
Münster. Am Donnerstagnachmittag, dem 24. Juli 2025, ist es in einem Pfandleihhaus in der Ludgeristraße zu einem versuchten Betrugsfall gekommen. Gegen 17:55 Uhr hatte ein 58-jähriger Mann telefonisch Kontakt mit dem Pfandleiher aufgenommen und ihm eine vermeintlich hochwertige Uhr zu einem ungewöhnlich niedrigen Preis angeboten. Dem erfahrenen Händler kam das Angebot sofort verdächtig vor. Ohne zu zögern, informierte er die Polizei.
Die eingesetzten Polizeibeamten trafen wenig später am Tatort ein. Sie konnten den Verdächtigen noch vor Ort antreffen und kontrollieren. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um einen 58-jährigen Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit handelt, der in Ennigerloh lebt. Besonders brisant: Gegen den Mann lag bereits ein Haftbefehl vor. Die Uhr, die er verkaufen wollte, entpuppte sich nach ersten Erkenntnissen zudem als mutmaßliches Plagiat.
Die Polizei lobte das besonnene und umsichtige Verhalten des Pfandleihers ausdrücklich. Sein schnelles Handeln hat dazu beigetragen, einen mutmaßlichen Betrüger dingfest zu machen. Der 58-Jährige wurde noch am selben Tag festgenommen. Ihn erwartet nun ein weiteres Strafverfahren – zusätzlich zu dem bereits bestehenden Haftbefehl. Ob er bereits in der Vergangenheit mit ähnlichen Taten aufgefallen ist, ist derzeit Gegenstand weiterer Ermittlungen.
Die angebotene Uhr wurde sichergestellt. Erste Einschätzungen deuten darauf hin, dass es sich um eine Fälschung handelt. Ob das Plagiat aus dem Ausland stammt oder aus einem bereits bekannten Fälscher-Netzwerk kommt, wird derzeit geprüft.
Der aktuelle Fall in Münster ist kein Einzelfall. In den vergangenen Monaten sind immer wieder ähnliche Betrugsversuche in Nordrhein-Westfalen bekannt geworden – häufig mit Luxusuhren als Tatmittel. Allein in Kevelaer, im Kreis Kleve, verkaufte ein Unbekannter im Februar zwei gefälschte Rolex-Uhren zu einem Preis im niedrigen fünfstelligen Bereich. Auch dort nutzte der Täter gefälschte Ausweispapiere, um die Herkunft der Uhren zu verschleiern.
In Gelsenkirchen sorgte im März ein weiterer Vorfall für Aufsehen: Ein Mann hatte versucht, durch sogenannte Wechseltricks eine Uhr unter Wert zu verkaufen. Als die Täuschung aufflog, flüchtete er – die Polizei fahndete später mit einem Foto nach dem Täter. Und auch in Duisburg landete ein besonders dreister Fall vor Gericht: Ein 28-Jähriger hatte versucht, ein Pfandleihhaus mit einer Fantasie-Schätzung um eine Million Euro zu prellen.
Laut Polizei und Branchenkennern zählen gefälschte Luxusuhren mittlerweile zu den häufigsten Betrugsobjekten in Pfandleihhäusern. Der Grund ist einfach: Hochwertige Marken wie Rolex, Omega oder Breitling lassen sich mit relativ geringem Aufwand täuschend echt imitieren. Gleichzeitig fällt es Laien oft schwer, Fälschungen zuverlässig zu erkennen. Deshalb raten Experten dringend, bei Luxusuhren immer auf Echtheitszertifikate und nachvollziehbare Herkunftsnachweise zu achten.
Auch in Münster sind Pfandleihhäuser zunehmend sensibilisiert. Einige bieten inzwischen sogar eigene Prüfverfahren an, um gefälschte Ware frühzeitig zu erkennen. Der Fall vom Donnerstag zeigt, wie wichtig diese Vorsichtsmaßnahmen sind – und wie viel kriminelle Energie hinter vermeintlich harmlosen Angeboten stecken kann.