
Der Autobauer BMW hat ein bereits abgegebenes Leasingangebot für den Dienstwagen des neuen Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt zurückgezogen. Die Entscheidung fiel am Dienstag, 6. Oktober 2026, als Tobias Rausch von der AfD zum Präsidenten des Landesparlaments gewählt wurde. Die Landtagsverwaltung bestätigte den Vorgang gegenüber der Wochenzeitung Die Zeit. BMW äußerte sich nicht zu den Gründen. Für den 35-jährigen Politiker entsteht damit eine organisatorische Schwierigkeit, denn der Leasingvertrag für seinen bisherigen Dienstwagen endet bereits im November.
BMW zieht sein Leasingangebot zurück, nachdem der Landtag in Magdeburg erstmals einen AfD-Politiker an seine Spitze gewählt hat. Nach Angaben der Landtagsverwaltung erfolgte die Rücknahme am 6. Oktober. Zuvor hatte der Münchner Automobilhersteller ein Angebot für die weitere Ausstattung des Präsidentenamtes mit einem Dienstfahrzeug eingereicht.
Ein neuer Leasingvertrag kam auf dieser Grundlage nicht zustande. Unklar blieb zunächst, weshalb BMW seine ursprüngliche Entscheidung änderte. Der Konzern erklärte auf Anfrage der Zeit lediglich, grundsätzlich keine Auskünfte über einzelne Kundenbeziehungen zu geben.
Damit ist zwar der zeitliche Zusammenhang zwischen der Wahl von Rausch und dem Rückzug des Angebots dokumentiert. Eine ausdrückliche Begründung des Unternehmens liegt jedoch nicht vor.
Tobias Rausch verfügt derzeit weiterhin über einen Dienstwagen. Er übernahm nach seinem Amtsantritt den BMW 7er seines CDU-Amtsvorgängers Gunnar Schellenberger. Das Fahrzeug war bereits vor dem Wechsel an der Parlamentsspitze im Einsatz und steht dem neuen Präsidenten zunächst weiter zur Verfügung.
Allerdings läuft der bestehende Leasingvertrag nach den bislang vorliegenden Angaben Mitte November 2026 aus. Die Landtagsverwaltung muss deshalb ein Ersatzfahrzeug organisieren, sofern das Präsidentenamt auch danach mit einem eigenen Dienstwagen ausgestattet werden soll.
Nach Angaben der Verwaltung lag zunächst kein weiteres Angebot eines großen deutschen Automobilherstellers vor. Weder Mercedes-Benz noch Audi hatten demnach ein entsprechendes Angebot eingereicht. Ob zwischenzeitlich andere Lösungen vorbereitet wurden, war zunächst nicht bekannt.
Die personelle Veränderung an der Spitze des Landtags ist bundespolitisch bedeutsam. Mit Tobias Rausch wurde am 6. Oktober erstmals ein Vertreter der AfD zum Präsidenten eines deutschen Landesparlaments gewählt.
Bei der geheimen Abstimmung erhielt Rausch 48 Ja-Stimmen. 29 Abgeordnete votierten gegen ihn, fünf enthielten sich. Insgesamt nahmen 82 der 83 Landtagsabgeordneten an der konstituierenden Sitzung teil.
Die AfD stellt 39 Abgeordnete. Das Bündnis Sahra Wagenknecht verfügt über fünf Mandate und hatte bereits vor der Abstimmung Unterstützung für Rausch angekündigt. Selbst bei Zustimmung aller BSW-Abgeordneten erhielt Rausch damit rechnerisch mindestens vier zusätzliche Stimmen aus anderen Fraktionen. Wegen der geheimen Wahl lässt sich nicht feststellen, von welchen Abgeordneten diese kamen.
Die AfD war aus der Landtagswahl vom 6. September 2026 als stärkste Kraft hervorgegangen. Mit ihren 39 Mandaten verfügt sie über ebenso viele Sitze wie CDU, SPD, Linke und Grüne zusammen. Das BSW ist mit fünf Abgeordneten vertreten.
Durch die Wahl von Tobias Rausch übernimmt die AfD erstmals die Leitung eines Landesparlaments. Das Amt umfasst weit mehr als repräsentative Aufgaben. Der Landtagspräsident leitet parlamentarische Sitzungen, vertritt das Parlament nach außen und trägt Verantwortung für die Verwaltung. Außerdem wacht er über die Einhaltung der Geschäftsordnung.
Die Wahl löste politische Auseinandersetzungen über den Umgang der übrigen Parteien mit der AfD aus. Insbesondere die Herkunft der zusätzlichen Stimmen blieb Gegenstand der Debatte. Eine Zuordnung einzelner Stimmen ist wegen des geheimen Wahlverfahrens nicht möglich.
Die Entscheidung über das Leasingangebot fällt in eine Zeit, in der sich BMW-Vorstandschef Milan Nedeljković öffentlich zu politischen Entwicklungen in Deutschland geäußert hat. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom September 2026 kritisierte er Rechtspopulismus und Nationalismus mit Blick auf ihre wirtschaftlichen Folgen.
Nedeljković verwies dabei auf die Bedeutung offener Märkte und internationaler Handelsbeziehungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Er sprach sich gegen Abschottung und Isolationismus aus. Der Manager führt BMW seit dem 14. Mai 2026.
Ob diese grundsätzliche Positionierung eine Rolle bei der Entscheidung über das Leasingangebot für den Landtag Sachsen-Anhalt spielte, ist nicht bekannt. BMW hat keinen entsprechenden Zusammenhang bestätigt.
BMW gehört seit Jahren zu den Automobilherstellern, die Fahrzeuge an staatliche Einrichtungen liefern. Das Unternehmen bietet nach eigenen Angaben besondere Fahrzeugprogramme für Bundesbehörden, Landesbehörden und Kommunen an. Dazu gehören auch Leasingmöglichkeiten für Dienstfahrzeuge.
Der Landtag Sachsen-Anhalt hat in der Vergangenheit ebenfalls Fahrzeuge verschiedener deutscher Hersteller genutzt. Neben BMW kamen bei früheren Landtagspräsidenten auch Modelle von Audi zum Einsatz. Zeitweise wurde zudem ein Elektrofahrzeug verwendet.
Für die aktuelle Beschaffung sind bislang weder die Kosten eines möglichen Ersatzfahrzeugs noch konkrete neue Vertragsbedingungen bekannt. Ebenso wenig steht fest, ob ein anderer Hersteller kurzfristig ein geeignetes Fahrzeug bereitstellen kann.
Der Rückzug des BMW-Angebots bedeutet nicht, dass Rausch seinen derzeitigen Dienstwagen sofort abgeben muss. Die praktische Folge könnte erst mit dem Ende des bestehenden Leasingvertrags im November eintreten. Bis dahin kann die Landtagsverwaltung eine alternative Lösung für die dienstliche Mobilität des Parlamentspräsidenten organisieren.
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