
In Italien reagieren mehrere große Mineralölunternehmen auf die stark gestiegenen Kraftstoffpreise. Eni und die Tankstellenkette IP haben für Benzin einen freiwilligen Höchstpreis von 1,99 Euro je Liter eingeführt. Auch Q8 und Tamoil beteiligen sich mit eigenen Maßnahmen an der Entlastung. Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte die Energiekonzerne zuvor öffentlich aufgefordert, einen Beitrag zur Senkung der Kosten für Autofahrer zu leisten. Einen staatlich vorgeschriebenen Preisdeckel von 1,99 Euro gibt es allerdings nicht.
Den Anfang machte Eni. Der italienische Energiekonzern kündigte am 25. September an, an den Tankstellen seiner Marke Enilive den Benzinpreis auf maximal 1,99 Euro pro Liter zu begrenzen. Für Diesel gilt ein Höchstpreis von 2,19 Euro. Die Regelung trat am 28. September in Kraft und soll zunächst 30 Tage gelten. Eine Verlängerung bis zum Jahresende ist nach Unternehmensangaben möglich, abhängig von Marktentwicklung und Versorgungslage.
Eni begründete den Schritt mit den hohen Preisen auf den internationalen Märkten und Engpässen bei Raffineriekapazitäten in Europa. Das Unternehmen verwies darauf, dass in Europa in den vergangenen 15 Jahren fast 30 Raffinerien geschlossen worden seien. Die aktuelle geopolitische Lage habe den Druck auf die Preise zusätzlich erhöht.
Kurz darauf folgte IP. Die Tankstellenkette wird von der staatlichen aserbaidschanischen Ölgesellschaft Socar kontrolliert und übernahm ebenfalls die Obergrenzen von 1,99 Euro für Benzin und 2,19 Euro für Diesel. Damit erfasst die freiwillige Begrenzung einen beträchtlichen Teil des italienischen Tankstellennetzes. Eni und IP gehören zu den großen Anbietern des Landes.
Auch Q8 Italia kündigte Ende September einen Preisdeckel an. Dieser gilt seit dem 1. Oktober zunächst für 30 Tage. Anders als Eni und IP veröffentlichte Q8 jedoch keinen landesweit einheitlichen Höchstpreis von 1,99 Euro für Benzin. Das Unternehmen erklärte, das Modell werde entsprechend den unterschiedlichen Strukturen seines Vertriebsnetzes abgestuft umgesetzt.
Deshalb wäre es nicht korrekt, sämtliche beteiligten Mineralölkonzerne einem einheitlichen italienischen Preisdeckel von 1,99 Euro zuzuordnen. Gesichert ist dieser Betrag insbesondere für Eni und IP. Q8 begrenzt ebenfalls seine Preise, setzt dies aber nach einem eigenen Modell um. Tamoil erklärte anschließend, bis zum 31. Oktober ebenfalls Maßnahmen zur Dämpfung der Kraftstoffkosten einzuführen. Einen einheitlichen Höchstpreis nannte das Unternehmen dabei zunächst nicht.
Die Maßnahmen erfolgen nach einem ausdrücklichen Appell der italienischen Regierung an die Energiebranche. Nach der Ankündigung von Eni begrüßte der Regierungssitz Palazzo Chigi den Schritt als Beitrag zur Begrenzung der hohen Kraftstoffkosten. Auch die Entscheidung von IP wurde von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ausdrücklich begrüßt.
Als Q8 anschließend ebenfalls einen Preisdeckel ankündigte, erklärte Meloni, das Unternehmen habe den Appell der Regierung aufgenommen. Sie bezeichnete die Entscheidung als weiteres Signal zugunsten italienischer Familien. Damit setzt Rom neben eigenen steuerlichen Maßnahmen auch auf freiwillige Beiträge der Energiekonzerne.
Parallel wird in Italien über weitergehende Eingriffe diskutiert. Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti hat sich unter anderem für Maßnahmen gegen außergewöhnlich hohe Gewinne im Energiesektor ausgesprochen. Auch auf europäischer Ebene wird über entsprechende Instrumente beraten. Ein Zusammenhang zwischen den freiwilligen Preisobergrenzen und möglichen zusätzlichen Abgaben wird diskutiert, eine offiziell bestätigte Vereinbarung, nach der Unternehmen durch Preisdeckel eine solche Steuer verhindern könnten, liegt jedoch nicht vor.
Der freiwillige Preisdeckel bedeutet nicht, dass Benzin inzwischen an allen italienischen Tankstellen höchstens 1,99 Euro kostet. Die offiziellen Durchschnittswerte liegen weiterhin darüber.
Nach Angaben des italienischen Ministeriums für Unternehmen und Made in Italy kostete Benzin im Self-Service am Sonntag, 4. Oktober, im landesweiten Straßennetz durchschnittlich 2,049 Euro je Liter. Am Vortag waren es 2,052 Euro gewesen. Diesel lag bei durchschnittlich 2,244 Euro statt zuvor 2,247 Euro.
Auf italienischen Autobahnen wurden am Sonntag durchschnittlich 2,064 Euro für Benzin und 2,268 Euro für Diesel verlangt. Die offiziellen Daten beruhen auf den Preisangaben der Tankstellenbetreiber an das staatliche Beobachtungssystem für Kraftstoffpreise.
Der Rückgang ist dennoch deutlich. Noch am 29. September lag der landesweite Durchschnitt für selbst getanktes Benzin bei 2,126 Euro, beim Diesel bei 2,335 Euro. Am 30. September wurden 2,111 beziehungsweise 2,316 Euro registriert. Neben den freiwilligen Maßnahmen der Unternehmen wirken dabei auch Veränderungen der staatlichen Entlastungen sowie die Entwicklung der internationalen Beschaffungspreise.
Auch in Deutschland stehen die Kraftstoffpreise seit Monaten unter besonderer Beobachtung. Im September 2026 erreichten die Monatsdurchschnittspreise nach Berechnungen des ADAC neue Höchststände. Super E10 kostete im Monatsdurchschnitt 2,266 Euro je Liter, Diesel 2,386 Euro.
Seit dem 1. Oktober greift in Deutschland eine neue steuerliche Entlastung. Bereits am ersten Tag sank nach ADAC-Berechnungen der bundesweite Durchschnitt für Super E10 am Morgen um 14,5 Cent gegenüber dem gleichen Zeitpunkt des Vortages. Beim Diesel waren es 15,2 Cent. Der steuerliche Nachlass beträgt rund 16,7 Cent je Liter. Eine Verpflichtung der Tankstellen, die Entlastung vollständig an Kunden weiterzugeben, besteht nicht. Das Bundeskartellamt beobachtet deshalb die Preisentwicklung.
Eine Auswertung des SWR auf Grundlage der Daten von rund 15.000 deutschen Tankstellen ergab am Morgen des 4. Oktober einen mittleren Preis von etwa 2,10 Euro für Super E10, 2,16 Euro für Super und 2,21 Euro für Diesel. Die Werte schwanken allerdings im Tagesverlauf erheblich.
Damit verfolgen die beiden Länder bei der akuten Entlastung unterschiedliche Modelle. Deutschland senkt die Belastung unmittelbar über die Besteuerung von Kraftstoffen. Italien kombiniert staatliche Maßnahmen mit politischen Appellen an die Energiewirtschaft und freiwilligen Preisbegrenzungen großer Anbieter.
Für Autofahrer ist der Unterschied erheblich: Die italienischen 1,99 Euro sind kein allgemeiner Marktpreis und keine gesetzliche Obergrenze. Sie gelten an den beteiligten Tankstellen unter den Bedingungen der jeweiligen Unternehmen. Der italienische Landesdurchschnitt lag am 4. Oktober mit 2,049 Euro für Benzin weiterhin oberhalb dieser Schwelle.
Trotz der unterschiedlichen Instrumente bewegen sich die Durchschnittspreise beider Länder inzwischen wieder näher zusammen. Benzin kostet auf beiden Märkten weiterhin mehr als zwei Euro je Liter, während Regierungen und Unternehmen versuchen, die Auswirkungen der hohen internationalen Energie- und Kraftstoffpreise auf Haushalte und Wirtschaft zu begrenzen.
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