
Münster. Mit der Einweihung eines neuen FrauenOrts in Münster rückt die Stadt eine historische Persönlichkeit in den Fokus, die sich mutig über Geschlechternormen hinwegsetzte. Die Gedenkstätte würdigt das Leben von Catharina Margaretha Linck alias Anastasius Rosenstengel und ist Teil eines landesweiten Projekts zur Sichtbarmachung außergewöhnlicher Frauenbiografien in Nordrhein-Westfalen.
Am Abend des 8. Juli wurde der FrauenOr feierlich eröffnet. Die Gedenkstätte befindet sich an der Aapromenade, nahe der Petrikirche. NRW-Gleichstellungsministerin Josefine Paul, Bürgermeister Klaus Rosenau und Murielle Guéguen vom FrauenRat NRW nahmen an der Zeremonie teil. Gemeinsam enthüllten sie eine Gedenktafel, die an das Leben und Wirken von Catharina Linck erinnert.
Die historische Persönlichkeit wurde Anfang des 18. Jahrhunderts bekannt, weil sie unter dem Namen Anastasius Rosenstengel in Männerkleidung lebte, arbeitete und sogar heiratete. Ihr Leben endete tragisch: Nach einem Inquisitionsprozess wurde sie 1721 in Münster hingerichtet.
Ministerin Paul betonte bei der Einweihung, dass die Gedenkstätte ein wichtiges Zeichen für Vielfalt und Anerkennung sei. Das Projekt mache deutlich, dass geschlechtliche Vielfalt kein modernes Phänomen ist, sondern historisch gewachsene Realität. Sie forderte dazu auf, weiterhin konsequent gegen Diskriminierung von LSBTIQ*-Personen vorzugehen.
Auch Bürgermeister Rosenau hob die Bedeutung dieses Erinnerungsortes hervor. Münster sei stolz auf seine geschichtsbewusste Stadtgesellschaft, die heute mehr denn je Vielfalt anerkenne und sichtbar mache.
Catharina Linck wurde 1687 in Halle geboren und wuchs im Waisenhaus auf. Bereits als Jugendliche kleidete sie sich wie ein Mann und trat unter dem Namen Anastasius Rosenstengel als Prophet, Soldat und Handwerker auf. In Münster lebte sie mit einer Frau in kirchlich geschlossener Ehe. Ihre Tarnung flog jedoch auf, als ihre Schwiegermutter misstrauisch wurde. Ein Inquisitionsprozess führte schließlich zur Hinrichtung.
Das Leben von Linck gilt heute als beeindruckendes Beispiel für queere Identitäten in der Geschichte. Der FrauenOrt Münster setzt ihr ein sichtbares Denkmal – und macht Mut zur Offenheit.
Der FrauenOrt Münster ist einer von mittlerweile 52 Standorten in Nordrhein-Westfalen, die außergewöhnlichen Frauen gewidmet sind. Träger des Projekts ist der FrauenRat NRW, gefördert durch das Gleichstellungsministerium des Landes. Die Initiative würdigt das Engagement von Lehrerinnen, Künstlerinnen, Widerstandskämpferinnen und vielen weiteren historischen Persönlichkeiten.
Durch Informationstafeln und Stelen werden ihre Lebensleistungen dauerhaft im öffentlichen Raum sichtbar gemacht. Ziel ist es, weibliche Biografien stärker ins kollektive Gedächtnis zu integrieren und neue Perspektiven auf Geschichte zu ermöglichen.