
Nach historischen Höchstständen im September sind die Spritpreise in Deutschland Anfang Oktober gesunken. Dennoch müssen Autofahrer weiterhin mehr als zwei Euro je Liter bezahlen. Die Bundesregierung versucht, Verbraucher mit einer befristeten Steuersenkung zu entlasten. Gleichzeitig sorgt der internationale Ölmarkt erneut für Unsicherheit. Besonders die Spannungen im Nahen Osten beeinflussen die Preise. Der ADAC sieht weiterhin Spielraum für günstigeren Kraftstoff.
Nach der jüngsten bundesweiten Wochenauswertung des ADAC vom Mittwoch, 7. Oktober 2026, kostet ein Liter Super E10 durchschnittlich 2,126 Euro. Für Diesel müssen Autofahrer im Bundesmittel 2,233 Euro je Liter bezahlen. Damit liegt der Dieselpreis rund elf Cent über dem Benzinpreis.
Gegenüber der Vorwoche ist Super E10 um 13,2 Cent günstiger geworden. Diesel verbilligte sich im gleichen Zeitraum um 17,6 Cent. Die Zahlen zeigen eine deutliche Entlastung gegenüber Ende September, allerdings bleiben beide Kraftstoffsorten auf einem hohen Preisniveau.
Für Freitagmorgen, 9. Oktober, liegt damit zunächst die ADAC-Wochenauswertung vom Mittwoch als bundesweiter Vergleichswert vor. Die tatsächlichen Preise können je nach Tankstelle, Region und Tageszeit erheblich davon abweichen.
Wie teuer Kraftstoff zuletzt geworden ist, verdeutlicht die ADAC-Monatsbilanz für September 2026. Demnach war der vergangene Monat der bislang teuerste Tankmonat in Deutschland.
Super E10 kostete im Monatsdurchschnitt 2,266 Euro je Liter. Das waren knapp zwölf Cent mehr als im August. Für Diesel lag der Durchschnittspreis bei 2,386 Euro und damit etwa 16 Cent über dem Vormonatswert.
Auch die bisherigen Tageshöchststände wurden im September erreicht. Am 16. September lag der bundesweite Durchschnittspreis für Super E10 bei 2,314 Euro. Diesel erreichte einen Tag später mit durchschnittlich 2,471 Euro je Liter seinen Höchstwert.
Die Rekordpreise sind damit historisch belegt, beziehen sich aber auf den September und nicht auf die ersten Oktobertage.
Seit dem 1. Oktober 2026 gilt in Deutschland eine weitere befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel. Die Bundesregierung hat die Steuer für beide Kraftstoffarten um 14 Cent je Liter reduziert.
Unter Berücksichtigung der Umsatzsteuer ergibt sich daraus eine rechnerische Entlastung von rund 17 Cent pro Liter. Die Maßnahme gilt bis zum 31. Dezember 2026. Nach Angaben der Bundesregierung sollen Verbraucher und Unternehmen insgesamt um rund 2,5 Milliarden Euro entlastet werden.
Allerdings kommt die steuerliche Entlastung nicht bei allen Kraftstoffen im gleichen Umfang an. Nach Einschätzung des ADAC ist der Preisrückgang bei Diesel bereits weitgehend mit der Steuersenkung vereinbar. Bei Super E10 sieht der Automobilclub dagegen weiterhin eine Lücke gegenüber dem rechnerisch möglichen Preisnachlass.
Der ADAC fordert deshalb, dass die Mineralölunternehmen die Steuersenkung vollständig an die Verbraucher weitergeben.
Neben den staatlichen Steuern beeinflusst vor allem die Entwicklung des internationalen Ölmarktes die Kraftstoffpreise. Hier hat sich die Lage zuletzt wieder verschärft.
Am Donnerstag, 8. Oktober, verteuerte sich Rohöl der Nordseesorte Brent um rund vier Prozent. Der Preis stieg zum Handelsschluss auf 104,28 US-Dollar je Barrel. Hintergrund waren unter anderem neue Sorgen über die Sicherheit wichtiger Öltransporte im Nahen Osten sowie Einschränkungen der Förderung im Golf von Mexiko durch einen Hurrikan.
Am frühen Freitagmorgen gab der Ölpreis zunächst wieder nach. Laut Reuters kostete Brent gegen 6.50 Uhr deutscher Zeit rund 102,91 US-Dollar je Barrel.
Besonders die Straße von Hormus bleibt für den internationalen Energiehandel von großer Bedeutung. Über die Meerenge wurde vor Beginn des Irankrieges ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Erdöls und der Kraftstoffe transportiert. Störungen können deshalb Auswirkungen weit über die Region hinaus haben.
Ein steigender Ölpreis führt nicht zwangsläufig im gleichen Umfang zu höheren Preisen an deutschen Tankstellen. Neben Rohölkosten spielen die Verarbeitung in Raffinerien, der Großhandel, Transportkosten und Steuern eine Rolle. Auch der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar ist entscheidend, weil Rohöl international überwiegend in Dollar gehandelt wird.
Der ADAC sieht die Entwicklung der deutschen Kraftstoffpreise deshalb kritisch. Bereits im September verwies der Club darauf, dass das Preisniveau nicht vollständig durch den Rohölmarkt erklärbar sei.
Ein Vergleich mit dem Frühjahr zeigt die Unterschiede: Im April hatte Brent zeitweise deutlich mehr als 100 Dollar je Barrel gekostet. Trotzdem lag der damalige durchschnittliche Benzinpreis unter dem Septemberniveau.
Auch Anfang Oktober spielte der Wechselkurs eine Rolle. Der schwächere Euro verteuerte die in Dollar abgerechneten Ölimporte und wirkte damit einem Rückgang der Rohölpreise entgegen.
Für Autofahrer ist inzwischen auch die Uhrzeit beim Tanken besonders wichtig. Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen ihre Kraftstoffpreise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen. Preissenkungen sind dagegen jederzeit möglich.
Die sogenannte 12-Uhr-Regel sollte die Preisentwicklung übersichtlicher machen und den Vergleich verschiedener Tankstellen erleichtern. Der ADAC bewertet ihre Wirkung allerdings zunehmend kritisch.
Nach einer Auswertung des Automobilclubs steigen die Preise unmittelbar nach 12 Uhr deutlich an. Im Mai lag der durchschnittliche Preissprung bei Super E10 bei 14,6 Cent und bei Diesel bei 18,4 Cent je Liter.
Im weiteren Tagesverlauf sinken die Preise häufig wieder. Deshalb empfiehlt der ADAC, möglichst kurz vor 12 Uhr zu tanken. Gleichzeitig fordert der Club inzwischen die Abschaffung der Regel, weil sich die Preisunterschiede innerhalb eines Tages deutlich vergrößert haben.
Trotz der bundesweit hohen Durchschnittspreise unterscheiden sich die Angebote einzelner Tankstellen teilweise erheblich. Ein Vergleich vor dem Tanken kann deshalb zu spürbaren Einsparungen führen.
Besonders groß sind die Unterschiede häufig zwischen Autobahntankstellen und Tankstellen außerhalb der Autobahn. Bei einer ADAC-Untersuchung im April 2026 lag der Preisaufschlag an Autobahnraststätten für Benzin und Diesel durchschnittlich bei rund 33 Cent je Liter.
Über die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe werden Preisänderungen der meisten öffentlichen Tankstellen in Deutschland erfasst und an Verbraucherinformationsdienste weitergegeben. Dadurch können Autofahrer aktuelle Angebote über entsprechende Apps und Internetseiten vergleichen.
Der ADAC stellt dafür unter anderem seine Anwendung ADAC Drive bereit. Sie ermöglicht den Vergleich der Kraftstoffpreise an mehr als 14.000 Tankstellen. Angesichts der hohen Spritkosten kann die Wahl der Tankstelle damit einen erheblichen Unterschied machen.
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