
Münster. Der Wahlkampf rund um den Bürgerentscheid zu Straßenumbenennungen im Stadtbezirk Münster-Mitte ist offiziell angelaufen. Am Freitag, 9. Januar, stellte auch die Bürgerinitiative gegen Straßenumbenennungen ihre Plakatkampagne vor. Damit spitzt sich die Debatte wenige Wochen vor der Abstimmung am Sonntag, 8. Februar 2026, weiter zu.
Abgestimmt wird darüber, ob die Beschlüsse der Bezirksvertretung Münster-Mitte vom 6. Mai 2025 aufgehoben werden. Diese sehen die Umbenennung von fünf während der NS-Zeit vergebenen Straßennamen vor.
Die Abstimmungslogik ist dabei eindeutig geregelt:
Ein „Ja“ bedeutet, dass die Beschlüsse aufgehoben werden und die bisherigen Straßennamen bestehen bleiben.
Ein „Nein“ bedeutet, dass die Beschlüsse bestehen bleiben und die Umbenennungen umgesetzt werden können.
Stimmberechtigt sind alle Bürgerinnen und Bürger im Stadtbezirk Münster-Mitte. Nach Angaben der Stadt Münster betrifft das 108.685 Wahlberechtigte (Stand 27. November 2025). Für einen erfolgreichen Bürgerentscheid reicht nicht nur eine Mehrheit. Zusätzlich müssen mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten auf der Mehrheitsseite erreicht werden.
Die Bürgerinitiative gegen Straßenumbenennungen kündigt an, rund 400 Plakate im Stadtbezirk aufzuhängen. Hinzu kommen Infostände, Flyeraktionen sowie beleuchtete Plakate an Bushaltestellen. Zu den zentralen Slogans zählen Aussagen wie „Straßen sanieren statt umbenennen“ und „Geschichte erklären statt tilgen“.
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Die Initiative verweist zudem auf das vorangegangene Bürgerbegehren, bei dem nach offiziellen Angaben der Stadt 6.071 gültige Unterschriften gesammelt worden waren. Diese Zahl wird als Beleg für einen breiten Rückhalt im Stadtbezirk gewertet.
Die Bezirksvertretung Münster-Mitte hatte sich mehrheitlich für die Umbenennung der fünf Straßennamen ausgesprochen. Getragen wurde diese Entscheidung von Vertreterinnen und Vertretern der Bündnis 90/Die Grünen, der SPD, Volt und der Die Linke.
Gegen die Umbenennungen stimmten die CDU und die FDP. Beide Parteien haben angekündigt, die Bürgerinitiative gegen die Umbenennungen organisatorisch und inhaltlich zu unterstützen, unter anderem bei Infoständen im Wahlkampf.
Auf der anderen Seite steht das Bündnis „Münster sagt NEIN zu Nazipropaganda – Straßenumbenennungen jetzt!“. Es wirbt dafür, beim Bürgerentscheid mit „Nein“ zu stimmen und betont, dass sich die Abstimmung ausschließlich auf die fünf konkret benannten Straßen beziehe.
Die Darstellung, es gehe um eine großflächige Umbenennung zahlreicher weiterer Straßen, weist das Bündnis zurück. Dies sei irreführend und lenke von der eigentlichen Entscheidung ab. Ziel sei eine Erinnerungskultur ohne Verherrlichung historisch belasteter Personen oder Begriffe.
Die Stadt plant neben der klassischen Stimmabgabe auch Briefwahl sowie ein Abstimmungsbüro im Stadthaus 1. Der Versand der Abstimmungsbenachrichtigungen soll ab dem 12. Januar 2026 beginnen.
Sollten die Umbenennungen Bestand haben, will die Stadt neue Straßennamen erst nach Abschluss des Bürgerentscheids sammeln. Vorgesehen sind dabei sowohl digitale Beteiligungsverfahren als auch postalische Rückmeldungen. Unabhängig vom Ausgang gilt der Bürgerentscheid als richtungsweisend, da in Münster auch in anderen Stadtbezirken weitere Straßennamen politisch und historisch diskutiert werden.