
Der traditionsreiche Maschinenbauer Vollmer aus Biberach an der Riß in Baden-Württemberg hat am Dienstag, 20. Oktober 2026, beim Amtsgericht Ravensburg einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen strebt eine Sanierung in Eigenverwaltung an. Rund 450 Beschäftigte am Stammsitz wurden am Dienstagmittag über die wirtschaftliche Situation informiert. Nach den bisherigen Angaben der Unternehmensführung soll der Geschäftsbetrieb fortgesetzt werden. Der Insolvenzantrag von Vollmer bedeutet damit nicht, dass die Produktion eingestellt wird oder sämtliche Arbeitsplätze wegfallen. Welche Folgen das Verfahren langfristig für die Belegschaft haben wird, blieb zunächst offen.
Die Maschinenfabrik will ihre wirtschaftlichen Schwierigkeiten mithilfe eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung überwinden. Bei dieser Verfahrensform bleibt die Geschäftsleitung grundsätzlich für den laufenden Betrieb verantwortlich. Anders als bei einer regulären Insolvenz übernimmt damit nicht automatisch ein Insolvenzverwalter die Unternehmensführung. Stattdessen überwacht ein vom Gericht bestellter Sachwalter die Geschäftsführung und achtet auf die Interessen der Gläubiger. Voraussetzung ist, dass das zuständige Insolvenzgericht die beantragte Eigenverwaltung zulässt.
Ein Unternehmenssprecher bestätigte den Insolvenzantrag am Dienstag gegenüber dem Südwestrundfunk. Demnach informierte die Geschäftsführung die Beschäftigten in Biberach bei einer Versammlung über die Entscheidung. Die Unternehmensleitung sieht in dem Verfahren eine Möglichkeit, die wirtschaftliche Neuaufstellung voranzubringen und die Fortführung des Betriebs zu ermöglichen. Damit verfolgt Vollmer zunächst das Ziel einer Sanierung und nicht die unmittelbare Abwicklung des Unternehmens.
Eine gerichtlich bestätigte Bestellung eines vorläufigen Sachwalters lag zunächst nicht vor. Auch eine förmliche Eröffnung des Insolvenzverfahrens war am Dienstag noch nicht bestätigt. Der Insolvenzantrag bildet zunächst den Ausgangspunkt für weitere gerichtliche und betriebswirtschaftliche Entscheidungen. Ob die Sanierung innerhalb der bisherigen Unternehmensstruktur gelingt und welche Maßnahmen dafür erforderlich werden, war zunächst unklar.
Im Mittelpunkt des Insolvenzantrags stehen die rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Hauptsitz in Biberach. Dort befinden sich wesentliche Bereiche der Entwicklung, Fertigung und Verwaltung. Nach Angaben des Unternehmenssprechers beschäftigt Vollmer zusätzlich rund 200 Menschen in internationalen Tochtergesellschaften. Diese Beschäftigten sind von dem aktuellen Insolvenzantrag zunächst nicht betroffen. Damit ist zwischen der Situation der Maschinenfabrik am deutschen Stammsitz und den weiteren Gesellschaften des international tätigen Unternehmens zu unterscheiden.
Für die Beschäftigten in Biberach ist entscheidend, dass der Insolvenzantrag nicht automatisch zur Beendigung ihrer Arbeitsverhältnisse führt. Nach deutschem Insolvenzrecht bestehen Arbeitsverträge grundsätzlich auch während eines Insolvenzverfahrens fort. Für ausstehende Löhne und Gehälter kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit beansprucht werden. Diese Leistung deckt grundsätzlich ausgefallenes Arbeitsentgelt für die letzten drei Monate vor dem maßgeblichen Insolvenzereignis ab. Ob und in welcher Form eine solche Absicherung bei Vollmer organisiert wird, war zunächst nicht bekannt.
Bereits vor dem aktuellen Insolvenzantrag hatte das Unternehmen Personal abgebaut. Im November 2025 kündigte Vollmer an, rund 70 der damals etwa 580 Stellen am Stammsitz streichen zu wollen. Das entsprach knapp 15 Prozent der damaligen Belegschaft. Die Maßnahme sollte nach Unternehmensangaben die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Nach den jüngsten Informationen waren Anfang 2026 bereits rund 70 Stellen weggefallen. Ob im Zuge der nun angestrebten Sanierung weitere Arbeitsplätze abgebaut werden müssen, war am Dienstag noch offen. Konkrete zusätzliche Kündigungen wurden im Zusammenhang mit dem Insolvenzantrag zunächst nicht bestätigt.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens hatten sich bereits vor dem Insolvenzantrag abgezeichnet. Nach Angaben eines Firmensprechers gingen die Bestellungen für Maschinen zur Holz- und Metallverarbeitung zurück. Gleichzeitig erschwerten Veränderungen im internationalen Marktumfeld das Geschäft. Schon bei der Ankündigung des Stellenabbaus im November 2025 hatte Vollmer auf die schwächere Nachfrage und schwierigere Bedingungen im Welthandel verwiesen. Damals nannte das Unternehmen unter anderem die Auswirkungen der US-Zollpolitik als Belastungsfaktor.
Vollmer gehört zu den traditionsreichen Spezialmaschinenbauern Deutschlands. Das Unternehmen wurde 1909 gegründet und entwickelt Anlagen zum Schleifen, Erodieren und zur weiteren Bearbeitung von Schneidwerkzeugen. Zum Einsatz kommen die Maschinen beispielsweise bei der Herstellung und Bearbeitung von Kreissägen, rotierenden Werkzeugen und metallverarbeitenden Werkzeugen. Kunden sind unter anderem Werkzeughersteller, Schärfdienste und industrielle Fertigungsbetriebe. Neben seinem Stammsitz in Biberach ist Vollmer international tätig und verfügt über Produktionsstandorte sowie Vertriebs- und Servicegesellschaften in verschiedenen Ländern.
Die Schwierigkeiten des Unternehmens treffen auf eine weiterhin uneinheitliche Entwicklung im deutschen Maschinenbau. Nach Angaben des Branchenverbandes VDMA gingen die Auftragseingänge im August 2026 im Vergleich zum Vorjahresmonat preisbereinigt um fünf Prozent zurück. Bei den Inlandsbestellungen lag das Minus bei zwei Prozent, bei den Auslandsaufträgen bei sechs Prozent. Über die ersten acht Monate des Jahres verzeichnete die Branche allerdings insgesamt ein reales Auftragsplus von vier Prozent. Die Entwicklung zeigt, dass die Nachfrage je nach Zeitraum und Absatzmarkt unterschiedlich ausfällt. Für Vollmer kommen zu diesen allgemeinen Marktbedingungen die eigenen wirtschaftlichen Herausforderungen hinzu.
Mit dem Insolvenzantrag versucht die Unternehmensführung nun, eine Grundlage für den weiteren Geschäftsbetrieb zu schaffen. Dabei wird es insbesondere auf die Finanzierung, die Auftragslage und ein tragfähiges Sanierungskonzept ankommen. Offen blieb zunächst, ob zusätzliche strukturelle Veränderungen notwendig werden und wie sich diese auf den Produktionsstandort Biberach auswirken könnten. Für die rund 450 Beschäftigten ist die angekündigte Fortführung des Betriebs zunächst das zentrale Signal. Eine langfristige Sicherung sämtlicher Arbeitsplätze ist damit allerdings noch nicht verbunden.
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