
Der saarländische Solarspezialist Next2Sun steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Nachdem eine Kapitalbeschaffung nicht ausreichend abgesichert werden konnte, hat die Unternehmensgruppe für zwei Gesellschaften Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Der Geschäftsbetrieb soll teilweise weiterlaufen. Für Anleger und Kunden gibt es dabei wichtige Unterschiede.
Die Next2Sun Technology GmbH und die Next2Sun Mounting Systems GmbH haben beim Amtsgericht Saarbrücken die Eröffnung von Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das teilte die Unternehmensgruppe mit Sitz in Dillingen an der Saar am 5. Oktober 2026 mit.
Die Next2Sun AG und die Next2Sun Projekt GmbH sind nach dem mitgeteilten Stand nicht unmittelbar von den Insolvenzanträgen betroffen. Auch die Gesellschaften, die bereits fertiggestellte Agri-Photovoltaikanlagen betreiben, befinden sich nach Unternehmensangaben nicht in Insolvenz.
Bei einem Verfahren in Eigenverwaltung kann die bisherige Geschäftsführung das Unternehmen unter gerichtlicher Aufsicht und Kontrolle eines Sachwalters weiterführen. Voraussetzung ist eine entsprechende gerichtliche Entscheidung. Mit dem Insolvenzantrag allein ist die Eröffnung eines solchen Verfahrens noch nicht gleichzusetzen.
Auslöser der Insolvenzanträge ist eine nicht zustande gekommene Finanzierung. Next2Sun hatte versucht, durch die Ausgabe neuer Aktien und weitere Kapitalangebote zusätzliche Mittel zu beschaffen.
Ende September lagen nach Unternehmensangaben Aktienzeichnungen und Finanzierungsangebote im Gesamtumfang von mehr als fünf Millionen Euro vor. Bei der anschließenden Prüfung stellte sich jedoch heraus, dass insbesondere zwei größere Investitionszusagen nicht ausreichend abgesichert waren.
Damit stand die erforderliche Finanzierung nicht verlässlich zur Verfügung. Am 2. Oktober erklärte Next2Sun die geplante Kapitalmaßnahme für gescheitert. Wenige Tage später folgten die Insolvenzanträge für die beiden Gesellschaften.
Für Anleger, die sich an der jüngsten Aktienemission beteiligen wollten, gibt es eine konkrete Aussage: Die geplante Kapitalerhöhung wird nicht durchgeführt. Die abgegebenen Zeichnungen werden nicht angenommen und nach Angaben von Next2Sun keine entsprechenden Anlegergelder eingezogen.
Anders ist die Lage bei bereits bestehenden Aktionären der Next2Sun AG. Die Aktiengesellschaft gehört nach aktuellem Unternehmensstand nicht zu den Gesellschaften, für die Insolvenz beantragt wurde. Dennoch können sich wirtschaftliche Schwierigkeiten innerhalb der Unternehmensgruppe auf den Wert ihrer Beteiligungen auswirken.
Welche finanziellen Auswirkungen die Insolvenzanträge auf bestehende Aktionäre und andere Kapitalgeber haben werden, ist bislang nicht geklärt. Auch eine mögliche Rückzahlungsquote für Gläubiger der betroffenen Gesellschaften steht nicht fest.
Für Kunden und Geschäftspartner plant Next2Sun keine vollständige Einstellung des Geschäftsbetriebs. Die Next2Sun Projekt GmbH soll ihre Arbeit fortsetzen und bestehende Projektentwicklungen weiter vorantreiben.
Auch die beiden Gesellschaften, für die Insolvenz beantragt wurde, sollen zunächst weiterarbeiten. Dabei werden laufende Vorhaben auf ihre wirtschaftliche Umsetzbarkeit geprüft. Projekte sollen fortgesetzt werden, soweit dies möglich ist.
Damit ist jedoch nicht garantiert, dass sämtliche Aufträge unverändert ausgeführt werden. Welche Auswirkungen sich für einzelne Lieferverträge, Montageaufträge, Gewährleistungsansprüche oder vereinbarte Fertigstellungstermine ergeben, hängt unter anderem von der jeweiligen Vertragsgesellschaft und dem weiteren Verfahrensverlauf ab. Konkrete allgemeingültige Regelungen für betroffene Kunden hat Next2Sun bislang nicht bekannt gegeben.
Next2Sun wurde 2015 gegründet und ist auf vertikal aufgestellte Solarmodule spezialisiert, die Sonnenlicht von beiden Seiten aufnehmen können. Die Technik ermöglicht es, landwirtschaftliche Flächen gleichzeitig für den Anbau und die Stromproduktion zu nutzen.
Zum Angebot gehören neben Agri-Photovoltaikanlagen auch Solarzäune. Nach eigenen Angaben hat die Unternehmensgruppe Projekte mit einer Gesamtleistung von mehr als 65 Megawattpeak umgesetzt und beschäftigt über 140 Menschen an Standorten in Deutschland, Österreich, Polen und Japan.
Erst im September eröffnete Next2Sun gemeinsam mit Projektpartnern einen Agri-Solarpark im italienischen Portogruaro. Die Anlage mit einer Leistung von einem Megawatt kombiniert vertikale Solarmodule mit landwirtschaftlicher Nutzung.
Trotz der Insolvenzanträge will die Unternehmensgruppe ihre Geschäftstätigkeit möglichst weitgehend erhalten. Die Suche nach neuen Investoren und Finanzierungsmöglichkeiten wird fortgesetzt.
Ziel ist nach Angaben des Unternehmens, möglichst viele Arbeitsplätze und das technische Fachwissen zu sichern. Welche konkreten Restrukturierungsmaßnahmen erforderlich werden, ist bislang nicht bekannt.
Auch zur Zahl der Beschäftigten in den beiden betroffenen Gesellschaften und zu möglichen Stellenstreichungen wurden zunächst keine konkreten Angaben gemacht. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, ob eine tragfähige Finanzierung und eine wirtschaftliche Fortführung der betroffenen Unternehmen erreicht werden können.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu