Deutschlands erster Ehrenort eröffnet in Münster an bekannter Adresse

Deutschlands erster Ehrenort eröffnet in Münster. Was das Café im früheren Schoppenstecher bietet und welche Rolle ein Netflix-Film dabei spielt.
Symbolbild mit KI erstellt

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Münster. Wo früher der Schoppenstecher und zuletzt die mono Trink- & Essbar zu Hause waren, entsteht ein Treffpunkt mit einem neuen Konzept. An der Hörsterstraße 18 wird am Dienstagabend Deutschlands erster Ehrenort offiziell eröffnet. Das Projekt verbindet ein Café ohne Konsumzwang mit Veranstaltungen und der Vermittlung von ehrenamtlichem Engagement. Hinter der Idee stehen zwei junge Gründer, von denen einer bereits durch eine Seenotrettungsinitiative bekannt wurde. Deren Geschichte wurde inzwischen für Netflix verfilmt.

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Die Hörsterstraße 18 ist vielen Münsteranern seit Jahrzehnten als Gastronomiestandort bekannt. Nun beginnt in den Räumen im Martiniviertel ein neues Kapitel. Am Dienstag, 3. November 2026, um 18 Uhr wird dort Deutschlands erster sogenannter Ehrenort offiziell eröffnet. Das Konzept verbindet Café, Begegnungsstätte und Anlaufstelle für freiwilliges Engagement. Angesprochen werden vor allem junge Menschen zwischen 16 und 30 Jahren. Willkommen sind aber ausdrücklich auch ältere Besucher. Der Cafébetrieb läuft bereits seit dem 19. Oktober. Mit der offiziellen Eröffnung soll nun auch die persönliche Beratung rund um ehrenamtliche Tätigkeiten beginnen.

Vom Schoppenstecher zum Ehrenort an der Hörsterstraße

Der neue Treffpunkt befindet sich an einer Adresse mit langer gastronomischer Vergangenheit. Zuletzt war an der Hörsterstraße 18 die mono Trink- & Essbar untergebracht, die zeitweise auch unter dem Namen Fishkopp Bar by mono auftrat. Davor befand sich dort das traditionsreiche Weinlokal Schoppenstecher, das Peter Wolfrom fast vier Jahrzehnte lang führte. Seit 2021 konzentriert sich der Gastronom auf seine Weinbar im Mauritzviertel.

Die Geschichte der Räumlichkeiten reicht allerdings noch weiter zurück. Bereits Ende der 1970er-Jahre gab es an der Hörsterstraße das Restaurant Monokel. Der spätere Kristall-Wirt Wolfgang Risch erinnerte sich 2021 in der Stadtteilzeitung „Der Kreuzvierteler“ daran, dort zu Beginn seiner Münsteraner Zeit gekocht zu haben.

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Damit erhält ein Standort, an dem über Jahrzehnte Menschen zum Essen, Trinken und Zusammensein zusammenkamen, erneut eine gastronomische Nutzung. Der neue Ehrenort soll allerdings mehr bieten als einen gewöhnlichen Café- oder Kneipenbesuch.

Ein Café, in dem niemand ständig etwas bestellen muss

Die Verantwortlichen beschreiben den Ehrenort in Münster als sogenannten Social Club. Gemeint ist ein offener Treffpunkt, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen, neue Kontakte knüpfen und gemeinsame Aktivitäten entwickeln können. Eine Mitgliedschaft ist dafür ebenso wenig erforderlich wie die Verpflichtung, sich regelmäßig ehrenamtlich zu engagieren.

Eine Besonderheit ist der bewusst niedrig gehaltene Konsumdruck. Besucher sollen sich auch längere Zeit in den Räumen aufhalten können, ohne fortlaufend Getränke oder Speisen bestellen zu müssen. Die Preise sollen dabei möglichst erschwinglich bleiben.

In einem Ende Oktober veröffentlichten Interview mit dem Stadtmagazin „Münster entdecken“ nannte das Gründerteam einen Tee für zwei Euro und Kaiserschmarrn für sechs Euro als Beispiele. Die Preisangaben stammen vom 21. Oktober 2026. Wer mehr bezahlen könne und wolle, dürfe das Angebot freiwillig stärker unterstützen. Auch Menschen mit wenig Geld sollten sich einen Aufenthalt leisten können.

Finanziert werden soll der Betrieb nach Angaben der Verantwortlichen über die Gastronomie, Raumvermietungen, Fördermittel und Sponsoring. Welche Einnahmen langfristig notwendig sein werden, um das Konzept dauerhaft zu tragen, bleibt zunächst abzuwarten.

Ehrenort in Münster soll junge Menschen für Engagement gewinnen

Neben dem Cafébetrieb bildet die Vermittlung ehrenamtlicher Tätigkeiten einen zentralen Bestandteil des Projekts. Interessierte sollen sich unkompliziert darüber informieren können, wo in Münster Unterstützung gebraucht wird und welche Möglichkeiten zu den eigenen Interessen passen.

Dafür arbeitet das Team mit der FreiwilligenAgentur Münster zusammen. Die persönlichen Beratungen sollen mit der offiziellen Eröffnung am Dienstag beginnen. Darüber hinaus sind Workshops, Konzerte, Kennenlernveranstaltungen und weitere Gemeinschaftsangebote geplant. Das regelmäßige Veranstaltungsprogramm soll im Laufe des Novembers anlaufen.

Nach Angaben der Betreiber sollen die Veranstaltungen und Beratungen kostenlos und ohne Anmeldung zugänglich sein. Auch wer allein vorbeikomme und noch niemanden kenne, solle die Möglichkeit bekommen, Kontakte zu knüpfen. Bei einzelnen Veranstaltungsformaten sei beispielsweise vorgesehen, Teilnehmer bewusst in neue Gruppen zusammenzubringen.

Hinter dem Vorhaben steht die gemeinnützige Youth Matters gUG. Zu den Initiatoren gehören Jakob Schoen und Frieda Kremp. Gemeinsam wollen sie einen Ort schaffen, an dem junge Menschen nicht erst Mitglied in einem Verein werden müssen, um Gemeinschaft zu erleben oder sich gesellschaftlich einzubringen.

Warum ausgerechnet Münster zum ersten Standort wurde

Dass der bundesweit erste Ehrenort in Münster entstanden ist, war nach Angaben des Gründerteams keine von Anfang an feststehende Entscheidung. Die Verantwortlichen hatten sich zunächst auch in anderen Städten nach geeigneten Möglichkeiten umgesehen.

In Münster hätten sie schließlich besonders viel Unterstützung für ihre Idee gefunden. Ausschlaggebend seien die große Zahl junger Menschen, eine aktive Ehrenamtsszene und zugleich der Bedarf an bezahlbaren Treffpunkten gewesen.

Unterstützung beim Aufbau kam unter anderem aus dem Umfeld der Stadt Münster, der Kommunalen Stiftungen Münster und der FreiwilligenAgentur. Auch zahlreiche freiwillige Helfer beteiligten sich an der Renovierung der Räume.

Wie das Gründerteam gegenüber „Münster entdecken“ berichtete, waren viele dieser Helfer über TikTok auf das Projekt aufmerksam geworden. Zwei Auszubildende und ein Tischler setzten beispielsweise den neuen Holztresen um. Das gemeinschaftliche Engagement begann damit bereits während der Umbauarbeiten.

Jakob Schoen und die Geschichte hinter dem Netflix-Film

Einer der Initiatoren ist durch ein anderes Projekt bereits überregional bekannt geworden. Jakob Schoen gehörte zu den Gründern der Seenotrettungsinitiative Jugend Rettet, die ab 2015 mit Spenden ein eigenes Rettungsschiff organisierte. Die Iuventa war anschließend im Mittelmeer im Einsatz. Nach Angaben der Initiative war ihre Besatzung an der Rettung von mehr als 23.000 Menschen beteiligt.

Diese Geschichte bildet die Grundlage des Films „23 000 Leben“ von Regisseur Markus Goller. Das Drama erzählt von jungen Menschen, die eine private Seenotrettungsinitiative aufbauen und dabei zunehmend mit politischen und rechtlichen Konflikten konfrontiert werden. In der Hauptrolle ist Louis Hofmann zu sehen. Nach dem Kinostart am 2. Juli 2026 wurde der Film am 17. Juli bei Netflix veröffentlicht.

Die zentrale Filmfigur Lukas ist allerdings keine direkte Darstellung von Jakob Schoen. Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg erklärte gegenüber SWR Kultur, dass mehrere reale Beteiligte für die Handlung in einer fiktiven Hauptfigur zusammengeführt worden seien.

Die Verbindung zwischen der Seenotrettungsinitiative und dem neuen Projekt in Münster besteht vor allem in der Erfahrung, junge Menschen für gemeinschaftliches Handeln zu gewinnen. Die Idee der Ehrenorte entstand bereits vor der Veröffentlichung des Films. Der Netflix-Start war somit nicht der Ausgangspunkt des Konzepts.

Weitere Ehrenorte in Deutschland sind geplant

Der Standort in Münster ist als Pilotprojekt angelegt. Langfristig soll das Konzept auch auf andere Städte übertragen werden. Nach einem Bericht von Antenne Münster verfolgen die Verantwortlichen das Ziel, bis 2030 Ehrenorte in insgesamt vier Städten aufzubauen.

Bereits im Sommer hatte der WDR mögliche weitere Standorte genannt, darunter Magdeburg, Halle, Kiel und Konstanz. Verbindliche Eröffnungstermine oder endgültige Entscheidungen über diese Städte sind bislang allerdings nicht öffentlich bestätigt.

Zunächst steht deshalb der Betrieb an der Hörsterstraße im Mittelpunkt. Dort soll sich zeigen, ob sich ein offenes Café, kostenlose Beratungsangebote und ein regelmäßiges Gemeinschaftsprogramm langfristig miteinander verbinden lassen.

Wann der neue Ehrenort in Münster geöffnet ist

Der Ehrenort befindet sich an der Hörsterstraße 18 in der Innenstadt. Regulär ist das Café nach Angaben der Betreiber mittwochs bis sonntags geöffnet, montags und dienstags bleibt es normalerweise geschlossen. Die offizielle Eröffnungsfeier an diesem Dienstag um 18 Uhr ist ein Sondertermin.

Eine mobile Rampe soll Menschen mit eingeschränkter Mobilität den Zugang erleichtern. Weitere Veranstaltungen werden über die Internetseite und die Social-Media-Kanäle des Projekts angekündigt.

Mit dem Ehrenort erhält die traditionsreiche Gastronomieadresse im Martiniviertel damit eine neue Funktion. Wo früher das Monokel, der Schoppenstecher und zuletzt die mono Trink- & Essbar ihre Gäste empfingen, soll künftig nicht nur gegessen und getrunken werden. Die Verantwortlichen wollen dort einen Ort etablieren, an dem aus Begegnungen neue Kontakte und möglicherweise auch ehrenamtliche Projekte entstehen.

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