
Der Elektroautomarkt in Deutschland wächst deutlich schneller als im vergangenen Jahr. Im September erreichten reine Elektroautos einen Anteil von 34,5 Prozent an sämtlichen Pkw-Neuzulassungen. Gleichzeitig hat die neue staatliche Kaufprämie die Marke von 100.000 Bewilligungen überschritten. Bundesumweltminister Carsten Schneider sieht darin einen Erfolg. Allerdings kostet das Förderprogramm bereits Hunderte Millionen Euro. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass sich der tatsächliche zusätzliche Kaufanreiz bislang nicht eindeutig bestimmen lässt.
Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes wurden im September 2026 insgesamt 88.599 rein batterieelektrische Pkw in Deutschland neu zugelassen. Das entspricht einem Anstieg von 94,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Ihr Anteil an sämtlichen Pkw-Neuzulassungen erreichte mit 34,5 Prozent einen neuen Höchstwert.
Zusätzlich kamen 27.681 Plug-in-Hybride auf die Straße. Zusammen erreichten beide Antriebsarten einen Marktanteil von 45,3 Prozent. Insgesamt wurden im September 256.774 neue Pkw zugelassen, rund neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Auch über das gesamte Jahr betrachtet zeigt sich der Aufwärtstrend. Von Januar bis September registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt 604.144 reine Elektroautos. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum bedeutet das ein Plus von 58,1 Prozent.
Die Entwicklung fällt mit der neuen staatlichen Förderung zusammen. Allerdings beeinflussen auch höhere Kraftstoffpreise, zusätzliche Fahrzeugmodelle und günstigere Angebote die Nachfrage.
Die E-Auto-Prämie 2026 richtet sich an private Haushalte, die ein neues Elektrofahrzeug kaufen oder leasen. Anträge können seit dem 19. Mai gestellt werden. Förderfähig sind auch Fahrzeuge, die bereits seit dem 1. Januar 2026 erstmals in Deutschland zugelassen wurden.
Nach Angaben des Bundesumweltministeriums wurde am 2. Oktober die Marke von 100.000 bewilligten Anträgen überschritten. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) erklärte am 5. Oktober, das Programm habe die Erwartungen deutlich übertroffen.
Auch die Verteilung der Zuschüsse bewertet Schneider positiv. Rund die Hälfte der bisherigen Bewilligungen entfiel auf Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von höchstens 45.000 Euro. Etwa drei Viertel der geförderten Haushalte verfügten über ein entsprechendes Einkommen von maximal 60.000 Euro.
Rund 90 Prozent der Bewilligungen betreffen reine Elektroautos. Weniger als zehn Prozent entfallen auf Plug-in-Hybride. Kauf und Leasing sind ungefähr gleich stark vertreten.
Mit der wachsenden Nachfrage steigen auch die Ausgaben des Bundes. Nach der Förderstatistik des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) waren zum Stichtag 1. Oktober insgesamt 97.790 Anträge bewilligt. Davon betrafen 89.594 reine Elektroautos und 8.196 Plug-in-Hybride.
Die bis zu diesem Zeitpunkt ausgezahlten Fördermittel summierten sich auf 432 Millionen Euro. Einen Monat zuvor waren es noch rund 230 Millionen Euro.
Insgesamt hat die Bundesregierung für das Förderprogramm drei Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds vorgesehen. Das Geld soll für die Jahre 2026 bis 2029 zur Verfügung stehen. Nach der ursprünglichen Kalkulation könnten damit etwa 800.000 Fahrzeuge unterstützt werden.
Wie viele Fahrzeuge tatsächlich gefördert werden können, hängt jedoch von der durchschnittlichen Zuschusshöhe ab. Werden besonders häufig hohe Förderbeträge bewilligt, reicht das verfügbare Budget für entsprechend weniger Fahrzeuge.
Die staatliche Förderung ist nach Einkommen, Familiengröße und Fahrzeugart gestaffelt. Für reine Elektroautos beträgt der Grundzuschuss 3.000 Euro. Bei einem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen von höchstens 60.000 Euro erhöht er sich um 1.000 Euro. Bei höchstens 45.000 Euro kommen weitere 1.000 Euro hinzu.
Für jedes der ersten beiden minderjährigen Kinder gibt es zusätzlich 500 Euro. Damit können Familien mit zwei Kindern und entsprechend niedrigem Einkommen insgesamt 6.000 Euro erhalten.
Die grundsätzliche Einkommensgrenze liegt bei 80.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen. Für jedes der ersten beiden Kinder steigt sie um 5.000 Euro, sodass Familien mit mindestens zwei Kindern bis zu einem Haushaltseinkommen von 90.000 Euro förderberechtigt sein können.
Bestimmte Plug-in-Hybride und Elektroautos mit Reichweitenverlängerer werden ebenfalls unterstützt. Hier liegt die Förderung zwischen 1.500 und 4.500 Euro. Voraussetzung sind unter anderem bestimmte Grenzwerte bei den CO₂-Emissionen oder der elektrischen Reichweite.
Gebrauchte Elektroautos sind vom Förderprogramm ausgeschlossen.
Trotz der gestiegenen Zulassungszahlen ist die wirtschaftliche Wirkung der Kaufprämie umstritten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt in einer Ende September veröffentlichten Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die Förderung zwar Kaufimpulse setzt, ihr konkreter zusätzlicher Effekt aber noch nicht zuverlässig beziffert werden kann.
Ein Grund sind mögliche Mitnahmeeffekte. Gemeint sind Haushalte, die auch ohne staatlichen Zuschuss ein Elektroauto gekauft hätten und nun zusätzlich von der Förderung profitieren.
Das DIW verweist außerdem darauf, dass sich der wachsende Elektroautomarkt nicht ausschließlich durch staatliche Zuschüsse erklären lässt. Das größere Angebot erschwinglicher Modelle und die gestiegenen Preise für Benzin und Diesel spielen ebenfalls eine Rolle.
Kritik gibt es zudem an der Förderung von Plug-in-Hybriden. Der ökologische Verkehrsclub VCD hält die Unterstützung solcher Fahrzeuge für klimapolitisch problematisch, weil ihr tatsächlicher Schadstoffausstoß stark davon abhängt, wie häufig sie elektrisch gefahren werden. Der Verband fordert außerdem, gebrauchte Elektroautos einzubeziehen, um auch Haushalten den Umstieg zu erleichtern, die sich keinen Neuwagen leisten können.
Das DIW spricht sich ebenfalls dafür aus, die Förderung von Plug-in-Hybriden zu beenden. Die Bundesregierung hält bislang an den bestehenden Förderbedingungen fest.
Für die Automobilindustrie sind die steigenden Neuzulassungen ein positives Signal. Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie legten die inländischen Bestellungen rein batterieelektrischer Fahrzeuge deutscher Hersteller im September um 79 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu.
Gleichzeitig liegt die gesamte deutsche Pkw-Produktion weiterhin unter dem Vorjahresniveau. In den ersten neun Monaten 2026 wurden rund 3,03 Millionen Autos hergestellt, vier Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2025.
Die neue Förderung trifft damit auf einen Automarkt im Wandel. Batterieelektrische Fahrzeuge gewinnen erheblich an Bedeutung, während Benziner und Diesel Marktanteile verlieren. Der Bund unterstützt diese Entwicklung mit Milliardenmitteln. Offen ist weiterhin, wie viele zusätzliche Elektroautos dadurch tatsächlich verkauft werden und wie dauerhaft der Nachfrageanstieg sein wird.
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