
Essen. Am frühen Mittwochmorgen, dem 9. Juli 2025, hat die Polizei in Essen einen 27-jährigen Mann unter Terrorverdacht festgenommen. Der mutmaßliche Täter mit bosnisch-herzegowinischer Staatsangehörigkeit soll durch eine ausgeklügelte Betrugsmasche mehrere zehntausend Euro erbeutet haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Geld der Vorbereitung eines islamistisch motivierten Anschlags dienen sollte. Der Terrorverdacht in Essen bringt nun eine weitreichende Ermittlungswelle ins Rollen, bei der auch Spezialkräfte und Diensthunde zum Einsatz kamen.
Laut den Behörden hat der Verdächtige systematisch teure Elektrogeräte bestellt, sie jedoch nie bezahlt. Stattdessen wurden die Waren offenbar direkt weiterverkauft, um möglichst schnell liquide Mittel zu generieren. Die Ermittler gehen davon aus, dass mindestens ein fünfstelliger Betrag auf diese Weise zusammenkam. Ziel dieser Vorgehensweise soll es gewesen sein, einen islamistisch motivierten Anschlag zu finanzieren. Ob bereits konkrete Pläne vorlagen, dazu äußert sich die Generalstaatsanwaltschaft bislang nicht. Dennoch sprechen Umfang und Systematik der Taten für eine hohe kriminelle Energie.
Die Festnahme in Essen war Teil eines groß angelegten Einsatzes, der sich auch auf Dortmund, Düsseldorf und Soest erstreckte. Bei den Durchsuchungen kamen nicht nur reguläre Polizeikräfte, sondern auch Spezialeinheiten und Spürhunde zum Einsatz. Ziel war es, mögliche Komplizen, Mitwisser oder Unterstützer ausfindig zu machen. Sichergestellt wurden zahlreiche Datenträger, deren Auswertung nun im Zentrum der weiteren Ermittlungen steht. Über das tatsächliche Ausmaß des geplanten Anschlags liegen bislang keine gesicherten Informationen vor. Die Ermittlungen dauern an.
NRW-Innenminister Herbert Reul zeigte sich nach der Festnahme besorgt, lobte jedoch die schnellen und entschlossenen Maßnahmen der Polizei. Der Fall zeige einmal mehr, wie ernst die Bedrohung durch Extremisten genommen werden müsse. Der Minister warnte davor, Personen zu unterschätzen, die gezielt die freiheitlich-demokratische Grundordnung angreifen wollen. Zugleich betonte Reul, dass der Verdächtige bereits seit einiger Zeit unter Beobachtung stand. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen, und viele Details zum Hintergrund und zur möglichen Planung des Anschlags seien weiterhin unklar.
Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf hält sich zu möglichen Netzwerken oder Unterstützern des Tatverdächtigen bislang bedeckt. Offen bleibt, ob der 27-Jährige allein handelte oder Teil eines größeren islamistischen Gefüges war. Die Ermittler prüfen nun intensiv, ob Verbindungen zu bekannten extremistischen Strukturen bestehen. Klar ist: Der Terrorverdacht in Essen ist kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren sicherheitsrelevanten Problems, das erneut die Frage aufwirft, wie radikale Einzelpersonen oder Gruppen durch vermeintlich harmlose Betrugsdelikte Anschläge finanzieren könnten.