Mercedes macht Elektroautos zum Stromspeicher: So funktioniert das neue Ladeangebot

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Mercedes-Benz führt in Deutschland ein neues Angebot für bidirektionales Laden ein. Besitzer geeigneter Elektroautos sollen künftig nicht nur Strom aus dem Netz beziehen, sondern Energie aus ihrer Fahrzeugbatterie auch wieder einspeisen können. Dafür stellt der Hersteller gemeinsam mit The Mobility House Energy ein Gesamtpaket bereit. Zum Start sind der vollelektrische GLC und die neue elektrische C-Klasse vorgesehen. Unter bestimmten Voraussetzungen können Kunden einen jährlichen Bonus von mehr als 500 Euro erhalten.

Anzeige

Mercedes verbindet Elektroauto, Wallbox und Stromtarif

Das neue Angebot trägt den Namen MB.CHARGE Home Pro Intelligent. Es kombiniert eine spezielle Ladestation, einen Stromvertrag und eine digitale Steuerung. Die dahinterstehende Technologie wird als Vehicle-to-Grid, kurz V2G, bezeichnet. Dabei kann ein Elektroauto Strom aufnehmen, zwischenspeichern und später wieder in das öffentliche Stromnetz abgeben.

Die Steuerung berücksichtigt die jeweilige Situation am Strommarkt. Steht beispielsweise viel Wind- oder Solarstrom zur Verfügung, kann das Fahrzeug bevorzugt geladen werden. Bei höherem Bedarf kann Energie aus dem Akku zurückfließen. Auf diese Weise sollen Elektrofahrzeuge dazu beitragen, Schwankungen zwischen Stromerzeugung und Verbrauch auszugleichen.

Die Abwicklung übernimmt The Mobility House Energy. Über die App Mercedes-Benz Charge Home können Nutzer ihre Ladevorgänge, Rückspeisungen und Gutschriften kontrollieren. Zugleich lässt sich festlegen, welcher Batteriestand für die nächste Fahrt benötigt wird.

Anzeige

Mehr als 500 Euro Bonus im Jahr sind möglich

Ein wesentlicher Bestandteil des Angebots ist die finanzielle Vergütung. Anders als bei einer ausschließlich nach eingespeisten Kilowattstunden berechneten Zahlung orientiert sich der Mercedes-Bonus an der Zeit, in der das Fahrzeug angeschlossen und für das intelligente Laden verfügbar ist.

Nach den veröffentlichten Konditionen beträgt die Gutschrift 11,75 Cent pro Stunde. Bleibt ein Fahrzeug durchschnittlich zwölf Stunden täglich angeschlossen, ergibt sich rechnerisch ein Jahresbonus von rund 515 Euro. Der Bonus wird auf die Stromkosten angerechnet.

Dabei spielt es für die vergütete Anschlusszeit keine Rolle, ob das Fahrzeug gerade Strom bezieht, Energie zurückspeist oder vorübergehend weder lädt noch entlädt. Entscheidend ist, dass die Voraussetzungen des Tarifs erfüllt sind und das intelligente Laden aktiviert bleibt.

Die tatsächliche Vergütung hängt vom individuellen Nutzungsverhalten ab. Wer sein Fahrzeug seltener an der heimischen Ladestation anschließt, erhält entsprechend weniger. Eine pauschale Ersparnis von 500 Euro für sämtliche Kunden gibt es deshalb nicht.

Spezielle Wallbox kostet zunächst 1.990 Euro

Für die ersten 500 Kunden in Deutschland bietet Mercedes-Benz die bidirektionale Wallbox ChargeLine BiDi zum Einführungspreis von 1.990 Euro an. Regulär kostet das Gerät 2.990 Euro. Die Sonderkonditionen gelten bei entsprechendem Vertragsabschluss längstens bis Ende März 2027.

Zusätzlich erhalten die ersten 500 Kunden ein Ladeguthaben im Wert von 250 Euro für das öffentliche Laden über MB.CHARGE Public. Dafür gelten die jeweiligen Vertragsbedingungen des öffentlichen Ladedienstes.

Mercedes-Benz geht davon aus, dass sich die Investition in die Wallbox bei regelmäßiger Nutzung innerhalb von vier Jahren amortisieren kann. Diese Einschätzung setzt allerdings entsprechend hohe Bonuszahlungen voraus. Die tatsächliche Wirtschaftlichkeit hängt auch von möglichen Installationskosten, dem gewählten Stromtarif und weiteren individuellen Ausgaben ab.

Die ChargeLine BiDi arbeitet mit Gleichstrom und ermöglicht eine Lade- und Entladeleistung von bis zu 11 Kilowatt. Sie unterstützt Fahrzeuge mit 400- und 800-Volt-Technik. Auch Elektroautos anderer Hersteller können darüber geladen werden. Für das bidirektionale Einspeisen müssen Fahrzeug und Ladesystem jedoch entsprechend kompatibel und freigeschaltet sein.

Diese Voraussetzungen müssen Kunden erfüllen

Für das bidirektionale Laden bei Mercedes reicht ein geeignetes Elektroauto allein nicht aus. Benötigt werden außerdem die spezielle Wallbox, ein intelligentes Messsystem und der Stromtarif Mercedes-Benz Intelligent Pro Eco.

Hinzu kommen die erforderlichen digitalen Fahrzeugfunktionen und ein entsprechendes Benutzerkonto. Vor der Installation muss geprüft werden, ob der Stellplatz und die vorhandene elektrische Infrastruktur geeignet sind. Die Montage übernimmt ein qualifizierter Installationsdienst.

Eine Einschränkung betrifft Haushalte mit Photovoltaikanlagen. Das neue Angebot ist zunächst für Haushalte ohne eigene Solaranlage sowie für solche vorgesehen, die ihren erzeugten Solarstrom vollständig ins öffentliche Netz einspeisen. Die Einbindung von selbst erzeugtem und im eigenen Haushalt genutztem Solarstrom befindet sich noch in der Weiterentwicklung.

Auch die direkte Stromversorgung des Hauses aus der Fahrzeugbatterie, das sogenannte Vehicle-to-Home, gehört nicht automatisch zum jetzt angebotenen Funktionsumfang. Im Mittelpunkt steht zunächst die Rückspeisung in das öffentliche Stromnetz. Weitere Anwendungen für das eigene Hausenergiesystem sind vorgesehen.

Weitere Mercedes-Modelle sollen folgen

Neben dem elektrischen GLC und der neuen C-Klasse sollen künftig unter anderem der CLA, der CLA Shooting Brake, der GLA, der GLB, der VLE und der EQS unterstützt werden. Bei bestimmten Fahrzeugen soll die entsprechende Funktion nach dem Marktstart über ein Softwareupdate freigeschaltet werden.

Die Verfügbarkeit kann vom Modell, dem Baujahr und der Ausstattung abhängen. Auch eine bereits installierte Wallbox garantiert deshalb nicht, dass ein Fahrzeug sofort bidirektional genutzt werden kann.

Mercedes-Benz plant außerdem, sein Ladeangebot auf weitere internationale Märkte auszudehnen. Ein konkreter Zeitplan für sämtliche Länder wurde bei der aktuellen Vorstellung nicht genannt.

Neue Regeln sollen Stromspeicher besser integrieren

Der Einstieg von Mercedes-Benz fällt in eine Phase, in der Deutschland die gesetzlichen und technischen Voraussetzungen für bidirektionales Laden weiterentwickelt. Die Bundesnetzagentur hat am 1. Oktober 2026 neue Vorgaben zur Marktintegration von Stromspeichern und Ladepunkten beschlossen.

Die Regelungen sollen es unter anderem erleichtern, zuvor aus dem Stromnetz bezogene Energie später wieder einzuspeisen, ohne dass bestimmte Abgaben und Netzentgelte unangemessen mehrfach anfallen. Allerdings gelten Übergangsbestimmungen. Bis Ende September 2027 ist für die vorzeitige Anwendung bestimmter Regelungsoptionen das Einverständnis des zuständigen Netzbetreibers und Messstellenbetreibers erforderlich.

Mercedes-Benz ist nicht der einzige Hersteller, der entsprechende Lösungen entwickelt. Auch Volkswagen, BMW, Ford und Renault verfolgen Projekte zur Verbindung von Elektrofahrzeugen und Strommarkt. Die Modelle unterscheiden sich unter anderem bei der Ladeinfrastruktur, den Energiepartnern und den Vergütungsbedingungen.

Für Verbraucher eröffnet das bidirektionale Laden damit eine zusätzliche Möglichkeit, die Batterie ihres Elektroautos wirtschaftlich einzusetzen. Ob das Angebot tatsächlich Geld spart, hängt jedoch wesentlich von den Anschaffungskosten, den technischen Voraussetzungen und der regelmäßigen Nutzung ab.

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu