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In den letzten Monaten verzeichnen Tierkliniken in Deutschland einen alarmierenden Anstieg an Fällen von Hunden, die ungewöhnliche neurologische Symptome aufweisen. Die Tiere leiden unter anderem an unkontrollierbaren Bewegungsausbrüchen, Panikattacken ohne erkennbare Ursache und epileptischen Anfällen. Eine auffallende Gemeinsamkeit ist, dass viele dieser Hunde kurz zuvor handelsübliche Kauknochen verzehrt hatten.
Die Symptomatik dieser Erkrankung hat in Fachkreisen bereits einen Namen erhalten: das sogenannte Werwolf-Syndrom. Betroffene Hunde zeigen Verhaltensänderungen, die an das Bild eines erschrockenen oder aggressiven Wolfes erinnern könnten.
Ein Team von Forschern der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) nimmt an, dass toxische Substanzen in Kauartikeln aus Rinderhaut diese Symptome verursachen könnten. Erste Untersuchungen bestätigen das Vorhandensein chemischer Rückstände in einigen dieser Produkte, die potenziell das Nervensystem der Tiere schädigen.
Es bleibt unklar, ob spezifische Produktchargen betroffen sind oder ein systematisches Problem vorliegt. Die Wissenschaftler untersuchen derzeit, ob es eine gemeinsame Exposition gegenüber bestimmten Chemikalien unter den betroffenen Hunden gibt.
Auffällig ist auch die Herkunft der verdächtigen Kauknochen. Viele stammen aus China, wo die Behandlung der Rinderhaut mit chemischen Mitteln üblich ist, um die Produkte haltbarer zu machen. In einigen europäischen Ländern wie Finnland und den Niederlanden wurden bereits Rückrufe von Kauknochen der Marke Barkoo initiiert, nachdem ähnliche Symptome bei Hunden auftraten.
Bis weitere Erkenntnisse vorliegen, empfehlen Experten, industriell verarbeitete Kauknochen zu meiden, insbesondere Importware aus China. Hundebesitzer, deren Tiere neurologische Auffälligkeiten zeigen, sollten umgehend tierärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Als vorbeugende Maßnahme rät man zur Nutzung von natürlichen Kauprodukten aus kontrollierter europäischer Herstellung oder alternativ zu interaktiven Spielzeugen, die mit gesunden Snacks befüllt werden können.
Die Forschungen zum Werwolf-Syndrom sind noch nicht abgeschlossen. Wissenschaftler arbeiten intensiv daran, die genauen chemischen Ursachen zu identifizieren und effektive Schutzmaßnahmen für die betroffenen Tiere zu entwickeln. Bis dahin ist Vorsicht geboten, und die Information und Sensibilisierung von Hundebesitzern spielt eine entscheidende Rolle bei der Prävention weiterer Fälle.