Bundeswehr reaktiviert Tiefflugzonen: Münsterland muss mit mehr Jets rechnen

Tiefflugzonen Münsterland Reaktivierung: Die Bundeswehr trainiert wieder in 75 Metern Höhe – Anwohner müssen mit mehr Überflügen rechnen.
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Die Bundeswehr hat mehrere früher genutzte Tiefflugzonen wieder aktiviert, um den Trainingsbetrieb angesichts der verschärften sicherheitspolitischen Lage auszubauen. Insgesamt sieben sogenannte „Low Flying Areas“ werden in Deutschland erneut genutzt – darunter ein Gebiet im westlichen Münsterland nahe der niederländischen Grenze. Nach Angaben aus Behördenkreisen betrifft der Bereich grob eine Zone zwischen Rheine und dem Raum Bocholt.

Wofür der extrem niedrige Flug gebraucht wird

In den aktivierten Gebieten dürfen strahlgetriebene Kampfflugzeuge wieder bis auf rund 75 Meter über dem Boden fliegen. Derartige Tiefstflüge waren lange Zeit kaum noch Teil des Übungsprogramms, gelten nun aber wieder als notwendig, um unterhalb des Radars zu operieren, Geländeschatten zu nutzen oder taktische Anflüge in realistischer Umgebung zu trainieren. Besonders für Szenarien der Landes- und Bündnisverteidigung spielt dieses Höhenband eine wichtige Rolle.

Warum die Reaktivierung gerade jetzt erfolgt

Die Luftwaffe begründet den Schritt mit der sicherheitspolitischen Lage seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Deutschland übernimmt innerhalb der NATO zentrale Aufgaben im Luftverteidigungsverbund und muss Piloten für Einsätze in allen Höhenbereichen ausbilden. Dazu zählt auch das Fliegen im besonders niedrigen Bereich, der im Ernstfall entscheidend sein kann, um gegnerische Luftabwehr zu vermeiden.

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Landesweite Regeln für militärische Tiefflüge

Grundsätzlich gilt in Deutschland eine Mindesthöhe von rund 150 Metern für militärische Tiefflüge. Davon abweichend dürfen in den neu eingerichteten Low Flying Areas Flugzeuge werktags zwischen 9 und 12.30 Uhr sowie 13.30 und 17 Uhr auf bis zu 75 Meter sinken. Diese Höhe ist nur für kurze Phasen erlaubt und wird in der Regel ausschließlich im Zielanflug genutzt. Überschallflüge bleiben weiterhin nur in großer Höhe und zu eng begrenzten Uhrzeiten erlaubt.

Welche Verbände im Münsterland trainieren könnten

Für die Region kommen insbesondere Maschinen des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 „Boelcke“ aus Nörvenich sowie des Geschwaders 33 aus Büchel infrage. Auch NATO-Partner wie die niederländische Luftwaffe könnten die Zone für Übungen anfliegen. Die konkrete Intensität des Trainings im Münsterland soll in den kommenden Wochen veröffentlicht werden.

Münsterland blickt auf Jahrzehnte mit Tiefflug zurück

Für viele Menschen in der Region ist das Thema nicht neu. Bis in die 1990er-Jahre waren Tiefflüge im Münsterland alltäglich, besonders britische und belgische Jets nutzten die Region für Übungseinsätze. Mit dem Abbau militärischer Strukturen sank die Zahl der Tiefflugstunden jedoch drastisch – von über 70.000 im Jahr 1990 auf wenige hundert im Jahr 2016.

Mögliche Auswirkungen für die Bevölkerung

Mit der Reaktivierung der Trainingsgebiete müssen Anwohner wieder häufiger mit schnellen und teils sehr niedrigen Überflügen rechnen. Schon früher war das Thema Gegenstand politischer Diskussionen – Lärmbelastung, Schreckmomente und Umweltaspekte führten regelmäßig zu Kritik von Bürgerinitiativen und Naturschutzverbänden. Die Luftwaffe kündigt an, Trainingszeiten transparent zu machen und die Pläne noch im November zu veröffentlichen.

Ab Februar auch in zivilen Karten sichtbar

Die neuen Tiefflugzonen werden ab dem kommenden Februar in zivilen Luftfahrtkarten eingetragen, sodass auch Segelflieger, Sportpiloten und Rettungshubschrauber sie eindeutig erkennen können. Die Koordination erfolgt weiterhin über militärische und zivile Stellen, um Konflikte im Luftraum zu vermeiden.

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