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Ganztagsanspruch ab 2026: Reicht der Platz für Grevens Grundschulkinder?

Lehrkräfte an NRW-Schulen berichten von einer verstärkten Hinwendung zu erzkonservativen Auslegungen des Islam unter Teilen der Schülerschaft. Klaus Köther vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) beschreibt, wie sich muslimische Schüler zunehmend religiös verhalten, was sich in der Einhaltung religiöser Rituale und einer konservativeren Interpretation des Korans zeigt. Dieser Trend ist auch bei Kindern aus moderaten muslimischen Familien zu beobachten.
Taylor Flowe

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Greven. Ab August 2026 gilt ein bundesweiter Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder – zunächst für die erste Klasse, dann schrittweise für alle Jahrgänge. Was für Familien ein echter Fortschritt sein soll, bringt Kommunen wie Greven in Zugzwang. Denn die Nachfrage nach OGS-Plätzen ist bereits jetzt hoch – vor allem an der Martin-Luther-Schule in der Innenstadt. Viele Eltern fürchten, dass ihre Kinder in höheren Klassen künftig keinen Platz mehr bekommen. Und auch landesweit ist klar: Es fehlen nicht nur Räume, sondern auch Personal.

Gesetzlich verankert: Ganztagsanspruch für Grundschüler kommt stufenweise

Das Ganztagsförderungsgesetz (GaFöG) sieht ab dem Schuljahr 2026/27 einen stufenweisen Anspruch auf Ganztagsbetreuung vor:

  • ab 2026/27: für Klasse 1

  • ab 2027/28: für Klassen 1 und 2

  • ab 2028/29: für Klassen 1 bis 3

  • ab 2029/30: für alle Grundschulklassen (1–4)

Der Anspruch umfasst täglich acht Stunden Betreuung an fünf Tagen in der Woche, wobei die Unterrichtszeit mitgerechnet wird. Auch während der Ferien ist eine Betreuung erforderlich – mit einer Schließzeit von bis zu vier Wochen jährlich. Erfüllt werden kann der Anspruch durch Angebote in der Schule (Offener oder Gebundener Ganztag), durch Hort oder durch Kindertageseinrichtungen. Eine reine Übermittagsbetreuung genügt in der Regel nicht, um den gesetzlichen Anspruch vollständig zu erfüllen.

Bund investiert Milliarden – Bedarf dennoch gewaltig

Zur Unterstützung stellt der Bund bis 2029 insgesamt 3,5 Milliarden Euro für den Ausbau der Ganztagsinfrastruktur bereit. Zudem erhalten die Bundesländer ab 2026 dauerhaft höhere Anteile am Umsatzsteueraufkommen, um den laufenden Betrieb zu finanzieren.

Trotz dieser Mittel ist der Platzbedarf enorm: Bereits zum Schuljahr 2026/27 werden bundesweit rund 342.000 zusätzliche Plätze benötigt. Bis zur Vollumsetzung des Rechtsanspruchs im Jahr 2029/30 rechnet das Bundesfamilienministerium mit einem durchschnittlichen Bedarf von 390.000 neuen Plätzen. Besonders betroffen: der westdeutsche Raum – und damit auch NRW und Kommunen wie Greven.

Aktueller Stand in NRW: OGS flächendeckend etabliert – aber nicht ausgebaut genug

NRW hat früh auf den Ausbau des Offenen Ganztags (OGS) gesetzt: Bereits seit 2003 wird das System stetig erweitert. Im Schuljahr 2023/24 nutzten 52,7 Prozent aller Grundschulkinder in NRW ein Ganztagsangebot. Insgesamt wurden 372.930 Kinder im schulischen Ganztag betreut – überwiegend im offenen Format, das mehr Flexibilität bietet als der gebundene Ganztag.

Rund 95 Prozent der Grundschulen in NRW sind mittlerweile OGS-Standorte. Dennoch reichen die vorhandenen Kapazitäten nicht aus, um den bevorstehenden Rechtsanspruch für alle Altersstufen zu erfüllen.

Situation in Greven: Fünf Schulen, zwei Träger – aber nicht genug Raum

In Greven gibt es OGS-Angebote an allen fünf Grundschulen. Vier davon – Martin-Luther-Schule, St. Martinischule, Marienschule und Erich-Kästner-Schule – werden vom Verein „Lernen fördern e. V.“ betreut. An der St. Josefschule übernimmt die Evangelische Jugendhilfe die Trägerschaft. Die reguläre Betreuungszeit endet in der Regel um 16 Uhr, zusätzlich bestehen an einigen Schulen verkürzte Übermittagsangebote („LüMi“).

Bereits heute betreut „Lernen fördern“ in Greven über 1.100 Kinder – mit steigender Tendenz. Doch der Platz reicht vielerorts nicht aus, um auch künftig alle Jahrgänge unterzubringen.

Martin-Luther-Schule besonders betroffen: Raumknappheit und Containerlösungen

Am stärksten unter Druck steht derzeit die Martin-Luther-Grundschule. Dort gibt es aktuell 70 OGS-Plätze und 50 LüMi-Plätze. Doch die vorhandenen Räume sind unzureichend: Die Betreuung findet teils in mobilen Klassenräumen statt, das Mittagessen im benachbarten Martin-Luther-Haus.

Die Stadt Greven plant zwar einen Neubau, um die OGS dauerhaft zu sichern. Doch ein konkreter Standort ist bisher nicht beschlossen – und damit ist unklar, wann sich die Situation tatsächlich verbessert. Eltern, deren Kinder bereits in Klasse 2 oder 3 sind, sorgen sich: Werden ihre Kinder verdrängt, wenn der Rechtsanspruch ab 2026 für neu eingeschulte Erstklässler greift?

Wie steht es an den anderen Grundschulen in Greven?

Ein Blick auf die anderen Schulen zeigt ein ähnliches Bild – wenn auch mit unterschiedlichen Dimensionen:

St. Martinischule

  • Träger: Lernen fördern e. V.

  • Rund 350 Kinder in 16 Gruppen (OGS)

  • Zusätzlich: OGS Plus bis 13:20 Uhr

  • Ferienbetreuung durch „Abenteuerkiste“

Marienschule

  • Träger: Lernen fördern e. V.

  • Betreuung bis 16 Uhr, optional kürzer

  • 2019: 258 OGS-Plätze – aktuelle Zahlen nicht veröffentlicht

  • Gesamtschülerzahl: über 500

Erich-Kästner-Schule (Reckenfeld)

  • Träger: Lernen fördern e. V.

  • 2019: 174 Plätze, schon damals Warteliste

  • Auch hier: „Abenteuerkiste“ in den Ferien

St. Josefschule

  • Träger: Evangelische Jugendhilfe

  • 115 Plätze, aufgeteilt in fünf Gruppen

  • Bei Überbelegung: Auswahlverfahren in Absprache mit der Stadt

Demografischer Ausblick: Zuzug junger Familien bringt Dynamik

Die Bevölkerungsentwicklung in Greven zeigt eine moderate Wachstumsdynamik – mit klaren Unterschieden zwischen den Stadtteilen:

  • Innenstadtbereiche & links der Ems: steigende Schülerzahlen bis 2037

  • Reckenfeld: kurzfristig Anstieg, mittelfristig Seitwärtsbewegung

  • Bauerschaften: steigender Bedarf bei Kita- und Grundschulkindern

  • Insgesamt: positive Wanderungsbilanz bei Kindern unter 10 Jahren

Diese Prognosen deuten darauf hin, dass die Nachfrage nach Ganztagsplätzen in den nächsten Jahren nicht abnimmt, sondern punktuell weiter steigt. Die OGS-Angebote müssen daher flexibel und vorausschauend erweitert werden – besonders an stark nachgefragten Standorten wie der Martin-Luther-Schule.

Fazit: Anspruch trifft auf Realität – Greven steht vor einem Kraftakt

Der kommende Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ist politisch gewollt und gesetzlich gesichert. Doch die Umsetzung stellt Kommunen wie Greven vor erhebliche Herausforderungen: Räume müssen geschaffen, Personal eingestellt, Abläufe organisiert werden. Fördermittel vom Bund sind vorhanden – doch sie reichen nicht automatisch aus, um alle Probleme zu lösen.

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