
Münster. Schimmel, defekte Aufzüge und Probleme mit der Müllentsorgung: In Teilen der sogenannten Schleife in Münster-Kinderhaus gibt es seit Jahren Beschwerden über die Wohnverhältnisse. Nun sorgt auch noch der Verkauf eines größeren Wohnungsbestandes für zusätzliche Verunsicherung. Die CDU spricht von einer „Alarmstimmung“ und fordert ein Sofortprogramm mit elf Maßnahmen.
Mit einem 100-Tage-Plan für Kinderhaus will die CDU Verbesserungen im Stadtteil vorantreiben. Ratsfrau Babette Lichtenstein van Lengerich und Olaf Bloch, CDU-Fraktionsvorsitzender in der Bezirksvertretung Nord, haben dazu einen Antrag vorbereitet und eine Sondersitzung der Bezirksvertretung beantragt.
Als Anlass nennt die Partei den Verkauf eines größeren Wohnungsbestandes in der Nordwestschleife. Sie sieht die Gefahr, dass sich bestehende Probleme dadurch verschärfen könnten. „Es wird befürchtet, dass alles noch viel schlimmer werden könnte“, heißt es in der Mitteilung.
Die Schleife rund um Brüningheide, Killingstraße und Josef-Beckmann-Straße gehört zu den größeren Wohnquartieren im Norden Münsters. In Teilen der älteren Wohnanlagen gibt es seit Jahren Beschwerden über Feuchtigkeit, Schimmel, Heizungsausfälle und defekte Aufzüge. RUMS berichtete im Mai 2026 ausführlich über entsprechende Probleme. Im Mittelpunkt stand die Immobiliengesellschaft ZBI, die 2019/2020 knapp 700 Wohnungen übernommen hatte. Nach damaligen Unternehmensangaben waren bis Mai 2026 erst rund 23 Prozent dieses Bestandes saniert worden.
Bereits damals gab es Berichte über einen möglichen Weiterverkauf. Die CDU bedauert nun, dass die Stadt nach ihrer Darstellung kein Vorkaufsrecht nutzen konnte. Zwar besteht für die Schleife seit 2010 eine entsprechende Satzung, bei sogenannten Share Deals kann ein solches Recht jedoch ins Leere laufen.
Ein Schwerpunkt des CDU-Antrags liegt auf der Wohnungsaufsicht. Die Partei fordert, dass künftig alle zwei Wochen eine mobile Sprechstunde in der Schleife angeboten wird. Zudem sollen problematische Gebäude kurzfristig kontrolliert werden. Ein mehrsprachiges Meldesystem soll es Mietern erleichtern, Schimmel, Heizungsausfälle oder defekte Aufzüge zu melden. Bei erheblichen Mängeln soll die Verwaltung gegenüber den Vermietern schneller eingreifen.
Weitere Vorschläge betreffen das Wohnumfeld. Die CDU verlangt zusätzliche Sperrmüllcontainer, den Einsatz von Müllscouts sowie neue Sitzbänke und Bewegungsangebote am Sprickmannplatz. Auch die ehemalige Kita an der Killingstraße soll wieder genutzt werden, diesmal vorübergehend als Jugend- und Familienzentrum. Hinzu kommen Forderungen nach mehr aufsuchender Jugendarbeit und der Wiedereröffnung des Mittagstisches im Bürgerzentrum.
Zwei Punkte gehen deutlich über den angekündigten Zeitraum von 100 Tagen hinaus. Die CDU fordert, dass die Renovierung des Schulzentrums Kinderhaus spätestens innerhalb von neun Monaten beginnt. Für die geplanten Sporthallen bei Westfalia Kinderhaus soll 2027 ein verbindlicher Baubeschluss gefasst werden.
Allerdings handelt es sich nicht bei allen elf Forderungen um neue Ansätze. Bereits im Mai 2026 beschloss die Stadt eine Taskforce gegen illegale Müllablagerungen und bestimmte die Schleife zum ersten Pilotgebiet. Auch Wohnungsmängel können Mieter schon heute bei der städtischen Wohnungsaufsicht melden. Die CDU schlägt hier vor allem eine Ausweitung und Vereinfachung der bestehenden Angebote vor.
Beim Schulzentrum sind ebenfalls bereits umfangreiche Arbeiten vorgesehen. Die Stadt führt die Erweiterung und Sanierung als Bauprojekt mit Kosten von 28,3 Millionen Euro. Als Fertigstellung ist das zweite Quartal 2031 vorgesehen. Eine separate energetische Sanierung für 5,9 Millionen Euro wurde bereits abgeschlossen.
Auch in einzelnen Wohnanlagen wurde zuletzt investiert. So meldete Sahle Wohnen am 9. Oktober den Abschluss einer Neugestaltung an der Killingstraße 2 bis 12. Nach Unternehmensangaben flossen rund 1,3 Millionen Euro in Grünanlagen, Beleuchtung, Müllboxen und einen Spielplatz. Das Unternehmen bewirtschaftet 235 Wohnungen in der Schleife.
Zunächst muss die Bezirksvertretung Nord über den Antrag beraten. Ob die vorgeschlagenen Maßnahmen eine politische Mehrheit finden und wie sie finanziert werden könnten, steht noch nicht fest. Gerade bei zusätzlichen Bauvorhaben und sozialen Angeboten sind entsprechende Beschlüsse und Haushaltsmittel erforderlich.
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