
Fabian Reese hat seinen Instagram-Account deaktiviert. Der 28 Jahre alte Offensivspieler des VfL Wolfsburg ist auf der Plattform nicht mehr mit seinem bisherigen Profil erreichbar. Zuvor war der ehemalige Kapitän von Hertha BSC wiederholt bei Fußballspielen ausgepfiffen und in sozialen Netzwerken angefeindet worden. Eine öffentliche Erklärung zu seinem Rückzug von Instagram gab Reese zunächst nicht ab. Auch eine offizielle Stellungnahme des VfL Wolfsburg zu diesem Schritt lag zunächst nicht vor.
Der frühere Berliner Publikumsliebling steht seit seinem Wechsel nach Niedersachsen im Juni 2026 besonders im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dabei hat sich die Kritik längst über die Anhängerschaft seines ehemaligen Vereins hinaus ausgeweitet.
Mehr als 100.000 Menschen folgten Reese zuletzt auf Instagram. Dort hatte der Fußballprofi regelmäßig Einblicke in seine Karriere gegeben. Seit Mitte Oktober ist sein bisheriges Profil nicht mehr abrufbar. Über die Deaktivierung berichteten unter anderem SPORT1, Sky Sport, n-tv, BILD und der Berliner Tagesspiegel.
Ob Reese seinen Account dauerhaft geschlossen hat oder lediglich eine vorübergehende Pause einlegt, blieb zunächst unklar. Ebenso wenig ist offiziell bestätigt, welche konkreten Ereignisse für die Entscheidung ausschlaggebend waren.
Allerdings hatte sich der Angreifer bereits Wochen zuvor öffentlich zu den Reaktionen auf seinen Vereinswechsel geäußert. Insbesondere die Pfiffe während mehrerer Begegnungen der 2. Bundesliga hatten ihn nach eigenen Angaben persönlich getroffen.
Besonders deutlich wurde die Ablehnung am 29. August 2026 beim Auswärtsspiel des VfL Wolfsburg gegen den Karlsruher SC. Anhänger der Gastgeber pfiffen Reese bei zahlreichen Ballkontakten aus. Zwischen Teilen der Karlsruher und Berliner Fanszenen besteht eine langjährige Fanfreundschaft.
Nach der Begegnung sprach Reese im Fernsehinterview offen über seine Gefühle. Die Reaktionen seien verletzend, erklärte der Offensivspieler. Er nehme die Pfiffe auch nach dem Spiel mit nach Hause und könne sie nicht einfach abschütteln.
Ähnliche Szenen gab es Anfang September beim Heimspiel gegen Energie Cottbus. Dort richteten sich die Pfiffe aus dem Gästeblock gegen den Wolfsburger Angreifer. Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz kritisierte anschließend das Verhalten von Teilen der eigenen Anhängerschaft und stellte sich öffentlich hinter Reese.
Auch beim Auswärtsspiel in Nürnberg am 10. Oktober wurde der Wolfsburger wieder ausgepfiffen. VfL-Trainer Tobias Strobl erklärte anschließend, seine Mannschaft könne die Reaktionen von den Rängen nicht beeinflussen.
Dass die Ablehnung keineswegs von sämtlichen gegnerischen Fans getragen wird, zeigte sich dagegen im September beim FC St. Pauli. Dort blieb Reese von vergleichbaren Pfiffen verschont. Wolfsburgs Trainer lobte anschließend ausdrücklich die faire Atmosphäre am Millerntor.
Der Transfer von Fabian Reese zum VfL Wolfsburg wurde am 17. Juni 2026 offiziell bekannt gegeben. Der gebürtige Kieler unterschrieb in Niedersachsen einen Vertrag bis zum 30. Juni 2030.
Zuvor hatte Reese drei Jahre für Hertha BSC gespielt. Er war 2023 von Holstein Kiel nach Berlin gekommen und entwickelte sich dort zu einem wichtigen Leistungsträger. In der Saison 2025/26 führte er die Mannschaft als Kapitän an.
Besonders bemerkenswert war der Zeitpunkt seines Abschieds. Erst im Mai 2025 hatte Reese seinen Vertrag bei Hertha bis 2030 verlängert. Rund ein Jahr später entschied er sich dennoch für einen Wechsel innerhalb der 2. Bundesliga.
Beide Vereine nannten bei der Bekanntgabe keine Ablösesumme. Sky Sport bezifferte die Transferentschädigung damals auf acht bis neun Millionen Euro. Eine offizielle Bestätigung dieses Betrags gab es nicht.
Reese selbst begründete seine Entscheidung mit den sportlichen Perspektiven beim VfL Wolfsburg und der Wertschätzung, die ihm der Verein entgegengebracht habe. Bei seinem Abschied aus Berlin hatte er zugleich um Respekt für seine Entscheidung gebeten.
Hertha-Sportdirektor Benjamin Weber würdigte den Angreifer bei der offiziellen Bekanntgabe des Transfers als wichtigen Torschützen, Vorlagengeber und Führungsspieler. Der Abschied sei dem Verein nicht leichtgefallen.
Für den VfL Wolfsburg besitzt die Verpflichtung eine besondere sportliche Bedeutung. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga im Frühjahr 2026 musste sich der Verein für die zweite Liga neu aufstellen.
Reese gehörte zu den zentralen Verpflichtungen des Umbruchs unter Trainer Tobias Strobl. Sportdirektor Pirmin Schwegler hob bei seiner Vorstellung insbesondere dessen Offensivqualitäten, Führungsstärke und Einsatzbereitschaft hervor.
Die sportlichen Zahlen unterstreichen seine Bedeutung. In seiner letzten Saison bei Hertha BSC kam Reese auf 33 Ligaspiele, zehn Tore und 13 Vorlagen. Damit gehörte er zu den produktivsten Offensivspielern der 2. Bundesliga.
Auch bei Wolfsburg hat der 28-Jährige schnell Verantwortung übernommen. Nach sieben Ligaspielen der Saison 2026/27 stehen für ihn drei Treffer und vier Torvorlagen in der offiziellen Statistik der Deutschen Fußball Liga. Er läuft mit der Rückennummer 11 auf und wird überwiegend auf dem linken Flügel eingesetzt.
Für Wolfsburg ist Reese damit nicht nur aufgrund seiner Ablösesumme und seiner bisherigen Karriere wichtig. Seine Fähigkeiten im Angriff sollen dazu beitragen, die nach dem Abstieg neu zusammengestellte Mannschaft sportlich wieder nach oben zu führen.
Unterstützung erhielt Reese auch aus der organisierten Fanszene seines neuen Vereins. Der Dachverband Supporters Wolfsburg veröffentlichte bereits am 31. August eine Stellungnahme zum Umgang mit dem Fußballprofi.
Darin unterschied der Verband zwischen nachvollziehbarer Enttäuschung über einen Vereinswechsel und persönlichen Beleidigungen. Nach Auffassung der Supporters war im Umgang mit Reese eine Grenze überschritten worden.
Auch Trainer Tobias Strobl hatte sich zuvor für einen respektvolleren Umgang ausgesprochen. Nach den Pfiffen gegen seinen Spieler betonte er, dass hinter jedem Fußballprofi ein Mensch stehe, den öffentliche Ablehnung persönlich treffen könne.
Die Entwicklungen betreffen damit nicht allein das Verhältnis zwischen Reese und den Anhängern von Hertha BSC. Der frühere Berliner Kapitän wurde auch von Fans anderer Vereine ausgepfiffen, obwohl diese an seinem Wechsel nicht unmittelbar beteiligt waren.
Mit der Deaktivierung seines Instagram-Profils ist Reese vorerst auf einer wichtigen persönlichen Kommunikationsplattform nicht mehr erreichbar. Sportlich bleibt der 28-Jährige dagegen ein zentraler Bestandteil der Wolfsburger Mannschaft. Ob und wann er seine Präsenz in den sozialen Netzwerken wieder aufnimmt, ist offen.
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