
Volkswagen steht wirtschaftlich unter erheblichem Druck und plant weitreichende Einsparungen. Gleichzeitig soll der Konzern die Anforderungen für einen Teil der erfolgsabhängigen Managervergütung deutlich reduziert haben. Nach Informationen des SPIEGEL reicht für die vollständige Zielerreichung bei einer Bonuskennzahl im Jahr 2026 offenbar bereits eine operative Umsatzrendite von 3,8 Prozent. Im vergangenen Jahr waren dafür noch 5,8 Prozent erforderlich. Die Manager-Boni bei Volkswagen geraten damit in den Mittelpunkt einer Diskussion über die Vergütung von Führungskräften während des laufenden Sparkurses.
Wie der SPIEGEL am Montag, 2. November 2026, unter Berufung auf interne Konzernunterlagen berichtete, hat Volkswagen die Renditevorgaben für die variable Vergütung des Managements verändert. Demnach soll eine operative Umsatzrendite von 3,8 Prozent inzwischen ausreichen, um bei dieser Kennzahl eine Zielerreichung von 100 Prozent zu erzielen. Bei 5,8 Prozent sollen bereits 175 Prozent und damit der höchste Zielerreichungsgrad dieser Komponente möglich sein.
Die bisherigen Werte sind im offiziellen Vergütungsbericht des Volkswagen-Konzerns dokumentiert. Für das Geschäftsjahr 2025 hatte der Aufsichtsrat eine operative Umsatzrendite von 5,8 Prozent als Zielwert festgelegt. Bei 3,8 Prozent waren lediglich 50 Prozent Zielerreichung vorgesehen. Der Maximalwert von 175 Prozent wurde erst bei einer Rendite von 8,8 Prozent erreicht.
Tatsächlich erzielte Volkswagen 2025 eine operative Umsatzrendite von 2,8 Prozent. Für diese Kennzahl ergab sich deshalb nach dem Vergütungsbericht eine Zielerreichung von null Prozent.
Die für 2026 gemeldeten neuen Vorgaben sind bislang nicht durch einen öffentlich vorliegenden Vergütungsbericht bestätigt. Ein Sprecher des Volkswagen-Aufsichtsrats wollte die Änderungen auf Anfrage des SPIEGEL nicht kommentieren.
Die operative Umsatzrendite ist nur einer von mehreren Faktoren, die über die erfolgsabhängige Vergütung entscheiden. Nach dem für 2025 dokumentierten System setzte sich die finanzielle Grundlage des Jahresbonus für Vorstandsmitglieder zu gleichen Teilen aus der operativen Umsatzrendite und dem Netto-Cashflow im Automobilgeschäft zusammen.
Weitere Faktoren berücksichtigen unter anderem Umweltziele, soziale Kriterien sowie Aspekte der Unternehmensführung. Daneben gibt es längerfristige Vergütungsbestandteile.
Eine Zielerreichung von 100 Prozent bei der Umsatzrendite bedeutet daher nicht, dass Führungskräfte automatisch ihren gesamten Jahresbonus in voller Höhe erhalten. Wie hoch die Zahlungen für 2026 tatsächlich ausfallen, hängt von den weiteren Vergütungskennzahlen und dem Ergebnis des Geschäftsjahres ab.
Die gemeldete Änderung fällt besonders deshalb auf, weil Volkswagen dieselbe Renditekennzahl im Sommer zur Begründung weiterer Sparanstrengungen herangezogen hatte.
Im Juli 2026 hatte der Konzern für das erste Halbjahr eine operative Umsatzrendite von 3,8 Prozent ausgewiesen. Finanzvorstand Arno Antlitz bewertete diesen Wert als zu niedrig und verwies auf die Notwendigkeit, die Kosten dauerhaft zu reduzieren.
Ende Oktober verschärfte sich die wirtschaftliche Lage weiter. Nach den am 29. Oktober veröffentlichten Geschäftszahlen erzielte Volkswagen in den ersten neun Monaten 2026 bei einem Umsatz von 233,4 Milliarden Euro nur noch ein operatives Ergebnis von rund 71 Millionen Euro.
Die operative Umsatzrendite lag damit unbereinigt bei rund 0,0 Prozent. Ohne Sondereffekte erreichte der Konzern hingegen 3,8 Prozent. Zu den Belastungen gehörten insbesondere hohe Wertberichtigungen im Zusammenhang mit Porsche sowie weitere Aufwendungen im China-Geschäft.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Volkswagen inzwischen nur noch eine operative Umsatzrendite von bis zu einem Prozent. Eine Rendite von 3,8 Prozent vor Sondereffekten im bisherigen Jahresverlauf ist deshalb nicht mit der endgültigen, für die Vergütung maßgeblichen Jahreskennzahl gleichzusetzen.
Parallel zur Diskussion über die Managervergütung setzt Volkswagen seinen Umbau fort. Der Aufsichtsrat hatte Anfang September dem Zukunftsplan 2030 zugestimmt. Das Programm sieht tiefgreifende Veränderungen der Konzernstruktur, eine Verringerung der Kosten und einen umfangreichen Personalabbau vor.
Nach den offiziellen Planungen sollen konzernweit rund 50.000 Stellen wegfallen, darunter auch Managementpositionen. Zudem will Volkswagen seine Modellpalette verkleinern, Entscheidungswege verkürzen und die Produktionskosten reduzieren.
Finanzvorstand Antlitz bezifferte das umfassende Kostenprogramm Ende Oktober auf rund 31 Milliarden Euro. Bis 2030 strebt der Konzern eine operative Umsatzrendite von neun Prozent an.
Damit stehen dem umfangreichen Sparprogramm und den geplanten personellen Einschnitten offenbar niedrigere Renditevorgaben für einen Teil der Managementvergütung gegenüber. Welche finanziellen Auswirkungen die gemeldeten Änderungen auf die tatsächlichen Bonuszahlungen für 2026 haben werden, ist bislang nicht geklärt.
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