Bilfinger zieht Sparprogramm vor und hofft auf bessere Geschäfte

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der Industriedienstleister Bilfinger will seine Kosten schneller senken und blickt nach einem schwierigen Geschäftsjahr wieder zuversichtlicher auf die kommenden Monate. Vorstandschef Thomas Schulz erklärte am Donnerstagabend, 8. Oktober 2026, in Mannheim, dass die Nachfrage zuletzt wieder zugenommen habe. Gleichzeitig beschleunigt der Konzern sein Sparprogramm, von dem weltweit bis zu 1.500 Arbeitsplätze betroffen sein könnten. Die Bilfinger-Aktie legte am Freitag zeitweise deutlich zu. Die erst im September gesenkte Jahresprognose bleibt allerdings bestehen.

Anzeige

Bilfinger sieht wieder mehr Nachfrage für 2027

Nach den wirtschaftlichen Belastungen durch den Konflikt im Nahen Osten erwartet Bilfinger eine Verbesserung seiner Geschäftsentwicklung. Vorstandschef Thomas Schulz berichtete bei einem Gespräch mit Journalisten in Mannheim von einer spürbar stärkeren Nachfrage in den vergangenen Wochen.

Allerdings bedeutet ein steigendes Interesse der Kunden noch nicht automatisch höhere Umsätze. Entscheidend ist, wann Industrieunternehmen tatsächlich Leistungen abrufen und geplante Arbeiten ausführen lassen. Unklar blieb zunächst, welcher Teil des erwarteten Geschäfts noch im laufenden Jahr umgesetzt werden kann.

Für 2027 zeigte sich Schulz zuversichtlich. Eine neue konkrete Umsatzprognose für das kommende Geschäftsjahr wurde damit jedoch nicht vorgelegt. Die Aussagen verdeutlichen vielmehr, dass Bilfinger nach einer schwierigen Phase wieder mit besseren Geschäftsmöglichkeiten rechnet.

Anzeige

Bilfinger hatte seine Jahresprognose deutlich gesenkt

Die jüngste Zuversicht folgt auf eine erhebliche Korrektur der finanziellen Erwartungen. Am 16. September 2026 hatte Bilfinger seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr reduziert. Ausschlaggebend waren schwächere Geschäfte im zweiten Halbjahr und die zunehmende Zurückhaltung industrieller Kunden bei Investitionen.

Statt eines Jahresumsatzes von 5,4 bis 5,9 Milliarden Euro erwartet das Unternehmen nur noch 5,3 bis 5,7 Milliarden Euro. Noch deutlicher fällt die Veränderung bei der operativen Profitabilität aus.

Die prognostizierte EBITA-Marge liegt einschließlich der einmaligen Aufwendungen für das Sparprogramm inzwischen bei 3,2 bis 3,6 Prozent. Ohne diese Sondereffekte rechnet Bilfinger mit 4,6 bis 5,0 Prozent. Zuvor hatte das Unternehmen eine Marge zwischen 5,8 und 6,2 Prozent angestrebt.

Auch beim Free Cashflow, also den nach den betrieblichen Ausgaben und Investitionen verbleibenden Zahlungsmitteln, wurden die Erwartungen zurückgenommen. Statt 250 bis 300 Millionen Euro werden für 2026 nur noch 180 bis 220 Millionen Euro erwartet.

Sparprogramm Agile soll 75 Millionen Euro jährlich bringen

Um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu verbessern, treibt Bilfinger das Programm „Agile“ voran. Die Maßnahmen waren nach Angaben von Schulz ursprünglich für eine schrittweise Umsetzung bis 2030 vorgesehen. Aufgrund der veränderten Marktbedingungen werden sie nun beschleunigt.

Der Konzern plant, organisatorische Strukturen zu vereinfachen, Aufgaben stärker zusammenzufassen und seine Kapazitäten besser auf die jeweilige Nachfrage auszurichten. Außerdem soll eine globale Shared-Services-Organisation entstehen, in der unterstützende Unternehmensfunktionen gebündelt werden.

Ab 2028 soll das Programm jährlich rund 75 Millionen Euro zum Ergebnis beitragen. Erste positive Effekte erwartet Bilfinger bereits 2027.

Die Umsetzung verursacht zunächst zusätzliche Kosten. Für das vierte Quartal 2026 sind Rückstellungen von rund 75 Millionen Euro vorgesehen. Diese einmaligen Belastungen wirken sich auf das Ergebnis des laufenden Jahres aus.

Bis zu 1.500 Arbeitsplätze könnten betroffen sein

Ein Bestandteil des Programms sind Veränderungen beim Personal. Weltweit könnten bis zu 1.500 Stellen wegfallen. Eine endgültige Zahl tatsächlich wegfallender Arbeitsplätze liegt damit noch nicht vor.

Bilfinger beschäftigte nach seinen Angaben im August rund 31.000 Menschen weltweit. Das Unternehmen ist international tätig und erbringt Dienstleistungen für Industrieanlagen, unter anderem in den Bereichen Wartung, Instandhaltung und technische Modernisierung.

Die geplanten Veränderungen sollen nicht auf einzelne Geschäftsbereiche beschränkt bleiben. Schulz machte deutlich, dass der Konzern seine gesamte Organisation auf Einsparmöglichkeiten und effizientere Abläufe überprüfen will.

Nach der Unternehmensmitteilung vom September sollen die einzelnen Maßnahmen eng mit den Arbeitnehmervertretungen abgestimmt werden. Welche Standorte und Tätigkeitsbereiche in welchem Umfang betroffen sein werden, wurde zunächst nicht konkretisiert.

Bilfinger-Aktie legt am Freitag wieder zu

An der Börse sorgten die jüngsten Aussagen des Vorstandschefs für eine freundlichere Kursentwicklung. Am Freitag, 9. Oktober 2026, stieg die Bilfinger-Aktie im Xetra-Handel bis 12.28 Uhr um rund 1,7 Prozent auf 54,85 Euro. Das bisherige Tageshoch lag zu diesem Zeitpunkt bei 55,10 Euro.

Der Kursanstieg folgt auf erhebliche Verluste der vergangenen Wochen. Nach der überraschenden Prognosesenkung im September war die Aktie zeitweise um mehr als 20 Prozent eingebrochen.

Auch Anfang Oktober blieb das Papier unter Druck. Am 8. Oktober erreichte die Aktie zeitweise Kurse um 54 Euro und damit ein neues Tief innerhalb der vergangenen zwölf Monate.

Die Erholung am Freitag änderte zunächst wenig daran, dass der Kurs deutlich unter seinem Stand vor der Prognosekorrektur lag. Die neuen Aussagen zur Nachfrage geben Anlegern zwar einen positiveren Ausblick auf 2027, ersetzen aber keine höheren bestätigten Geschäftszahlen.

Mittelfristige Ziele bis 2030 bleiben unverändert

Trotz der gesenkten Jahresprognose hält Bilfinger an seinen längerfristigen Wachstumszielen fest. Bis 2030 soll der Umsatz einschließlich möglicher Unternehmensübernahmen im Durchschnitt jährlich um acht bis zehn Prozent steigen.

Zugleich strebt der Konzern eine EBITA-Marge zwischen acht und neun Prozent an. Damit müsste die operative Profitabilität gegenüber dem aktuellen Niveau erheblich zulegen.

Die Strategie setzt unter anderem auf eine höhere Effizienz der eigenen Organisation sowie auf die Nachfrage nach technischen Dienstleistungen für Industrieunternehmen. Bilfinger unterstützt Kunden beispielsweise bei der Wartung und Modernisierung bestehender Anlagen und bei der Verbesserung ihrer betrieblichen Abläufe.

Der Konzern muss dabei mit einem schwierigen internationalen Umfeld umgehen. Nach eigenen Angaben haben der anhaltende Konflikt im Nahen Osten und gestiegene Energiekosten dazu geführt, dass Kunden Investitionsentscheidungen verschieben und bestehende Verträge teilweise weniger stark nutzen als erwartet.

Dadurch kann die Auslastung einzelner Unternehmensteile sinken, während ein erheblicher Teil der laufenden Kosten zunächst bestehen bleibt. Genau hier soll das beschleunigte Sparprogramm ansetzen.

Nächste Quartalszahlen im November

Die nächste reguläre Veröffentlichung von Geschäftszahlen ist für den 11. November 2026 vorgesehen. Dann will Bilfinger seine Ergebnisse für das dritte Quartal vorlegen.

Bereits im zweiten Quartal hatte das Unternehmen einen Umsatz von rund 1,45 Milliarden Euro erzielt. Das entsprach einem Zuwachs von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig war die EBITA-Marge von 5,5 auf 5,3 Prozent gesunken.

Die anschließende Verschlechterung der Geschäftsaussichten führte im September zur Anpassung der Jahresprognose. Die kommenden Quartalszahlen werden nun zeigen, wie stark sich die Zurückhaltung der Kunden tatsächlich auf Umsatz, Ergebnis und Auftragseingang ausgewirkt hat.

Für Bilfinger stehen damit zwei Entwicklungen nebeneinander: Kurzfristig belasten niedrigere Margen und hohe Kosten für den Konzernumbau die Geschäftsentwicklung. Für die kommenden Jahre setzt das Management dagegen auf eine stärkere Nachfrage und jährliche Einsparungen von 75 Millionen Euro. Ob diese Erwartungen erreicht werden, hängt sowohl von der Entwicklung des internationalen Industriegeschäfts als auch vom Fortschritt des Sparprogramms ab.

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu