
Der Stahlkonzern Salzgitter blickt nach einer deutlichen Ergebnisverbesserung optimistischer auf das laufende Geschäftsjahr. Das Unternehmen hat seine Gewinnprognose für 2026 erneut angehoben und erwartet inzwischen ein bereinigtes Vorsteuerergebnis von bis zu 475 Millionen Euro. Auch an der Börse verzeichnete die Salzgitter-Aktie am Montag, 2. November, deutliche Kursgewinne. Hinter der besseren Entwicklung stehen neben Fortschritten im Stahlgeschäft insbesondere hohe Erträge aus einer Unternehmensbeteiligung.
Mit der am 28. Oktober veröffentlichten Prognoseanhebung hat die Salzgitter AG ihre Gewinnerwartungen bereits zum dritten Mal in diesem Jahr nach oben korrigiert. Für 2026 rechnet das Unternehmen jetzt mit einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA VX) zwischen 800 und 875 Millionen Euro. Bisher hatte die Erwartung zwischen 725 und 825 Millionen Euro gelegen.
Auch die Prognose für das bereinigte Vorsteuerergebnis wurde erhöht. Salzgitter erwartet nun 400 bis 475 Millionen Euro, nachdem zuvor 325 bis 425 Millionen Euro angesetzt worden waren. Beide Grenzen der Ergebnisspanne steigen damit um jeweils 75 Millionen Euro. Unverändert bleibt die Umsatzerwartung von rund zehn Milliarden Euro.
Grundlage der angehobenen Prognose sind die vorläufigen Geschäftszahlen für die ersten neun Monate. Der Konzernumsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 6,9 auf 7,3 Milliarden Euro. Das EBITDA VX erreichte 659 Millionen Euro, während Salzgitter für den entsprechenden Vorjahreszeitraum ein EBITDA von 224 Millionen Euro ausgewiesen hatte.
Beim bereinigten Ergebnis vor Steuern standen nach neun Monaten 353 Millionen Euro zu Buche. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen unbereinigten Vorsteuerverlust von 72,7 Millionen Euro ausgewiesen. Seit 2026 nutzt Salzgitter bereinigte Ergebniskennzahlen, bei denen Bewertungseffekte einer Umtauschanleihe herausgerechnet werden. Die Vorjahreswerte sind deshalb nur eingeschränkt direkt vergleichbar.
Ein wesentlicher Teil der Ergebnisverbesserung geht auf die Beteiligung am Hamburger Kupferproduzenten Aurubis zurück. Deren Ergebnisbeitrag stieg in den ersten neun Monaten von 83,5 auf 252 Millionen Euro. Gleichzeitig entwickelten sich nach Unternehmensangaben die Geschäftsbereiche Stahlerzeugung und Handel besser als zuletzt erwartet.
Auch die Börse reagierte mit Kursgewinnen. Die Salzgitter-Aktie lag am Montagvormittag zeitweise deutlich im Plus. Um 10:26:36 Uhr wurde auf der Börsenseite der Tagesschau ein Kurs von 49,34 Euro ausgewiesen. Das entsprach einem Anstieg von 4,76 Prozent gegenüber dem vorherigen Schlusskurs von 47,10 Euro. Damit näherte sich das Papier wieder der Marke von 50 Euro.
Der Kursanstieg folgte auf bewegte Handelstage nach Bekanntgabe der neuen Prognose. Die verbesserte Ertragslage liefert dem Unternehmen eine günstigere Ausgangsbasis. Allerdings hängen die künftigen Ergebnisse weiterhin von der Nachfrage nach Stahl, der Preisentwicklung und den Beiträgen anderer Konzerngesellschaften ab.
Die positive Entwicklung bei Salzgitter steht im Gegensatz zur weiterhin schwierigen Situation vieler europäischer Stahlhersteller. Die Branche kämpft mit hohen Energiekosten, schwacher Nachfrage wichtiger Industriekunden und internationalem Wettbewerbsdruck.
Nach einer im Juni veröffentlichten Prognose des europäischen Stahlverbandes Eurofer dürfte der rechnerische Stahlverbrauch in der Europäischen Union 2026 lediglich um 0,4 Prozent wachsen. Besonders die Automobilindustrie bleibt als wichtiger Stahlabnehmer unter Druck.
Gleichzeitig haben sich die handelspolitischen Rahmenbedingungen verändert. Seit dem 1. Juli 2026 gelten in der EU neue Schutzmaßnahmen für den Stahlmarkt. Die jährliche zollfreie Importmenge ist auf rund 18,3 Millionen Tonnen begrenzt. Für Einfuhren außerhalb der vorgesehenen Quoten wird ein Zoll von 50 Prozent erhoben. Damit soll die europäische Stahlindustrie vor den Auswirkungen weltweiter Überkapazitäten geschützt werden.
Im Oktober meldete Eurofer erste Anzeichen einer Erholung. Nach Verbandsangaben wurden 2026 europaweit Produktionskapazitäten von rund zehn Millionen Tonnen Rohstahl wieder in Betrieb genommen. Trotz dieser Entwicklung bleiben die langfristigen wirtschaftlichen Aussichten der Branche von Unsicherheit geprägt.
Für die weitere Geschäftsentwicklung spielt außerdem die vollständige Übernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) eine wichtige Rolle. Salzgitter hatte im Juli die vollständige Kontrolle über das Unternehmen übernommen.
Durch die Einbeziehung von HKM erwartet der Konzern für 2026 zusätzliche Ergebnisbeiträge im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Auch der Umsatz soll dadurch um einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag steigen. Diese Effekte sind bereits in der aktuellen Jahresprognose enthalten.
Damit beruht die höhere Gewinnerwartung auf mehreren Faktoren: einer verbesserten Geschäftsentwicklung einzelner Sparten, hohen Beteiligungserträgen und Veränderungen im Konzernverbund. Wie sich die einzelnen Bereiche im dritten Quartal entwickelt haben, wird der vollständige Zwischenbericht zeigen. Die Veröffentlichung ist für den 12. November 2026 vorgesehen.
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