
Bei Siemens Energy könnte der geplante Umbau des Konzerns einen weiteren Schritt vorankommen. Internationale Finanzinvestoren prüfen laut Bloomberg eine Beteiligung an der Industriesparte Transformation of Industry. Gleichzeitig sollen Banken Finanzierungspakete von bis zu sieben Milliarden Euro vorbereiten. Der Energietechnikkonzern hat die Verselbstständigung des Geschäfts bereits offiziell angekündigt. Ein konkreter Verkauf oder verbindliche Angebote sind bislang jedoch nicht bestätigt.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg vom 9. Oktober 2026 arbeiten Banken an Finanzierungspaketen für einen möglichen Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an der Industriesparte von Siemens Energy. Das Gesamtvolumen könnte bis zu sieben Milliarden Euro erreichen.
Davon sollen etwa 4,5 bis fünf Milliarden Euro auf Kredite und hochverzinsliche Anleihen entfallen. Weitere rund 2,5 Milliarden Euro sind dem Bericht zufolge als zusätzliche Kredit- und Garantielinien für das operative Geschäft vorgesehen. Die Finanzierung ist damit nicht mit einem möglichen Kaufpreis gleichzusetzen. Ob die Pakete tatsächlich eingesetzt werden, ist noch offen.
Bereits am 25. August hatte Bloomberg unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen über mögliche Interessenten berichtet. Demnach erwägen CVC Capital Partners, EQT und Bain Capital Gebote für eine Mehrheitsbeteiligung. Auch die Beteiligungsgesellschaften Brookfield und KKR wurden als mögliche Bieter genannt.
Siemens Energy soll für die Vorbereitung einer Transaktion mit der US-Investmentbank Goldman Sachs zusammenarbeiten. Die Bewertung des Geschäfts könnte laut den damaligen Informationen mehr als zehn Milliarden Euro erreichen. Weder diese Summe noch die Beteiligung einzelner Finanzinvestoren ist vom Konzern als Bestandteil einer konkreten Vereinbarung bestätigt worden.
Ob einer der Interessenten inzwischen ein verbindliches Angebot abgegeben hat, war zunächst unklar. Siemens Energy wollte sich gegenüber Bloomberg zu den damaligen Informationen über mögliche Käufer nicht äußern.
Die grundsätzliche Neuordnung ist dagegen eine offizielle Entscheidung des Unternehmens. Am 25. August 2026 kündigte Siemens Energy an, die rechtliche und operative Verselbstständigung des Geschäftsbereichs Transformation of Industry vorzubereiten.
Der Konzern prüft dafür eine neue Eigentümerstruktur. Möglich sind externe Investoren oder eine Kapitalmarkttransaktion. Siemens Energy strebt an, die Sparte künftig nicht mehr vollständig im Konzernabschluss zu konsolidieren und selbst eine bedeutende Minderheitsbeteiligung zu behalten.
Transformation of Industry entwickelt unter anderem industrielle Dampfturbinen, Kompressoren, Generatoren, Motoren und Elektrolyseure für die Wasserstoffproduktion. Hinzu kommen Technologien für maritime Anwendungen und Unterwassersysteme. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete der Bereich mit rund 17.000 Beschäftigten einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro. Die Gewinnmarge lag bei 11,3 Prozent.
Mit der Neuordnung will Siemens Energy seine Investitionen stärker auf Stromerzeugung und Stromübertragung konzentrieren. Das Industriegeschäft bedient dagegen teilweise andere Märkte, darunter die Chemieindustrie, Öl und Gas sowie die Schifffahrt. Als eigenständiges Unternehmen soll der Bereich flexibler auf die Anforderungen seiner Kunden reagieren können.
Die Pläne stoßen bei Finanzanalysten grundsätzlich auf Interesse. Die kanadische Bank RBC Capital Markets hatte bereits Ende August erklärt, dass eine Trennung der Industriesparte die Unternehmensstruktur von Siemens Energy vereinfachen könnte.
RBC-Analyst Colin Moody bezeichnete eine Bewertung von mehr als zehn Milliarden Euro im Zusammenhang mit einer möglichen Transaktion als gutes Ergebnis. In einer weiteren Einschätzung vom 2. Oktober bestätigte RBC die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 200 Euro für die Siemens-Energy-Aktie. Die Bank rechnet mit einem kräftigen Wachstum des Konzerns bis 2030.
Zurückhaltender positionierte sich die DZ Bank. Analyst Alexander Hauenstein erhöhte am 8. Oktober den fairen Wert der Aktie von 128 auf 157 Euro, bestätigte aber die Empfehlung „Halten“. Er erwartet, dass Siemens Energy seine erhöhte Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2025/26 leicht übertreffen könnte.
An der Börse zeigte sich die Siemens-Energy-Aktie am Dienstag, 13. Oktober 2026, schwächer. Nach Kursdaten von finanzen.net notierte das Papier auf Xetra um 17.30 Uhr bei 143,02 Euro. Gegenüber dem Vortageswert von 146,78 Euro entsprach das einem Rückgang von 2,56 Prozent.
Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Kursrückgang und den Berichten über den möglichen Spartenverkauf ist nicht belegt. Bereits in den vergangenen Handelstagen hatte die Aktie zum Teil deutlich geschwankt.
Mit der angekündigten Verselbstständigung hat Siemens Energy den Rahmen für eine umfassende Neuordnung geschaffen. Ein Verkauf der Industriesparte ist jedoch weiterhin nicht beschlossen. Ebenso fehlen bestätigte Angaben über die Höhe eines möglichen Kaufpreises, verbindliche Angebote und einen konkreten Abschlusszeitpunkt.
Für den Konzern steht zunächst die weitere Entwicklung seines Geschäfts im Mittelpunkt. Am 11. November 2026 will Siemens Energy die Ergebnisse des vierten Geschäftsquartals und des gesamten Geschäftsjahres 2025/26 präsentieren.
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