Viele Brunnen bleiben in Münster trocken: Stadt rechnet 2026 nur mit halbem Betrieb

Die PARTEI/ÖDP kritisiert den Koalitionsvertrag 2025–2030 in Münster scharf. Beanstandet werden Finanzplanung, Verkehrspolitik und fehlende Konsequenz.
Foto: Caroline Muffert

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Münster. In Münster wird das Plätschern vieler Brunnen auch 2026 ausbleiben. Ein aktueller Zwischenbericht der Stadtverwaltung zeigt, dass von insgesamt 24 städtischen Brunnenanlagen voraussichtlich nur rund die Hälfte tatsächlich in Betrieb sein wird. Technische Defekte, Sanierungsbedarf, Personalmangel und hohe Unterhaltungskosten bremsen den Weiterbetrieb zahlreicher Wasserspiele.

Nur ein Teil der städtischen Brunnen soll 2026 laufen

Nach Angaben der Stadt waren im Jahr 2025 lediglich zehn Brunnenanlagen betriebsfähig. Für 2026 rechnet die Verwaltung zunächst mit neun Anlagen, die wieder in Betrieb gehen könnten. Hinzu kommt der neue Brunnen auf dem Böckmannplatz, der nach Abschluss der Platzgestaltung im zweiten Quartal 2026 vorgesehen ist. Abhängig vom Fortschritt weiterer Sanierungsmaßnahmen könnten im Laufe des Jahres maximal zwei zusätzliche Brunnen folgen. Selbst in diesem Fall wären lediglich zwölf von insgesamt 24 Standorten nutzbar.

Lamberti-Brunnen bleibt wegen Sanierung außer Betrieb

Ein prominentes Beispiel ist der Lamberti-Brunnen. Für ihn ist 2026 eine umfassende Sanierung vorgesehen, weshalb er in diesem Jahr vollständig außer Betrieb bleiben soll. Die Stadtwerke Münster wurden mit der Umsetzung beauftragt. Eine gesonderte Beschlussvorlage zur Maßnahme ist für eine spätere Sitzung vorgesehen.

Technische Defekte und ökologische Gründe sorgen für Stillstand

Neben geplanten Sanierungen führen zahlreiche technische Probleme zu weiteren Einschränkungen. Am Idenbrockplatz etwa geht der Brunnen dauerhaft auf Störung und überhitzt, die Ursache konnte bislang nicht eindeutig geklärt werden. Am Harsewinkelplatz ist eine defekte Pumpe ausschlaggebend für den Stillstand.

Andere Anlagen gelten zwar grundsätzlich als funktionsfähig, sollen aber aus ökologischen Gründen nicht mehr betrieben werden. So wird der Brunnen an der Aabrücke an der Bergstraße aus Sicht der Gewässerökologie künftig nicht mehr aus der Aa gespeist und bleibt deshalb außer Betrieb. Mehrere Brunnen, darunter am Mauritztor oder am Sprickmannplatz, wurden bereits dauerhaft stillgelegt oder zurückgebaut.

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Umbauten und neue Nutzungen statt Wasserspiele

An einigen Standorten hat sich die Stadt bewusst gegen eine Wiederinbetriebnahme entschieden. An der Neubrückenstraße wurden Brunnenflächen in bepflanzte Bereiche umgewandelt, die über Patenschaften gepflegt werden. Auch an anderen Orten stehen künftige Umbauten im Zusammenhang mit größeren Platz- oder Quartiersentwicklungen, etwa im Martiniviertel oder an der Oxford-Kaserne.

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Hohe Kosten für externe Brunnenunterhaltung

Der Bericht macht deutlich, dass die Unterhaltung der Brunnen zunehmend zum strukturellen Problem wird. Der Betrieb liegt derzeit beim Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit. Dort fehlen jedoch qualifizierte Fachkräfte aus dem Sanitär-, Elektro- oder Ingenieurbereich. Fachwissen wurde über Jahre hinweg in Eigenleistung aufgebaut, geht aber durch altersbedingtes Ausscheiden von Mitarbeitenden zunehmend verloren.

Eine externe Vergabe der technischen Unterhaltung gilt daher als realistische Option. Vergleichsstädte beziffern die jährlichen Kosten pro Brunnen auf 30.000 bis 70.000 Euro. Hochgerechnet auf alle Anlagen ergäben sich jährliche Ausgaben zwischen 750.000 und 1,75 Millionen Euro, zuzüglich weiterer städtischer Eigenleistungen.

Aktuelle Mittel reichen kaum für den Betrieb

Dem gegenüber stehen sehr begrenzte Ressourcen. In den vergangenen Jahren standen im Durchschnitt lediglich rund 0,5 Vollzeitstellen und etwa 17.000 Euro jährlich für den laufenden Betrieb zur Verfügung. Diese Mittel decken vor allem Ersatzteile, Prüfungen und Betriebsstoffe ab, nicht jedoch eine nachhaltige technische Unterhaltung. Nach Einschätzung der Verwaltung ist unter diesen Bedingungen kein stabiler Betrieb einer größeren Zahl von Brunnen möglich.

Brunnen gelten als freiwillige Leistung der Stadt

Der Bericht weist zudem darauf hin, dass Brunnenanlagen keine gesetzlich verpflichtende Aufgabe darstellen. Erst mit der Inbetriebnahme entstehen Pflichten zur Verkehrssicherung und Wasserhygiene. Bereits 2012 hatte die Stadt im Zuge von Haushaltskonsolidierungen eine Stilllegung von Brunnen diskutiert, diese jedoch nach Kritik aus Politik und Bürgerschaft nicht umgesetzt.

Angesichts der angespannten Haushaltslage empfiehlt die Verwaltung nun erneut, Betrieb und Sanierung kritisch zu prüfen. Neue Brunnen oder Wasserspiele sollen demnach nur dann realisiert werden, wenn die Folgekosten dauerhaft abgesichert sind.

Klimanutzen anerkannt, Finanzierung weiter offen

Unstrittig ist aus Sicht der Stadt der positive Effekt von Brunnen auf Mikroklima und Aufenthaltsqualität. Verdunstendes Wasser kann Plätze und Parks abkühlen und gilt als Baustein der kommunalen Klimaanpassung. Gleichzeitig bleibt offen, wie dieser Anspruch unter den aktuellen finanziellen und personellen Rahmenbedingungen dauerhaft umgesetzt werden kann

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