit erreichte die Mannschaft 2020 das Halbfinale der Champions League und wurde 2021 deutscher Vizemeister. Anschließend wechselte Nagelsmann zum FC Bayern München.
Im September 2023 übernahm er die deutsche Nationalmannschaft. Seine Tätigkeit als Bundestrainer endete nach dem Ausscheiden Deutschlands bei der Weltmeisterschaft 2026 gegen Paraguay.
Am 3. Juli gab der Deutsche Fußball-Bund die sofortige Auflösung seines Vertrags bekannt. Nagelsmann hatte nach Angaben des Verbandes selbst darum gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden.
Seitdem hat Nagelsmann kein neues Traineramt übernommen. Die deutsche Nationalmannschaft wird inzwischen von Jürgen Klopp betreut, der dafür seine bisherige Funktion bei Red Bull aufgegeben hatte.
Die sportliche Situation von RB Leipzig hängt eng mit den zahlreichen Veränderungen innerhalb der Mannschaft zusammen. Sportgeschäftsführer Schäfer sprach Anfang September von insgesamt 17 Kaderbewegungen während der zurückliegenden Transferphase.
Zu den bedeutenden Veränderungen gehören der Abschied von Yan Diomande zu Real Madrid und die Rückkehr von Christopher Nkunku. Außerdem wurden mehrere Positionen neu besetzt. Der Verein setzt weiterhin auf eine Kombination aus entwicklungsfähigen Talenten und erfahrenen Spielern.
Hinzu kommen Verletzungsprobleme. Unter anderem mussten Christopher Baumgartner, Rocco Reitz und Assan Ouédraogo zeitweise pausieren. Auch die Integration der Neuzugänge ist noch nicht abgeschlossen.
Sportlich wechselten überzeugende Heimleistungen mit enttäuschenden Auswärtsauftritten. Nach vier Bundesligaspielen stehen zwei Siege und zwei Niederlagen zu Buche. Dazu kommt die Niederlage zum Champions-League-Auftakt gegen Como.
Zusätzliche Bedeutung erhält die Trainerfrage durch den Wechsel an der Spitze des internationalen Fußballbereichs von Red Bull. Seit dem 1. Oktober ist Roger Schmidt neuer Head of Global Soccer. Er folgte auf Jürgen Klopp.
Nach Angaben des Leipziger Fachportals RBlive besuchte Schmidt am 8. Oktober das Trainingszentrum und die Geschäftsstelle des Vereins. Dabei standen Gespräche mit der sportlichen Führung und dem Trainerteam auf dem Programm.
Sky zufolge werbe Schmidt intern zunächst für Ruhe. Er wolle Demichelis und dessen Arbeitsweise genauer kennenlernen, bevor er die sportliche Entwicklung bewerte.
Eine offizielle Erklärung Schmidts, die einen Trainerwechsel in Aussicht stellt, liegt nicht vor. Demichelis bleibt damit der verantwortliche Cheftrainer für die bevorstehenden Aufgaben.
Für RB Leipzig beginnt am Samstag, 10. Oktober, eine intensive Phase mit sieben Pflichtspielen in drei Wettbewerben. Zunächst empfängt die Mannschaft Eintracht Frankfurt in der Bundesliga. Am 13. Oktober folgt das Heimspiel gegen die PSV Eindhoven in der Champions League.
Anschließend stehen Begegnungen beim FC Bayern München am 17. Oktober und bei Real Madrid am 21. Oktober an. Bis zum Monatsende folgen Partien gegen die SV Elversberg, Rot-Weiss Essen im DFB-Pokal und Schalke 04.
Das umfangreiche Programm bietet Demichelis mehrere Gelegenheiten, seine taktischen Vorstellungen unter Wettbewerbsbedingungen weiterzuentwickeln. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Stabilität und Belastbarkeit des neu zusammengestellten Kaders.
Bislang hält die Leipziger Führung öffentlich am eingeschlagenen Weg fest. Eine Entscheidung über eine vorzeitige Trennung von Demichelis oder eine Verpflichtung Nagelsmanns ist nicht bekannt.
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