
Der amerikanische Chipausrüster Applied Materials rechnet in den kommenden Jahren mit einer deutlichen Ausweitung seines Geschäfts. Vorstandschef Gary Dickerson erwartet, dass sich der Umsatz etwa verdoppeln könnte. Gleichzeitig will das Unternehmen künstliche Intelligenz einsetzen, um die Produktivität zu steigern und das Personal deutlich langsamer wachsen zu lassen. Trotz dieser Aussichten geriet die Aktie am Dienstag, 13. Oktober 2026, an der US-Technologiebörse Nasdaq erheblich unter Druck.
Applied Materials gehört zu den führenden Herstellern von Anlagen für die Halbleiterproduktion. Die Maschinen des amerikanischen Unternehmens werden unter anderem bei der Fertigung moderner Prozessoren, Speicherchips und anderer Halbleiter eingesetzt.
Vorstandschef Gary Dickerson erklärte in einem von Bloomberg veröffentlichten Interview, dass das Unternehmen in den nächsten Jahren ungefähr doppelt so groß werden solle. Die Zahl der Beschäftigten werde nach seiner Einschätzung allerdings nicht im gleichen Umfang zunehmen.
Eine wesentliche Rolle spielt dabei der verstärkte Einsatz künstlicher Intelligenz innerhalb des Konzerns. KI-Anwendungen werden laut Dickerson bereits bei der Produktentwicklung und Qualitätssicherung eingesetzt. Außerdem sollen sie dabei helfen, die Ausbeute in der Halbleiterproduktion zu verbessern.
Applied Materials beschäftigte Ende Juli rund 38.900 Menschen. Eine konkrete Prognose zur künftigen Mitarbeiterzahl nannte Dickerson nicht. Auch einen verbindlichen Zeitpunkt für die angestrebte Umsatzverdopplung legte er in dem Interview nicht fest.
An der Börse entwickelte sich der Handel am Dienstag deutlich schwächer als die langfristigen Wachstumspläne vermuten lassen könnten. Die Aktie von Applied Materials notierte nach Angaben des Börsendatendienstes ChartExchange am 13. Oktober um 12:08 Uhr New Yorker Zeit, entsprechend 18:08 Uhr deutscher Zeit, bei 464,58 US-Dollar. Gegenüber dem Schlusskurs des Vortages von 497,53 Dollar entsprach das einem Rückgang von 6,62 Prozent.
Der Kursrückgang fiel in eine Phase allgemeiner Schwäche bei Halbleiterwerten. Auch andere Technologieunternehmen und Chipproduzenten verzeichneten am Dienstag Verluste. Hintergrund waren unter anderem Diskussionen über die langfristige Finanzierung der weltweiten KI-Infrastruktur und über mögliche Veränderungen im Wettbewerb.
Ob einzelne Aussagen des Managements von Applied Materials unmittelbar zu dem Kursrückgang beitrugen, war zunächst nicht geklärt.
Am Dienstag veranstaltete Applied Materials im Rahmen der Branchenmesse SEMICON West in San Francisco eine Präsentation für Investoren. Die Veranstaltung begann um 8 Uhr Ortszeit, entsprechend 17 Uhr deutscher Zeit, und war bis etwa 19:30 Uhr deutscher Zeit angesetzt.
Mitglieder der Unternehmensführung wollten dabei über die weitere Geschäftsentwicklung und langfristige Perspektiven informieren. In den Veranstaltungsunterlagen verweist Applied Materials unter anderem auf Geschäftsziele für das Jahr 2030.
Die Aussagen zur möglichen Umsatzverdopplung hatte Dickerson bereits im Vorfeld in dem Bloomberg-Interview gemacht. Sie sind deshalb nicht mit einer neuen, verbindlichen Finanzprognose vom Investorentag gleichzusetzen.
Parallel zur Wachstumsstrategie baut Applied Materials seine Forschungsaktivitäten aus. Am Montag stellte das Unternehmen im kalifornischen Sunnyvale sein neues EPIC Center vor. Für die Einrichtung ist nach Unternehmensangaben ein Investitionsvolumen von insgesamt rund fünf Milliarden US-Dollar vorgesehen. Die Ausgaben sollen mit dem Beginn weiterer Kundenprojekte schrittweise anfallen.
Das Forschungszentrum umfasst rund 56.000 Quadratmeter. Dort sollen Chipproduzenten, Anlagenhersteller und Wissenschaftler gemeinsam an neuen Fertigungsverfahren arbeiten. Zu den beteiligten Unternehmen gehören TSMC, Intel, Samsung Electronics, Micron und SK Hynix.
Mit dieser Zusammenarbeit will Applied Materials Entwicklungsprozesse verkürzen und neue Technologien schneller für die industrielle Produktion verfügbar machen. Die Forschung konzentriert sich insbesondere auf leistungsfähige und energieeffiziente Halbleiter, die für künstliche Intelligenz benötigt werden.
Die Erwartungen des Managements treffen auf eine bereits deutlich gestiegene Geschäftstätigkeit. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte Applied Materials einen Rekordumsatz von 9,12 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum bedeutete das ein Plus von 25 Prozent.
Allein die Sparte Semiconductor Systems erwirtschaftete rund 7,04 Milliarden Dollar. Das Geschäft mit Dienstleistungen für bestehende Anlagen steuerte weitere 1,78 Milliarden Dollar bei.
Für das vierte Geschäftsquartal hatte Applied Materials zuletzt einen Umsatz von etwa 10,25 Milliarden Dollar prognostiziert, mit einer möglichen Abweichung von 500 Millionen Dollar nach oben oder unten. Das Unternehmen rechnet zudem auch für 2027 mit einem weiteren starken Wachstumsjahr.
Die langfristige Geschäftsentwicklung hängt allerdings davon ab, wie stark Halbleiterhersteller ihre Produktionskapazitäten tatsächlich ausbauen. Damit bleiben die Investitionsentscheidungen großer Chipproduzenten eine wesentliche Voraussetzung für die ehrgeizigen Umsatzziele von Applied Materials.
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