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Castor-Transporte nach Ahaus: Anti-Atom-Initiativen richten eindringlichen Brandbrief an Wüst und Neubaur

Urteil des Oberverwaltungsgerichts: Atommüll-Transport nach Ahaus erlaubt. Das BASE hat Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus genehmigt. 152 Behälter mit Brennelementen dürfen bis 2027 ins Zwischenlager gebracht werden
Foto: kalhh

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Münster/Ahaus/Jülich. Angesichts der geplanten Castor-Transporte aus Jülich und Garching ins Zwischenlager Ahaus wächst der Protest im Münsterland. Vier Anti-Atom-Initiativen haben am 28. August 2025 einen weiteren Brandbrief – mittlerweile die zweite öffentliche Mahnung – an NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) verschickt. Die zentrale Botschaft: „Die Landesregierung muss jetzt handeln – bevor es zu spät ist“.

Vier klare Forderungen an die Landesregierung

In dem Schreiben fordern die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“, das Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ aus Jülich, das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen und die Initiative SOFA Münster vier konkrete Schritte:

  1. Einladung zu politischen Gesprächen mit Bundesregierung und Bayerischer Staatsregierung – noch vor Beginn der Transporte.

  2. Übereignung zweier Grundstücke in Jülich an den Bund für den Bau eines neuen Zwischenlagers – inklusive Rücknahme der aktuellen Räumungsverfügung.

  3. Rechtliche Schritte gegen den Sofortvollzug der Castor-Transporte aus Jülich – und Unterstützung des laufenden BUND-Widerspruchs beim Bundesamt BASE.

  4. Persönlicher Besuch der Minister in Ahaus und Jülich, um sich vor Ort dem offenen Dialog mit der Bevölkerung zu stellen.

„Wahnsinn auf den Autobahnen“ – Kritik von Polizei und Initiativen

Die Initiativen beziehen sich in ihrer Kritik ausdrücklich auch auf die Einschätzung der Gewerkschaft der Polizei (GdP), die die Castor-Transporte als „Wahnsinn“ bezeichnet. Über einen Zeitraum von bis zu acht Jahren sollen 152 Castoren aus Jülich sowie 21 weitere aus Garching über Deutschlands Autobahnen transportiert werden – ein Mammutprojekt, das aus Sicht der Atomkraftgegner jede logische Grundlage entbehrt.

Ein zusätzliches Problem: Die aktuelle Genehmigung für das Ahauser Zwischenlager läuft 2036 aus. Laut Berechnungen der SPD könnte der letzte Castor-Transport aus Jülich jedoch erst 2033 eintreffen. Wohin danach mit dem Atommüll – eine Antwort darauf gibt es bisher nicht.

Sonntagsspaziergang und Großdemo angekündigt

Als erste Reaktion auf das Schweigen der Politik rufen die Initiativen für Sonntag, den 31. August 2025, um 14 Uhr zu einem außerordentlichen „Sonntagsspaziergang“ vor dem Zwischenlager in Ahaus-Ammeln auf. Bereits am vergangenen Dienstag hatten rund 130 Menschen spontan gegen die geplanten Transporte demonstriert. Weitere Protestaktionen – darunter eine Großdemonstration am 4. Oktober in Ahaus – sind in Vorbereitung.

„Verantwortung übernehmen – nicht vertagen“

Die Initiativen fordern die Landesregierung auf, sich ihrer politischen Verantwortung zu stellen. Der Vorwurf: Ministerpräsident Wüst schweige, während Ministerin Neubaur zwar öffentlich Verständnis äußere, sich aber weigere, das Thema Atommüll klar anzusprechen – trotz mehrfacher Besuche in Ahaus.

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