
Münster. Pünktlich zum Saisonstart hat Preußen Münster nicht nur sportlich für Aufmerksamkeit gesorgt, sondern auch mit einem fairen Angebot an seine Fans: Das neue Heim- und Auswärtstrikot kostet 80 Euro – und gehört damit zu den günstigsten Trikots der gesamten 2. Bundesliga. Nur drei Clubs verlangen mit 79,95 Euro einen minimal niedrigeren Preis. Doch wie viel Geld kann ein Zweitligist wie Preußen Münster durch den Verkauf überhaupt einnehmen? Die Antwort überrascht.
Neben dem SC Paderborn, dem 1. FC Magdeburg und Greuther Fürth ist Preußen Münster einer der vier Vereine in Liga 2, die die 80-Euro-Marke nicht überschreiten. Damit setzt der Aufsteiger ein starkes Zeichen. Während viele Konkurrenzvereine mit Preisen um die 85 bis 90 Euro oder sogar darüber hinaus kalkulieren, bleibt Münster bewusst im unteren Preissegment. Zum Vergleich: Hertha BSC verlangt für das aktuelle Trikot ganze 99,95 Euro – fast 20 Euro mehr.
Diese fanfreundliche Preisgestaltung dürfte sich auch auf die Verkaufszahlen auswirken. Denn gerade im ersten Jahr nach dem Aufstieg ist die Euphorie in der Stadt groß. Die Dauerkarten sind ausverkauft, der Mitgliederrekord wurde gebrochen, und mit dem Slogan „In Münster zuhause. In der 2. Liga unterwegs.“ trifft das Trikot den Nerv der Zeit.
Die große Frage lautet: Wie stark wirkt sich der Verkaufserfolg auf die Vereinsfinanzen aus? Blickt man auf andere Zweitligisten, ergeben sich erstaunliche Werte. Hansa Rostock verkaufte in der Saison 2023/24 rund 33.000 Trikots. Auch beim FC St. Pauli waren es über 30.000 Stück. Für Preußen Münster, das über rund 13.000 Mitglieder und mehr als 8.000 Dauerkarteninhaber verfügt, ist ein ähnlicher Erfolg zwar ambitioniert – aber keinesfalls unrealistisch.
Je nach Nachfrage lassen sich folgende Szenarien ableiten:
Szenario | Verkaufte Trikots | Brutto-Umsatz (bei 80 €) |
---|---|---|
Konservativ | 10.000 Stück | 800.000 € |
Realistisch | 15.000 Stück | 1.200.000 € |
Optimistisch | 20.000 Stück | 1.600.000 € |
Allerdings fließt nicht der gesamte Betrag in die Vereinskasse. Denn Materialkosten, Herstellungsaufwand und Marge des Ausrüsters (in diesem Fall JAKO) reduzieren den Nettoerlös deutlich. Branchenkenner gehen davon aus, dass rund ein Drittel des Verkaufspreises beim Verein verbleibt. Daraus ergibt sich:
Szenario | Reinerlös für Preußen Münster |
---|---|
10.000 Trikots | ca. 218.000 € |
15.000 Trikots | ca. 327.900 € |
20.000 Trikots | ca. 437.200 € |
Bei einem geschätzten Gesamtetat im einstelligen Millionenbereich können Einnahmen von bis zu einer halben Million Euro einen entscheidenden Unterschied machen. Zwar sind TV-Gelder und Sponsoreneinnahmen nach wie vor die wichtigsten Säulen der Vereinsfinanzen – doch der Trikotverkauf bietet eine zusätzliche, emotionale und identitätsstiftende Einnahmequelle. Besonders, wenn das Design, der Preis und die Verbundenheit zur Stadt, wie im Fall von Münster, auf fruchtbaren Boden fallen.
Zum besseren Überblick hier die aktuelle Preisliste aller Clubs (Standard-Trikot, Erwachsenengröße, ohne Flock):
Rang | Verein | Preis |
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1 | SC Paderborn 07 | 79,95 € |
1 | 1. FC Magdeburg | 79,95 € |
1 | Greuther Fürth | 79,95 € |
4 | Preußen Münster | 80,00 € |
5 | VfL Bochum | 84,95 € |
5 | Arminia Bielefeld | 84,95 € |
5 | Eintracht Braunschweig | 84,95 € |
5 | SV Elversberg | 84,95 € |
9 | Hannover 96 | 84,96 € |
10 | SV Darmstadt 98 | 84,98 € |
11 | Dynamo Dresden | 84,99 € |
12 | Holstein Kiel | 85,00 € |
12 | 1. FC Kaiserslautern | 85,00 € |
14 | Schalke 04 | 89,95 € |
14 | 1. FC Nürnberg | 89,95 € |
14 | Fortuna Düsseldorf | 89,95 € |
14 | Karlsruher SC | 89,95 € |
18 | Hertha BSC | 99,95 € |
Preußen Münster positioniert sich mit einem Trikotpreis von 80 Euro nicht nur als fanfreundlicher Aufsteiger, sondern nutzt zugleich eine clevere Vermarktungsstrategie. Der Verein verzichtet bewusst auf Preissteigerungen, um seine große Anhängerschaft mitzunehmen – und kann dafür mit einem satten Umsatz belohnt werden. Bis zu 500.000 Euro Nettoerlös sind möglich, wenn die Nachfrage hoch bleibt. Damit zeigt Münster: Auch mit bodenständigen Preisen lässt sich in der 2. Bundesliga wirtschaftlich klug handeln.