Ehrenamt im Münsterland: Viele helfen, doch der Nachwuchs wird zum Problem

Ehrenamt im Münsterland: Viele helfen, Nachwuchs fehlt
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Münsterland. Ob bei der Feuerwehr, im Sportverein oder in der Nachbarschaftshilfe: Ehrenamtliche übernehmen in Münster und dem Münsterland zahlreiche Aufgaben. Wie groß die Bereitschaft zum freiwilligen Engagement ist, zeigt der EhrenamtAtlas NRW 2026. In Münster engagieren sich demnach 65 Prozent der Erwachsenen, im Kreis Coesfeld sind es 64 Prozent. Auch die übrigen Münsterland-Kreise liegen über dem Landesdurchschnitt. Gleichzeitig macht die Untersuchung Probleme sichtbar: Die Beteiligung junger Menschen geht zurück, während fehlendes Personal, finanzielle Engpässe und Bürokratie viele Organisationen belasten.

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Münsterland liegt beim Ehrenamt über dem NRW-Durchschnitt

In Nordrhein-Westfalen engagieren sich laut EhrenamtAtlas 2026 insgesamt 53 Prozent der deutschsprachigen Erwachsenen freiwillig. Im Münsterland fällt die Beteiligung deutlich höher aus. Besonders Münster liegt mit 65 Prozent weit über dem Landesdurchschnitt. Der Kreis Coesfeld erreicht 64 Prozent, gefolgt von Steinfurt mit 58 Prozent, Borken mit 57 Prozent und Warendorf mit 56 Prozent. Damit liegen sämtliche vier Münsterland-Kreise und die Stadt Münster über dem landesweiten Wert.

Im Vergleich zur vorherigen Untersuchung von 2024 zeigen sich allerdings unterschiedliche Entwicklungen. Während die ermittelte Ehrenamtsquote in Münster von 52 auf 65 Prozent stieg, ging sie im Kreis Steinfurt von 66 auf 58 Prozent zurück. Solche Veränderungen müssen bei repräsentativen Befragungen vorsichtig interpretiert werden, da auch statistische Schwankungen eine Rolle spielen können.

Grundlage der am 26. August 2026 vorgestellten Untersuchung ist eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag von WestLotto. Zwischen Januar und Februar wurden 10.683 Erwachsene befragt, darunter mindestens 200 Personen aus jedem der 53 Kreise und kreisfreien Städte Nordrhein-Westfalens. Wissenschaftlich begleitet wurde die Studie von Prof. Dr. Andrea Walter von der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW.

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Ehrenamtliche leisten jährlich Arbeit im Milliardenwert

Die Untersuchung zeigt auch, wie viel Zeit freiwillig Engagierte investieren. Landesweit kommen sie durchschnittlich auf 224 Stunden jährlich. Zwei Jahre zuvor waren es noch 208 Stunden. Im Kreis Steinfurt liegt der Wert mit 250 Stunden deutlich darüber, im Kreis Coesfeld sind es 239 Stunden.

Der rechnerische wirtschaftliche Gegenwert dieser Arbeit ist beträchtlich. Für Nordrhein-Westfalen beziffert der EhrenamtAtlas ihn auf rund 24,5 Milliarden Euro jährlich. Allein im Kreis Steinfurt ergibt sich ein Wert von etwa 746,7 Millionen Euro, im Kreis Coesfeld sind es rund 399,6 Millionen Euro.

Für die Berechnung wurden die ehrenamtlich geleisteten Stunden mit dem gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro bewertet. Es handelt sich somit nicht um tatsächlich erwirtschaftete Umsätze oder direkte Einsparungen öffentlicher Haushalte, sondern um eine Schätzung des finanziellen Gegenwerts unbezahlter Arbeit.

Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die Kinder und Jugendliche trainieren, ältere Menschen begleiten, Veranstaltungen organisieren oder Verantwortung im Rettungswesen übernehmen. Andere engagieren sich in der Kultur, im Umweltschutz oder bei sozialen Einrichtungen. Landesweit ist Sport und Bewegung mit 23 Prozent der am häufigsten genannte Engagementbereich. Es folgen Religion und Kirche mit 19 Prozent sowie Nachbarschaft und Kultur mit jeweils 18 Prozent.

Junge Menschen wollen helfen, engagieren sich aber seltener

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei jungen Erwachsenen. Unter den 18- bis 29-Jährigen liegt die Engagementquote in Nordrhein-Westfalen inzwischen bei 46 Prozent. Im Jahr 2024 waren es noch 58 Prozent. Innerhalb von zwei Jahren ist der gemessene Anteil damit um zwölf Prozentpunkte gesunken.

An mangelndem Interesse allein scheint das nicht zu liegen. Von den bislang nicht engagierten jungen Erwachsenen können sich 87 Prozent grundsätzlich vorstellen, künftig eine freiwillige Aufgabe zu übernehmen. Die tatsächliche Beteiligung bleibt damit deutlich hinter der Bereitschaft zurück. Zeitliche Verpflichtungen durch Ausbildung, Studium oder Beruf können ein Hindernis darstellen.

Für Vereine und Organisationen wird deshalb die Frage wichtiger, wie sich ehrenamtliche Aufgaben flexibler gestalten lassen. Ein Beispiel liefert die FreiwilligenAgentur Münster mit ihrem Projekt „TagWerk“. Hier können sich Interessierte zeitlich begrenzt engagieren, etwa bei Veranstaltungen, Ausflügen sozialer Einrichtungen oder Aktionen im Naturschutz. Eine langfristige Verpflichtung ist dafür nicht notwendig.

Bürokratie und fehlendes Personal belasten viele Vereine

Neben der Nachwuchsgewinnung beschäftigen Ehrenamtliche weitere Schwierigkeiten. Laut EhrenamtAtlas empfinden 64 Prozent zu wenige Mitstreiter oder deren begrenzte Zeit als Problem. Finanzielle Engpässe nennen 52 Prozent, während 48 Prozent bürokratische Anforderungen als Belastung sehen.

Besonders aufwendig erscheint vielen die Beantragung von Fördermitteln. Von den Befragten, die sich bereits selbst mit entsprechenden Anträgen beschäftigt haben, bewerten 73 Prozent komplizierte oder umfangreiche Verfahren als Herausforderung. Weitere 60 Prozent nennen schwer verständliche Nachweispflichten.

Auch bei der gesellschaftlichen Anerkennung sehen viele Verbesserungsbedarf. Insgesamt 46 Prozent der Engagierten fühlen sich von der Gesellschaft wenig oder gar nicht wertgeschätzt. Gegenüber der Politik fällt die Einschätzung noch kritischer aus: 70 Prozent berichten von geringer oder fehlender Wertschätzung.

Damit geht es nicht nur darum, neue Menschen für freiwillige Aufgaben zu gewinnen. Viele bereits Aktive wünschen sich bessere Bedingungen, weniger organisatorischen Aufwand und mehr Möglichkeiten, ihre Arbeit mitzugestalten.

Neue Fördermöglichkeiten und Ehrenamtskarte in NRW

Nordrhein-Westfalen unterstützt freiwilliges Engagement mit verschiedenen Programmen. Seit dem 1. September 2026 können gemeinnützige Organisationen über die neue Bingo! Ehrenamtsstiftung NRW Fördermittel für geeignete Projekte beantragen. Möglich sind Zuschüsse zwischen 1.000 und 5.000 Euro. Unterstützt werden zeitlich begrenzte Vorhaben unter anderem aus den Bereichen Sport, Kultur, Bildung, Integration, Umwelt und Soziales. Die Projekte dürfen bei Antragstellung noch nicht begonnen haben.

Auch die Voraussetzungen für die Ehrenamtskarte NRW wurden 2026 erleichtert. Statt zuvor mindestens 250 Stunden jährlich sind grundsätzlich 200 Stunden beziehungsweise vier Stunden pro Woche ehrenamtlicher Tätigkeit erforderlich. Mit der Karte erhalten Engagierte Vergünstigungen bei teilnehmenden Einrichtungen und Unternehmen.

In Münster müssen Antragsteller ihre ehrenamtliche Tätigkeit bereits seit mindestens einem Jahr ausüben. Aufwandsentschädigungen sind innerhalb der geltenden steuerlichen Freibeträge möglich. Die Karte ist drei Jahre gültig und kann auch digital beantragt werden. Weitere Informationen zu Förderprogrammen und Anerkennungsangeboten bietet das Landesportal www.engagiert-in-nrw.de.

Wo Interessierte im Münsterland ein Ehrenamt finden

Wer selbst aktiv werden möchte, kann sich in Münster an die FreiwilligenAgentur wenden. Sie vermittelt zwischen Interessierten und gemeinnützigen Organisationen, bietet Beratung an und betreibt eine Datenbank mit unterschiedlichen Engagementmöglichkeiten. Die Angebote reichen von sozialen Tätigkeiten über Kultur und Sport bis zum Umwelt- und Naturschutz.

Die FreiwilligenAgentur befindet sich im Gesundheitshaus an der Gasselstiege 13. Beratungstermine können unter 0251 492-5970 oder per E-Mail an [email protected] vereinbart werden. Weitere Informationen gibt es unter www.freiwilligenagentur-muenster.de.

Auch in den umliegenden Kreisen gibt es Anlaufstellen. Im Kreis Coesfeld können Vereine ihre Angebote über die Ehrenamtsplattform der Kreisverwaltung veröffentlichen. Interessierte können dort nach passenden Tätigkeiten suchen. Im Kreis Borken vernetzt das Netzwerk „Freiwillig Engagiert“ mehr als 30 Vereine, Verbände und Einrichtungen, darunter verschiedene örtliche Freiwilligenagenturen.

Die aktuellen Studienergebnisse zeigen, dass das Ehrenamt im Münsterland weiterhin fest verankert ist. Zugleich hängt seine Zukunft davon ab, ob sich freiwillige Aufgaben auch für kommende Generationen attraktiv und praktikabel gestalten lassen. Die Bereitschaft zu helfen ist vielfach vorhanden. Entscheidend wird sein, Menschen den Zugang zu erleichtern und bestehende Ehrenamtliche bei ihrer Arbeit besser zu unterstützen.

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