Nach „Free Rojava“-Schriftzügen: Linke kritisiert Polizei und Medien in Münster

Nach „Free Rojava“-Schriftzügen in Münster zeigt sich die Linke solidarisch. Während der Staatsschutz ermittelt, verteidigt die Partei die Aktionen als politischen Protest.
Nach „Free Rojava“-Schriftzügen in Münster zeigt sich die Linke solidarisch. Während der Staatsschutz ermittelt, verteidigt die Partei die Aktionen als politischen Protest.

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Münster. Nach mehreren „Free Rojava“-Schriftzügen im Stadtgebiet von Münster bezieht die Linksfraktion deutlich Stellung. Sie stellt sich hinter die unbekannten Aktivistinnen und Aktivisten und übt zugleich Kritik an polizeilichem Vorgehen und der Berichterstattung über die Vorfälle.

Linke sieht politischen Protest statt bloßer Sachbeschädigung

Aus Sicht der Linksfraktion handelt es sich bei den Schriftzügen nicht um reine Farbschmierereien, sondern um einen bewussten politischen Appell. Ratsfrau Fatma Karana macht in ihrer Stellungnahme deutlich, warum sie die Aktionen unterstützt.
„Wir werden nicht gehört. Menschen werden grausam ermordet und die Welt schaut weg. Rojava geht uns alle an“, erklärt Karana. Dass Aktivistinnen und Aktivisten mit Demonstrationen oder zivilem Ungehorsam Aufmerksamkeit erzeugten, sei notwendig. Als kurdische Frau sage sie ausdrücklich: „Danke.“

Kritik an Verhältnismäßigkeit polizeilicher Ermittlungen

Auch Patricia Niehaus, Sprecherin der Linken und stellvertretendes Mitglied im Polizeibeirat, äußert sich kritisch zur strafrechtlichen Einordnung der Schriftzüge. Zwar gehöre es zur Aufgabe der Polizei, Sachbeschädigungen zu verfolgen, doch müsse die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben.
„Der einzige messbare gesellschaftliche Schaden sind die Reinigungskosten“, sagt Niehaus. Dem stehe eine humanitäre und politische Lage gegenüber, die in Deutschland kaum wahrgenommen werde. Aktivisten nähmen mögliche strafrechtliche Konsequenzen bewusst in Kauf, um das Thema in den Fokus zu rücken. „Wer dieses Risiko für einen so wichtigen Zweck eingeht, verdient Respekt statt Repression.“

Vorwürfe gegen mediale Berichterstattung

Deutliche Worte findet Niehaus auch zur Berichterstattung über die Schriftzüge. Sie kritisiert, dass der Fokus aus ihrer Sicht zu stark auf polizeiliche Ermittlungen gelegt werde.

Sie richtet ihre Kritik zudem ausdrücklich gegen die Westfälische Nachrichten.
„Dass die WN hier als Hilfssheriff der Polizei auftritt und bereits den zweiten Artikel über vermeintliche Schmierereien veröffentlicht und regelrecht nach den Aktivist*innen fahndet, anstatt kurdischen Stimmen aus Münster Raum zu geben, ist jedenfalls kritikwürdig“, erklärt Niehaus.

Staatsschutz ermittelt wegen politischer Schmierereien

Unabhängig von der politischen Debatte laufen polizeiliche Ermittlungen. Die Polizei Münster bestätigte, dass der Staatsschutz eingeschaltet ist. Die Schriftzüge seien als politische Botschaften eingeordnet worden und in den vergangenen Tagen unter anderem an mehreren Wänden in der Innenstadt festgestellt worden. Weitere Angaben zum Ermittlungsstand machte die Polizei bislang nicht.

Lokale Solidaritätsaktionen und internationaler Hintergrund

In Münster gibt es seit Längerem Demonstrationen und Solidaritätsaktionen zur Situation in der kurdisch geprägten Region Rojava, an denen sich verschiedene lokale Initiativen beteiligen. Anfang 2026 war das Thema auch international wieder stärker in den Fokus gerückt, nachdem Berichte über neue Spannungen und Kämpfe in Nordostsyrien bekannt wurden. Unterstützerinnen und Unterstützer sehen darin einen Anlass, den Protest auch auf lokaler Ebene sichtbar zu machen.

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