Wohnungsnot in Spanien: Gewerkschaften rufen zum Generalstreik auf

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Spanien steht vor einem landesweiten Generalstreik. Am 11. November 2026 wollen die Gewerkschaften mit einem 24-stündigen Arbeitskampf gegen die hohen Wohnkosten und für bessere Einkommen protestieren. Die Mobilisierung fällt in eine politisch angespannte Phase: Nur 18 Tage später wird das spanische Parlament neu gewählt. Die Wohnungskrise hat sich damit zu einem zentralen Konflikt vor der vorgezogenen Wahl entwickelt.

Anzeige

Generalstreik in Spanien für den 11. November angekündigt

Die beiden größten spanischen Gewerkschaftsverbände UGT und Comisiones Obreras (CCOO) haben sich auf einen landesweiten Generalstreik am Mittwoch, 11. November, verständigt. Unterstützt wird der Aufruf unter anderem von der Gewerkschaft CGT, kleineren Arbeitnehmerorganisationen und Zusammenschlüssen von Mieterinitiativen. Auch regionale Gewerkschaften beteiligen sich an den Vorbereitungen.

Im Mittelpunkt stehen die steigenden Wohnkosten. Nach Auffassung der Gewerkschaften reicht das Einkommen vieler Beschäftigter nicht mehr aus, um eine angemessene Wohnung zu finanzieren. Deshalb fordern sie neben einer wirksameren Wohnungspolitik höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und Maßnahmen gegen prekäre Beschäftigung.

Der geplante Ausstand wäre der erste landesweite Generalstreik seit 2012, den die beiden großen Gewerkschaftsverbände gemeinsam unterstützen. Eine formelle Streikanzeige muss noch erfolgen. Anschließend sind unter anderem Regelungen für notwendige Mindestdienste zu treffen.

Anzeige

Steigende Mieten verschärfen die Wohnungskrise

Die Wohnungsnot zählt seit Jahren zu den drängendsten sozialen Problemen Spaniens. Besonders in Madrid, Barcelona und anderen wirtschaftlich starken Regionen sind bezahlbare Mietwohnungen knapp. Das Angebot hält mit der Nachfrage vielerorts nicht Schritt.

Die jüngsten Zahlen verdeutlichen den Druck. Nach Angaben des spanischen Statistikamtes INE lagen die Kaufpreise für Wohnimmobilien im zweiten Quartal 2026 um 12,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Gebrauchte Wohnungen verteuerten sich sogar um 12,9 Prozent.

Auch die Angebotsmieten sind gestiegen. Das Immobilienportal Idealista ermittelte für September 2026 einen landesweiten Durchschnitt von 15,10 Euro je Quadratmeter. Das entsprach einem Anstieg von 5,6 Prozent innerhalb eines Jahres.

Besonders schwierig ist die Situation für junge Erwachsene. Nach Berechnungen des spanischen Jugendrats würde die durchschnittliche Miete einer eigenständig bezogenen Wohnung rechnerisch 98,7 Prozent des durchschnittlichen Einkommens eines jungen Menschen beanspruchen.

Hinter dem Problem stehen mehrere strukturelle Entwicklungen. Die spanische Zentralbank verweist unter anderem auf einen Mangel an verfügbaren Bauflächen, langwierige Planungsverfahren und fehlende Arbeitskräfte im Baugewerbe. Gleichzeitig konzentriert sich die Nachfrage stark auf große Städte und wirtschaftlich attraktive Regionen.

Streit über Wohnungsgesetze führt zu Neuwahlen

Der Generalstreik fällt in eine Phase erheblicher politischer Auseinandersetzungen. Anfang Oktober scheiterten im spanischen Parlament zwei Gesetzesdekrete der Regierung, mit denen der Wohnungsmarkt stärker reguliert und Mieter besser geschützt werden sollten.

Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte daraufhin vorgezogene Parlamentswahlen für den 29. November an. Die Auflösung beider Parlamentskammern und der Wahltermin wurden am 6. Oktober im spanischen Gesetzblatt veröffentlicht.

Die Regierung beschloss anschließend erneut zwei Dekrete mit insgesamt 21 Maßnahmen zur Wohnungspolitik. Dazu zählen zusätzliche Regelungen zum Mieterschutz, steuerliche Anreize und Finanzierungsangebote für den Wohnungsbau und den Erwerb von Wohneigentum. Die Verordnungen bedürfen noch der parlamentarischen Bestätigung.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Wohnungskrise durch Proteste gegen Zwangsräumungen. Die Räumung der Wohnung einer 87-jährigen Frau in Madrid hatte landesweite Demonstrationen ausgelöst. Mieterorganisationen fordern unter anderem stärkere Schutzrechte und einen größeren Bestand an bezahlbaren Wohnungen.

Wirtschaftliche Folgen des Generalstreiks noch offen

Ein landesweiter Generalstreik könnte erhebliche Auswirkungen auf die spanische Wirtschaft haben. Bei hoher Beteiligung wären Einschränkungen in Unternehmen, im öffentlichen Verkehr sowie bei staatlichen Dienstleistungen möglich. Wie groß die tatsächlichen Beeinträchtigungen ausfallen, hängt jedoch von der Beteiligung der Beschäftigten und den noch festzulegenden Mindestdiensten ab.

Eine belastbare Schätzung der möglichen wirtschaftlichen Schäden liegt bislang nicht vor.

Die Arbeitgeberverbände CEOE und Cepyme kritisieren die Streikankündigung. Sie argumentieren, dass sich die Forderungen vor allem an die Politik richteten und Unternehmen für Entscheidungen der Regierung nicht verantwortlich seien. Zudem stellen sie die arbeitsrechtliche Zulässigkeit der angekündigten Mobilisierung infrage. Eine gerichtliche Entscheidung darüber liegt bislang nicht vor.

Auch unter den Arbeitnehmerorganisationen besteht keine vollständige Einigkeit. Die Gewerkschaften CSIF und USO haben erklärt, sich nicht an dem geplanten Generalstreik zu beteiligen.

Wohnungspolitik rückt vor der Wahl in den Mittelpunkt

Der Streiktermin ist auch politisch bedeutsam. Die Arbeitsniederlegung ist für den 11. November vorgesehen, zwei Tage vor Beginn des offiziellen Wahlkampfs. Am 29. November entscheiden die spanischen Wähler über die neue Zusammensetzung von Parlament und Senat.

Während die Regierung von Pedro Sánchez auf stärkere Mieterschutzregelungen und öffentliche Förderung setzt, fordert die konservative Volkspartei unter Alberto Núñez Feijóo unter anderem mehr Wohnungsbau und vereinfachte Genehmigungsverfahren.

Der Generalstreik bringt damit einen gesellschaftlichen Konflikt unmittelbar vor die Wahl: Für viele Menschen in Spanien ist nicht allein die Höhe ihres Einkommens entscheidend, sondern zunehmend auch die Frage, wie viel nach der monatlichen Miete davon übrig bleibt.

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu