
Eintracht Frankfurt beschäftigt sich mit einem umfassenden Stadionprojekt, das die Heimspielstätte des Bundesligisten langfristig verändern könnte. Vorstandsvorsitzender Axel Hellmann hat bei der Mitgliederversammlung am Montag, 19. Oktober 2026, angekündigt, die Planungen für eine deutlich größere Arena voranzutreiben. Im Gespräch sind Kapazitäten von 70.000 bis zu 80.000 Zuschauerplätzen. Noch ist allerdings offen, ob der bestehende Deutsche Bank Park erweitert oder durch einen Neubau ersetzt werden soll.
Hellmann bezeichnete die Stadionfrage als eines der wichtigsten Zukunftsprojekte des Vereins für das kommende Jahrzehnt. Nach seinen Vorstellungen soll die Eintracht bereits Ende 2026 erste Planungen mit der Stadt Frankfurt besprechen. Eine öffentliche Vorstellung ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Die Stadionpläne von Eintracht Frankfurt befinden sich damit noch in einer frühen Phase, haben aber erstmals einen konkreteren zeitlichen Rahmen erhalten.
Der Deutsche Bank Park verfügt seit August 2026 über eine Kapazität von 60.100 Zuschauern. Damit zählt die Arena bereits zu den größeren Fußballstadien Deutschlands. Die jüngste Erhöhung wurde unter anderem durch Anpassungen auf der Pressetribüne und im Business-Bereich ermöglicht. Zuvor war das Fassungsvermögen schrittweise von 51.500 über 59.500 auf die heutige Größe gestiegen. Ein Stadion mit 80.000 Plätzen würde nahezu 20.000 zusätzlichen Besuchern Raum bieten.
Für Hellmann steht zunächst die grundsätzliche bauliche Lösung im Mittelpunkt. Bei der Mitgliederversammlung brachte er zwei Möglichkeiten ins Gespräch: einen zusätzlichen dritten Zuschauerrang über den bestehenden Tribünen oder einen Neubau. Welche Variante technisch und wirtschaftlich sinnvoll wäre, steht noch nicht fest. Die Kapazitäten von 70.000, 75.000 oder 80.000 Plätzen sind bislang mögliche Größenordnungen und keine beschlossenen Zielwerte.
Neben zusätzlichen Zuschauerplätzen soll insbesondere die Stehplatzkapazität wachsen. Der Vorstandschef machte deutlich, dass Fußballspiele weiterhin den Mittelpunkt der Stadionnutzung bilden sollen. Zugleich sieht er in Konzerten und anderen Großveranstaltungen eine wichtige Funktion der künftigen Arena. Nach Angaben der Bild-Zeitung wartet der Verein derzeit auf Ergebnisse einer beauftragten Machbarkeitsstudie, die bei der Entscheidung zwischen Erweiterung und Neubau helfen soll.
Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung spielt die Stadt Frankfurt am Main. Das Stadion befindet sich nicht im Eigentum der Eintracht Frankfurt Fußball AG, sondern gehört zur städtischen Sportpark Stadion Frankfurt am Main Gesellschaft für Projektentwicklungen mbH. Die Gesellschaft ist Eigentümerin der Anlage und für das technische Gebäudemanagement verantwortlich. Entsprechend kann ein umfassender Umbau oder Neubau nicht allein vom Fußballverein entschieden werden.
Eintracht Frankfurt ist seit dem 1. Juli 2020 Hauptmieter des Deutsche Bank Parks. Der damals geschlossene gewerbliche Mietvertrag wurde auf 15 Jahre angelegt und läuft bis zum 30. Juni 2035. Die Eintracht erhielt weitreichende Nutzungsrechte für das Stadion und das dazugehörige Gelände. Dazu gehören auch die Durchführung weiterer Veranstaltungen und die Vermarktung der Stadionnamensrechte. Im Januar 2026 verlängerten der Klub und die Deutsche Bank ihre Partnerschaft vorzeitig bis 2035 und stimmten damit die Vertragslaufzeit auf den bestehenden Stadionmietvertrag ab.
Das Frankfurter Waldstadion liegt seit seiner ursprünglichen Errichtung 1925 im Stadtwald. Die heutige Arena entstand durch einen weitreichenden Umbau und wurde 2005 eröffnet. Die bisherigen Überlegungen zur Stadionzukunft beziehen sich auf diesen Standort. Ein verbindlicher neuer Bauplatz wurde bislang nicht vorgestellt. Eine aktuelle Entscheidung der Stadt Frankfurt über einen Stadionneubau oder dessen Finanzierung lag zunächst ebenfalls nicht vor. Ebenso waren konkrete Stellungnahmen der Stadtspitze oder politische Beschlüsse zu Hellmanns jüngsten Vorschlägen zunächst nicht bekannt.
Hellmann begründet den frühen Planungsbeginn mit den langen Vorlaufzeiten großer Bauprojekte. Bei der Mitgliederversammlung verwies er darauf, dass moderne Stadien nach seiner Einschätzung üblicherweise einen Lebenszyklus von ungefähr drei Jahrzehnten hätten. Für die 2005 eröffnete Frankfurter Arena leite sich daraus das Jahr 2035 als wichtiger Orientierungspunkt ab.
Als möglichen Zeitraum für die Fertigstellung einer neuen oder umfassend erneuerten Heimspielstätte nannte Hellmann die Jahre 2035 bis 2037. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen verbindlichen Bauzeitenplan. Zunächst sollen die grundlegenden Varianten geprüft und anschließend die technischen, finanziellen und verkehrlichen Voraussetzungen geklärt werden. Ein Termin für den Baubeginn wurde nicht genannt.
Besonders die Verkehrsanbindung könnte zu einer entscheidenden Frage werden. Bereits heute müssen bei ausverkauften Heimspielen mehr als 60.000 Menschen das Stadion erreichen und anschließend wieder verlassen. Eine Erweiterung um nahezu 20.000 Plätze würde entsprechend höhere Anforderungen an den öffentlichen Nahverkehr, die Zufahrten und die Besucherlenkung stellen. Im Umfeld des Stadions wird außerdem eine neue Multifunktionsarena geplant. Die Stadt Frankfurt vergab im Juli 2026 deren Generalplanung an das Architekturbüro Populous. Dieses eigenständige Projekt auf dem Parkplatz P9 ist nicht mit den nun diskutierten Stadionplänen der Eintracht gleichzusetzen.
Konkrete Baukosten für das größere Fußballstadion wurden bislang nicht beziffert. Auch ein Finanzierungskonzept liegt öffentlich noch nicht vor. Hellmann wies bei der Mitgliederversammlung Spekulationen zurück, wonach die Eintracht bei Spielertransfers sparen müsse, um das Stadionprojekt zu ermöglichen. Für beide Bereiche seien unterschiedliche Finanzierungsmittel vorgesehen. Wie die Kosten zwischen Verein, Stadt und möglichen weiteren Partnern verteilt werden könnten, blieb zunächst offen.
Die Stadionankündigung fällt in eine Phase erheblicher Veränderungen in der Führung von Eintracht Frankfurt. Erst am Sonntag, 18. Oktober 2026, hatte der Aufsichtsrat Axel Hellmann mit sofortiger Wirkung zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. Der langjährige Funktionär gehörte dem Vorstand bereits seit 2012 an und war seit 2021 dessen Sprecher. Sein aktueller Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2031.
Gleichzeitig übernahm Hellmann vorübergehend die Aufgaben des bisherigen Sportvorstands Markus Krösche. Dieser hatte um seine sofortige Freistellung gebeten, der der Aufsichtsrat am 18. Oktober zustimmte. Sein ursprünglich bis Juni 2028 laufender Vertrag besteht in angepasster Form fort. Krösche hatte die sportliche Entwicklung der Frankfurter seit 2021 maßgeblich begleitet, darunter den Gewinn der Europa League 2022 und die Teilnahme an der Champions League.
Für die langfristige Besetzung des Sportressorts sucht die Eintracht weiterhin eine Lösung. Nach Informationen des Hessischen Rundfunks und von Sky Sport gilt der frühere Frankfurter Spieler Christoph Spycher als bevorzugter Kandidat. Zugleich werden weitere mögliche Nachfolger genannt. Eine offizielle Ernennung Spychers lag am Dienstag zunächst nicht vor.
Unabhängig von dieser Personalentscheidung soll die langfristige Stadionentwicklung vorangetrieben werden. Der nächste konkrete Schritt ist die für Ende 2026 angekündigte Vorstellung der ersten Pläne bei der Stadt Frankfurt. Erst danach können die Entscheidung zwischen Neubau und Erweiterung, die mögliche Stadiongröße und die Finanzierung genauer bestimmt werden.
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