
Bielefeld. Nach den tödlichen Unfällen mit selbstgebauter Pyrotechnik in der Silvesternacht in Bielefeld haben Polizei und Staatsanwaltschaft ihren bisherigen Ermittlungsstand präzisiert. Im Mittelpunkt stehen dabei die Art der Verletzungen, der mutmaßliche Ablauf der Explosionen sowie offene Fragen zur Herkunft und Beschaffenheit der eingesetzten Sprengkörper. Klar ist nach Angaben der Behörden, dass es sich um zwei voneinander unabhängige Geschehnisse handelt. Ein Zusammenhang zwischen den Fällen besteht nach derzeitigem Stand nicht.
Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden kamen beide jungen Männer durch Explosionen selbst konstruierter pyrotechnischer Vorrichtungen ums Leben. In beiden Fällen sollen die Betroffenen schwere Kopfverletzungen erlitten haben, die letztlich tödlich verliefen. Die Polizei geht davon aus, dass sich die Männer im Moment der Detonation in unmittelbarer Nähe der Sprengkörper befanden. Hinweise deuten darauf hin, dass dabei improvisierte Konstruktionen verwendet wurden, unter anderem mit Kunststoffmaterialien. Die genaue Funktionsweise und Zusammensetzung dieser Vorrichtungen ist jedoch noch unklar und Gegenstand weiterer Untersuchungen. Sachverständige sollen nun klären, welche Stoffe zum Einsatz kamen und wie die Explosionen technisch ausgelöst wurden.
Die beiden tödlichen Unfälle ereigneten sich in unterschiedlichen Stadtteilen Bielefelds zu verschiedenen Zeitpunkten der Silvesternacht. Einer der Vorfälle geschah noch vor Mitternacht, der zweite kurz danach. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft kannten sich die beiden 18-Jährigen nicht. Auch bei den verwendeten Sprengkörpern gebe es bislang keine Hinweise auf identische Bauweisen oder gemeinsame Herkunft. Die Ermittler betonen, dass beide Ereignisse unabhängig voneinander bewertet werden müssen. In einem Fall wurde zudem ein weiterer Beteiligter verletzt, der medizinisch versorgt werden musste, dessen Verletzungen jedoch nicht lebensgefährlich waren.
Zentraler Bestandteil der laufenden Todesermittlungsverfahren ist die Klärung, woher die verwendeten Materialien stammen und wie die Sprengkörper hergestellt wurden. Bislang liegen den Behörden keine abschließenden Erkenntnisse darüber vor, ob verbotene Substanzen eingesetzt wurden oder ob es sich um eine besonders gefährliche Eigenkonstruktion handelte. Die Ergebnisse der gutachterlichen Untersuchungen werden in den kommenden Wochen erwartet. Erst danach könne beurteilt werden, ob neben den tragischen Unglücksfällen weitere strafrechtlich relevante Aspekte zu prüfen seien, so die Ermittler.
Aus der Landespolitik kamen nach Bekanntwerden der neuen Details erneut mahnende Worte. NRW-Innenminister Herbert Reul verwies auf die erheblichen Risiken, die von selbstgebauter Pyrotechnik ausgehen, und sprach den Angehörigen der Verstorbenen sein Mitgefühl aus. Die Polizei kündigte an, nach Abschluss der Untersuchungen umfassend über die Ergebnisse zu informieren. Bis dahin bitten die Behörden darum, die laufenden Ermittlungen abzuwarten und auf Spekulationen zu verzichten.