Berkshire Hathaway setzt fast eine Milliarde Dollar auf Europas Softwarekonzern Bending Spoons

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der amerikanische Investmentkonzern Berkshire Hathaway baut seine Beteiligung am italienischen Technologieunternehmen Bending Spoons deutlich aus. Nach einem ersten Investment von 600 Millionen US-Dollar beim Börsengang im Juli 2026 sollen weitere 330 Millionen Dollar folgen. Damit summieren sich die bisherigen und vereinbarten Investitionen auf 930 Millionen Dollar. Hinter dem Unternehmen aus Mailand stehen zahlreiche bekannte Internetdienste, darunter Evernote, Vimeo und WeTransfer. Die Entscheidung fällt in eine Phase des Führungswechsels bei Berkshire Hathaway, das jahrzehntelang von Warren Buffett geprägt wurde.

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Berkshire Hathaway sichert sich vier Prozent an Bending Spoons

Berkshire Hathaway investiert in Bending Spoons und setzt damit seine im Sommer begonnene Beteiligung fort. Das Unternehmen gab die neue Vereinbarung am 14. Oktober 2026 bekannt. Sie sieht vor, dass Berkshire weitere zehn Millionen Aktien zu jeweils 33 Dollar übernimmt. Die Aktien werden im Rahmen einer Privatplatzierung ausgegeben und nicht über den regulären Börsenhandel verkauft. Nach Abschluss soll Berkshire Hathaway vier Prozent an Bending Spoons halten.

Die Vereinbarung ist verbindlich, die zusätzliche Investition war zum Zeitpunkt der Bekanntgabe allerdings noch nicht vollständig abgeschlossen. Nach der bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Mitteilung rechnet Bending Spoons mit dem Vollzug im vierten Quartal 2026. Das Unternehmen will den Erlös für allgemeine Geschäftszwecke und weitere Übernahmen verwenden. Die Ankündigung sorgte unmittelbar für eine kräftige Kursreaktion. Am 14. Oktober legte die Aktie im frühen Handel zeitweise um rund 40 Prozent zu.

Von Evernote bis Vimeo: Das Geschäftsmodell hinter Bending Spoons

Bending Spoons wurde 2013 gegründet und hat sich von einem App-Entwickler zu einem international tätigen Technologieunternehmen entwickelt. Anders als viele klassische Softwarefirmen setzt der Konzern besonders auf den Kauf bereits etablierter digitaler Dienste. Nach einer Übernahme werden Geschäftsabläufe, Softwareentwicklung, Vertrieb und Preisgestaltung häufig grundlegend verändert. Ziel ist es, die erworbenen Angebote langfristig profitabler zu betreiben. Nach eigenen Angaben hat Bending Spoons bislang kein wesentliches übernommenes Geschäft wieder verkauft.

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Zum Portfolio gehört seit Januar 2023 die Notizsoftware Evernote. Im Juli 2024 kam der Dateitransferdienst WeTransfer hinzu. Im November 2025 übernahm Bending Spoons die Videoplattform Vimeo. Anfang 2026 folgte AOL, im März wurde außerdem der Kauf der Veranstaltungsplattform Eventbrite abgeschlossen. Zu den weiteren Beteiligungen gehören unter anderem Brightcove, Komoot und der Tier-Tracking-Anbieter Tractive. Im September 2026 schloss Bending Spoons zusätzlich die Übernahme der Datenplattform Airtable ab.

Eine weitere große Transaktion ist bereits vereinbart. Bending Spoons kündigte am 10. September an, die Kollaborationsplattform Miro zu einem Unternehmenswert von 1,355 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Der Kauf steht allerdings noch unter regulatorischen und weiteren üblichen Abschlussbedingungen. Die zunehmende Größe des Konzerns macht zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten besonders bedeutend. Zugleich sind die tiefgreifenden Umstrukturierungen nach Übernahmen nicht ohne Folgen für Beschäftigte. In seinem Bericht zum zweiten Quartal 2026 wies Bending Spoons Kosten für Abfindungen im Zusammenhang mit Reorganisationen unter anderem bei AOL, Eventbrite und Vimeo aus.

Wachstum durch Übernahmen und neue Risiken

Die wirtschaftlichen Zahlen zeigen, wie stark sich Bending Spoons durch die Zukäufe verändert hat. Im zweiten Quartal 2026 erreichte der Konzern einen Umsatz von rund 704 Millionen Dollar. Das entsprach einem Anstieg um 126 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das operative Ergebnis erhöhte sich auf rund 240 Millionen Dollar. Allerdings ging das Umsatzwachstum nach Unternehmensangaben überwiegend auf Übernahmen zurück. Das organische Wachstum, bei dem Veränderungen durch Firmenkäufe herausgerechnet werden, lag lediglich bei drei Prozent.

Die Finanzierung der Expansion bringt erhebliche Verpflichtungen mit sich. Ende Juni 2026 lag die Nettoverschuldung bei rund 4,09 Milliarden Dollar. Der Zinsaufwand stieg im zweiten Quartal auf knapp 109 Millionen Dollar, nachdem er ein Jahr zuvor noch etwa 36 Millionen Dollar betragen hatte. Die Verschuldung, die Integration neuer Unternehmen und das vergleichsweise geringe organische Wachstum gehören damit zu den zentralen wirtschaftlichen Herausforderungen des Konzerns.

Auch für Berkshire Hathaway hat die Beteiligung eine besondere Bedeutung. Seit Januar 2026 führt Greg Abel den US-Konzern als Vorstandschef. Warren Buffett gab im September zusätzlich den Vorsitz im Verwaltungsrat ab und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Neuer Vorsitzender ist sein Sohn Howard Buffett. Berkshire ist traditionell in Bereichen wie Versicherungen, Energie, Eisenbahnen und Industrie aktiv, hält aber bereits bedeutende Technologieinvestments. Die Beteiligung an Bending Spoons erweitert dieses Engagement um ein Unternehmen, dessen Wachstum wesentlich auf Übernahmen und der anschließenden Neuorganisation digitaler Geschäftsmodelle beruht.

Mit dem geplanten Anteil von vier Prozent wird Berkshire Hathaway ein bedeutender Minderheitsaktionär, übernimmt aber nicht die Kontrolle über den italienischen Konzern. Für Bending Spoons bedeutet die Vereinbarung zusätzliches Eigenkapital, das nach Abschluss der Transaktion den finanziellen Spielraum für weitere Investitionen vergrößern soll. Welche neuen Unternehmen damit erworben werden, ist noch nicht entschieden. Die Beteiligung zeigt vor allem, dass der unter neuer Führung stehende US-Investmentkonzern bereit ist, erhebliche Mittel in ein auf Übernahmen spezialisiertes europäisches Technologieunternehmen zu investieren.

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