Streit um Bahnbrücke in Sudmühle: NABU sieht Boniburger Wald in Gefahr

Streit um die Bahnbrücke am Boniburger Wald: Der NABU warnt vor erheblichen Folgen für Kiebitze, Fledermäuse und andere geschützte Tiere.
So stellt sich die Deutsche Bahn die geplante Straßenüberführung in Münster-Sudmühle vor. Der NABU warnt vor erheblichen Eingriffen in den Boniburger Wald und die Lebensräume geschützter Tierarten. Visualisierung: Vössing Ingenieurgesellschaft mbH/DB InfraGO AG.

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Münster. Die geplante Bahnbrücke am Boniburger Wald in Münster-Sudmühle sorgt für Widerstand von Naturschützern. Der NABU Münster kritisiert die Pläne der Deutschen Bahn und warnt vor erheblichen Eingriffen in die Lebensräume geschützter Tierarten. Besonders betroffen seien Kiebitze, Fledermäuse und Amphibien. In einer neunseitigen Stellungnahme bemängelt der Verband die Artenschutzuntersuchungen und die vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen.

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NABU warnt vor Verlust wichtiger Kiebitz-Brutplätze

Im Mittelpunkt der Kritik steht die geplante Straßenüberführung, die zwei bestehende Bahnübergänge in Sudmühle und Mariendorf ersetzen soll. Nach Einschätzung des NABU würde die neue Verkehrsführung erhebliche Eingriffe in den Boniburger Wald und angrenzende Lebensräume verursachen. Der Verband hält die Beeinträchtigungen für vermeidbar und fordert eine Überarbeitung der Planung.

Besonders kritisch bewertet der NABU die Auswirkungen auf eine rund 4,4 Hektar große Kiebitzfläche, die gemeinsam mit der Stadt Münster gezielt als Lebensraum für die gefährdete Vogelart hergerichtet wurde. Nach Angaben des Verbandes wurden dort 2026 sieben bis acht Brutpaare und 14 Jungvögel gezählt. Die vorgesehene Ersatzfläche von etwa drei Hektar sei zu klein und aufgrund ihrer geplanten Bewirtschaftung nicht ausreichend geeignet. Auch zusätzliche Aufforstungen in unmittelbarer Nähe könnten die Brutbedingungen verschlechtern.

Geschützte Fledermäuse im Boniburger Wald gefährdet

Erhebliche Bedenken bestehen nach Darstellung des NABU auch beim Schutz der Fledermäuse. Laut Stellungnahme könnten zwölf Bäume mit potenziellen Fledermausquartieren unmittelbar von den Bauarbeiten betroffen sein. Der Verband kritisiert, dass die bisherigen Untersuchungen nicht ausreichten, um die Folgen für einzelne Arten zuverlässig einzuschätzen.

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Besonders besorgt zeigen sich die Naturschützer wegen der Mopsfledermaus, die in Nordrhein-Westfalen als vom Aussterben bedroht gilt. Die Art sei im Untersuchungsgebiet mehrfach akustisch nachgewiesen worden, teilweise mit bis zu 40 Rufaufzeichnungen pro Nacht. Auch beim Braunen Langohr befürchtet der NABU den Verlust wichtiger Lebensräume. Vorgesehene Fledermauskästen seien dafür kein ausreichender Ausgleich. Zusätzlich fordert der Verband weitere Untersuchungen zu möglichen Laubfroschvorkommen im Bereich der Sudmühlenstraße.

Stadt Münster wollte ursprünglich eine andere Lösung

Der Streit um die Bahnbrücke am Boniburger Wald hat eine längere Vorgeschichte. Ursprünglich bevorzugte die Stadt Münster eine Straßenunterführung sowie eine separate Verbindung für Fußgänger und Radfahrer. Die Deutsche Bahn setzte dagegen auf eine aus ihrer Sicht wirtschaftlichere Straßenbrücke.

Im November 2023 lehnte der zuständige Verkehrsausschuss die Übernahme von rund 3,3 Millionen Euro anteiliger Planungskosten für die städtische Variante ab. Anschließend verfolgte die Bahn ihre eigene Planung weiter. Ob die ursprünglich favorisierte Unterführung geringere Eingriffe in den Boniburger Wald verursacht hätte, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Entscheidung über Bahnprojekt in Sudmühle noch offen

Mit dem Bauprojekt will die Deutsche Bahn das bestehende Überholgleis von rund 720 auf 740 Meter verlängern. Dadurch sollen längere Güterzüge von schnelleren Personenzügen überholt werden können. Gleichzeitig sollen zwei technisch veraltete Bahnübergänge entfallen.

Ein Planfeststellungsbeschluss liegt bislang nicht vor. Ob die Einwände des NABU zu Änderungen an der Planung führen, bleibt damit offen. Auch ein verbindlicher Baubeginn steht noch nicht fest. Eine konkrete Reaktion der Deutschen Bahn auf die neue NABU-Kritik ist aus den bislang vorliegenden Unterlagen nicht ersichtlich.

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