Retouren aus dem Onlinehandel werden zum Geschäft für Kioske

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Onlinehandel sorgt in Deutschland für immer mehr Rücksendungen. Für 2026 erwarten Wissenschaftler rund 560 Millionen Retourenpakete. Davon profitieren nicht nur große Logistikunternehmen, sondern auch Kioske, Tankstellen und kleinere Geschäfte, die Pakete annehmen. Während Paketshops mit zusätzlichen Einnahmen rechnen können, bleiben Rücksendungen für Onlinehändler ein erheblicher Kostenfaktor.

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Für 2026 werden rund 560 Millionen Retouren erwartet

Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg rechnet für 2026 mit etwa 560 Millionen Rücksendepaketen in Deutschland. Grundlage sind Daten aus der Paketbranche und eine angenommene Retourenquote von 24,2 Prozent. Bereits für 2025 errechneten die Wissenschaftler rund 542 Millionen zurückgeschickte Pakete. Das wäre ein neuer Höchstwert bei Retouren und würde den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2021 übertreffen. Bei beiden Zahlen handelt es sich allerdings um Hochrechnungen und nicht um eine vollständige Erfassung tatsächlich zurückgesandter Pakete.

Auch die Paketbranche wächst weiter. Nach Angaben des Bundesverbandes Paket- und Expresslogistik wurden 2025 insgesamt 4,37 Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen transportiert. Das waren 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Branchenumsatz stieg auf rund 28,4 Milliarden Euro. Für 2026 erwartet der Verband weiteres Wachstum. Dabei entwickeln sich die Marktsegmente unterschiedlich. Während der Versand zwischen Privatpersonen besonders deutlich zulegte, wuchs das Geschäft mit Sendungen von Unternehmen an Verbraucher 2025 lediglich um 0,6 Prozent.

Kioske und Paketshops verdienen an Rücksendungen mit

Für kleinere Einzelhandelsgeschäfte eröffnet das steigende Retourenvolumen zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten. Kioske, Schreibwarengeschäfte, Tankstellen und andere Verkaufsstellen können als Annahmestellen für Paketunternehmen arbeiten. Sie nehmen frankierte Sendungen und Rücksendungen entgegen und erhalten dafür eine vertraglich vereinbarte Vergütung. DHL wirbt ausdrücklich um solche Partner. Die Höhe der Vergütung wird individuell vereinbart und hängt unter anderem vom Leistungsumfang und der Kundenfrequenz ab. Allgemeingültige Einnahmen pro Paket lassen sich daraus nicht ableiten.

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Neben den Provisionen können zusätzliche Kundenbesuche wirtschaftlich interessant sein. Wer ein Paket abholt oder eine Retoure abgibt, kann den Besuch mit einem Einkauf verbinden. Für kleinere Geschäfte entsteht damit eine zusätzliche Einnahmemöglichkeit neben ihrem bisherigen Sortiment. Gleichzeitig müssen die Verkaufsstellen ausreichend Platz für die Pakete vorhalten und die Annahme organisieren. DHL nennt für neue Paketshop-Partner unter anderem rund drei Quadratmeter Lagerfläche als Voraussetzung. Wie rentabel das Geschäft tatsächlich ist, hängt deshalb auch vom Paketaufkommen und den betrieblichen Abläufen ab.

Mode bleibt bei Retouren besonders auffällig

Die hohen Rücksendemengen verteilen sich nicht gleichmäßig auf alle Bereiche des Onlinehandels. Besonders häufig werden Kleidungsstücke und andere Modeartikel zurückgeschickt. Nach der aktuellen Untersuchung des EHI Retail Institute hatten 2026 rund 67,5 Prozent der befragten Modehändler eine artikelbezogene Retourenquote von mehr als 20 Prozent. Im Elektronikhandel lagen die Rücksendequoten dagegen deutlich niedriger. Insgesamt zeigt die Untersuchung allerdings keinen flächendeckenden Anstieg der Retourenquoten. Bei vielen Unternehmen bleiben sie vergleichsweise gering. Die Ergebnisse beruhen auf einer Befragung von 108 Onlinehändlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Für die Händler sind Retouren im Onlinehandel weiterhin mit erheblichen Ausgaben verbunden. Dazu gehören der Rücktransport, die Prüfung zurückgesandter Artikel und gegebenenfalls deren Wiederaufbereitung. Dennoch übernehmen immer mehr Unternehmen die Rücksendekosten vollständig. Laut EHI lag dieser Anteil 2026 bei 60,6 Prozent der befragten Händler, nach 49,2 Prozent im Vorjahr. Als wichtige Gründe nannten die Unternehmen die Kundenzufriedenheit und Kundenbindung. Kostenlose Rücksendungen bleiben damit ein Wettbewerbsfaktor, auch wenn sie die Wirtschaftlichkeit einzelner Bestellungen belasten.

Parallel verändern Paketautomaten die Infrastruktur. DHL und der Paketstationsanbieter myflexbox kündigten Anfang Oktober 2026 an, ihre anbieteroffenen Automatennetze zusammenzuführen. Dadurch sollen Verbraucher Pakete unterschiedlicher Dienstleister flexibler abholen und versenden können. Die Entwicklung zeigt, dass nicht nur der eigentliche Transport, sondern auch die Annahme und Rückgabe von Sendungen zu einem wichtigen Bestandteil des Paketgeschäfts geworden ist. Für Kioske und andere Paketshops bedeutet das zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten, aber auch Konkurrenz durch automatisierte Angebote.

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