
Die Branicks Group AG steht nach einer Entscheidung ihrer Aktionäre vor neuen Schwierigkeiten bei der geplanten Sanierung. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am Freitag, 9. Oktober 2026, erhielt der Immobilienkonzern nicht die erforderliche Zustimmung für zwei Beraterverträge. Nach Angaben des Unternehmens ist damit eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung des Sanierungskonzepts nicht erfüllt. Sollte keine Einigung mit wesentlichen Gläubigern gelingen, sieht Branicks seinen Fortbestand unmittelbar gefährdet.
Die außerordentliche Hauptversammlung der Branicks Group AG fand am Freitag als virtuelle Veranstaltung statt. Insgesamt standen vier Beschlussvorschläge zur Abstimmung. Drei davon erhielten die erforderlichen Mehrheiten. Der vierte Tagesordnungspunkt, bei dem es um die Zustimmung zu zwei Beraterverträgen ging, scheiterte dagegen.
Betroffen sind Vereinbarungen mit der BLACKLAKE Management Partners GmbH und der MDC Matthias Danne Consulting GmbH. Beide Unternehmen sollten Branicks bei der Umsetzung des bereits vereinbarten Sanierungskonzepts unterstützen.
Die Verträge sind Bestandteil einer umfassenden Restrukturierungsvereinbarung mit Gläubigern, die Branicks Ende Juli 2026 bekannt gegeben hatte. Nach Darstellung des Unternehmens stellt die Zustimmung zu den Beraterverträgen eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung dieses Konzepts dar.
An der Hauptversammlung waren nach Unternehmensangaben 55,19 Prozent des stimmberechtigten Grundkapitals vertreten. Eine detaillierte Begründung für das Abstimmungsergebnis enthielt die anschließende Mitteilung nicht.
Die abgelehnten Beschlussvorschläge betreffen Beratungsverträge, die Branicks bereits am 13. August 2026 abgeschlossen hatte. Vorgesehen war für jeden Vertrag eine monatliche Grundvergütung von 42.000 Euro. Zusammen hätten sich daraus monatliche Grundhonorare von 84.000 Euro ergeben.
Zusätzlich sahen beide Vereinbarungen erfolgsabhängige Vergütungen von jeweils bis zu 1,225 Millionen Euro über die gesamte Vertragslaufzeit vor. Hinzu kamen eine Auslagenpauschale von zehn Prozent sowie die Umsatzsteuer.
Die zusätzlichen Vergütungen waren an bestimmte Sanierungsziele geknüpft. Dazu gehörten unter anderem Immobilienverkäufe, Refinanzierungen und der Fortbestand der Gesellschaft zu festgelegten Stichtagen.
Nach den ursprünglichen Vertragsunterlagen sollten die Berater unter anderem Immobilienverkäufe begleiten, Marktanalysen erstellen und die Abstimmung verschiedener Beteiligter während der Restrukturierung unterstützen.
Der Vorstand hatte die Honorare im Vorfeld der Hauptversammlung als angemessen bezeichnet und darauf verwiesen, dass die vorgesehenen Beratungsleistungen für die operative Umsetzung des Sanierungskonzepts benötigt würden.
Die Abstimmung hat außerdem Auswirkungen auf die geplante Besetzung des Aufsichtsrats. Die Aktionäre wählten Johannes Conradi und Matthias Danne in das Kontrollgremium. Beide waren zuvor bereits gerichtlich als Aufsichtsratsmitglieder bestellt worden.
Nach der Ablehnung der Beraterverträge erklärten jedoch beide Kandidaten, dass sie ihre Wahl zunächst nicht annehmen und sich eine Ablehnung vorbehalten.
Conradi ist Geschäftsführer der BLACKLAKE Management Partners GmbH. Danne führt die MDC Matthias Danne Consulting GmbH. Damit bestehen unmittelbare Verbindungen zwischen den vorgesehenen Aufsichtsratsmitgliedern und den beiden Beratungsverträgen.
Die Hauptversammlung beschloss zugleich, den Aufsichtsrat von bisher fünf auf künftig drei Mitglieder zu verkleinern.
Ebenfalls angenommen wurde eine Umstrukturierung wesentlicher Unternehmensbeteiligungen über Gesellschaften in Luxemburg. Diese sogenannte LuxCo-Struktur ist Teil der geplanten Neuordnung der Finanzierungsverhältnisse.
Damit erhielten mehrere strukturelle Bestandteile des Sanierungskonzepts die Zustimmung der Aktionäre. Die Ablehnung der Beraterverträge verhindert nach Einschätzung von Branicks allerdings zunächst die Umsetzung des vereinbarten Gesamtpakets.
Die Branicks Group AG hatte bereits am 30. Juli 2026 eine umfassende Restrukturierungsvereinbarung mit wichtigen Gläubigergruppen bekannt gegeben. Ziel war es, die Finanzierung des Immobilienkonzerns neu zu ordnen und anstehende Rückzahlungen über längere Zeiträume zu verteilen.
Die damalige Vereinbarung bezog sich unter anderem auf eine Unternehmensanleihe mit einem ausstehenden Nennbetrag von 400 Millionen Euro. Hinzu kamen Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen über insgesamt 179,5 Millionen Euro.
Der Restrukturierungsplan sieht vor, bestehende Finanzverbindlichkeiten teilweise in neue, unterschiedlich besicherte Finanzierungsinstrumente umzuwandeln und Laufzeiten zu verlängern.
Darüber hinaus waren neue Finanzierungen von 35 Millionen Euro auf Ebene der Branicks Group AG und 60 Millionen Euro für die VIB Vermögen AG vorgesehen. Die Bereitstellung war an verschiedene Bedingungen geknüpft.
Die Zustimmung zu den Beraterverträgen gehörte zu den Voraussetzungen, unter denen das Gesamtkonzept umgesetzt werden sollte. Durch das Abstimmungsergebnis vom Freitag ist die weitere Durchführung erneut offen.
Die finanziellen Schwierigkeiten treffen einen Immobilienkonzern mit einem umfangreichen Bestand und einem großen Geschäft für institutionelle Investoren.
Zum 30. Juni 2026 verwaltete Branicks nach eigenen Angaben Immobilien im Gesamtwert von rund 10,1 Milliarden Euro. Dazu zählen sowohl eigene Bestandsobjekte als auch Immobilien, die das Unternehmen für andere Investoren betreut.
Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete Branicks ein operatives Ergebnis aus dem laufenden Immobiliengeschäft, gemessen an den Funds from Operations nach Minderheiten, von 14,3 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch 22,7 Millionen Euro.
Das Konzernergebnis lag dagegen bei minus 142,3 Millionen Euro. Wesentlichen Anteil daran hatten außerplanmäßige Abschreibungen auf Finanzanlagen von insgesamt 158,9 Millionen Euro.
Auch die Bruttomieteinnahmen gingen zurück. Sie lagen in den ersten sechs Monaten 2026 bei 57,1 Millionen Euro nach 72,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Die Zahlen verdeutlichen die unterschiedlichen Entwicklungen innerhalb des Unternehmens. Während das laufende Immobiliengeschäft weiterhin Einnahmen erzielt, wird die finanzielle Situation durch Verluste, Abschreibungen und die notwendigen Refinanzierungen belastet.
Nach dem gescheiterten Beschluss prüft die Unternehmensführung weitere Handlungsmöglichkeiten. Konkrete Vereinbarungen über eine Anpassung des Sanierungskonzepts wurden am Freitagabend zunächst nicht bekannt gegeben.
In ihrer um 21:17 Uhr veröffentlichten Ad-hoc-Mitteilung machte die Branicks Group AG deutlich, dass sie eine neue Verständigung mit den wesentlichen Gläubigern benötigt. Ohne eine solche Lösung sei der Fortbestand des Unternehmens nach eigener Einschätzung unmittelbar gefährdet.
Eine Insolvenz wurde mit der Mitteilung nicht bekannt gegeben. Die Warnung bezieht sich auf die möglichen Folgen, falls die angestrebte Verständigung ausbleibt.
Bereits vom 17. bis 19. Oktober 2026 ist zudem eine Abstimmung der Anleihegläubiger über Änderungen der Anleihebedingungen vorgesehen. Welche Auswirkungen die Entscheidung der Aktionäre auf das weitere Verfahren haben wird, war zunächst offen.
Für die Anteilseigner und Gläubiger steht damit die Frage im Mittelpunkt, ob Branicks das bisherige Sanierungskonzept noch umsetzen kann oder dafür neue Vereinbarungen benötigt.
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