Ölpreis steigt kräftig: Neue Sorgen um Iran-Konflikt belasten die Börsen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Ölpreis steigt deutlich und setzt die internationalen Finanzmärkte am Donnerstag, 8. Oktober 2026, unter Druck. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich zeitweise um rund fünf Prozent, während der DAX unter die Marke von 25.000 Punkten fiel. Neben den anhaltenden Lieferproblemen im Nahen Osten sorgen Berichte über mögliche neue US-Militärschläge gegen den Iran für Unsicherheit. Gleichzeitig steigen die Renditen von Staatsanleihen. Für Verbraucher in Deutschland rückt damit erneut die Entwicklung der Benzin- und Dieselpreise in den Mittelpunkt.

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Ölpreis steigt auf mehr als 104 Dollar je Barrel

Am internationalen Ölmarkt legten die Preise am Donnerstag kräftig zu. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent um 14:05 Uhr deutscher Zeit 104,75 US-Dollar. Das entsprach einem Anstieg um 4,54 Prozent. Die amerikanische Rohölsorte West Texas Intermediate verteuerte sich zum selben Zeitpunkt um 4,53 Prozent auf 92,28 Dollar je Barrel.

Zwischenzeitlich waren beide Ölsorten um mehr als fünf Dollar je Barrel gestiegen. Die Notierungen erreichten damit ihre höchsten Stände seit mehr als einer Woche.

Hinter dem Preisanstieg stehen mehrere Entwicklungen. Neben den angespannten Transportwegen im Nahen Osten wirken sich Produktionsausfälle in den USA auf die Versorgungserwartungen aus.

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US-Regierung prüft offenbar weitere Angriffe auf den Iran

Zusätzliche Unsicherheit entstand durch Berichte über mögliche neue Militärschläge der Vereinigten Staaten gegen den Iran. Das US-Magazin The Atlantic berichtete am 7. Oktober unter Berufung auf zwei Regierungsvertreter, dass das Weiße Haus vom Pentagon entsprechende Einsatzoptionen angefordert habe.

Demnach könnten neue Angriffe bereits vor den amerikanischen Kongresswahlen am 3. November stattfinden. Auch die Nachrichtenportale Axios und NBC News veröffentlichten Angaben über entsprechende militärische Planungen.

Eine endgültige Entscheidung von US-Präsident Donald Trump lag zunächst nicht vor. Auch Zeitpunkt, Umfang und mögliche Ziele weiterer Angriffe waren nicht verbindlich festgelegt.

Ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu, das Ministerium habe die Aufgabe, dem Präsidenten militärische Handlungsoptionen vorzulegen. Die konkreten Angaben über die Planungen bestätigte er damit nicht.

Straße von Hormus bleibt ein Risiko für die Ölversorgung

Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran belastet den internationalen Ölhandel bereits seit Monaten. Besonders wichtig ist die Straße von Hormus zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.

Vor Beginn des Krieges verliefen durch diese Meerenge Öltransporte, die rund einem Fünftel des weltweiten Verbrauchs von Rohöl und Ölprodukten entsprachen.

Zuletzt nahm die Zahl der Angriffe auf Handelsschiffe in der Region wieder zu. Die britische maritime Sicherheitsstelle UK Maritime Trade Operations registrierte am 7. Oktober die Meldung über einen Tanker, der nördlich von Katar von mehreren Geschossen getroffen worden sein soll. Auch Verletzte wurden gemeldet. Die Behörden untersuchten den Vorfall.

Solche Zwischenfälle können Reedereien dazu veranlassen, Transportwege neu zu bewerten. Steigende Versicherungs- und Transportkosten erhöhen dabei zusätzlich den wirtschaftlichen Druck.

Produktionsausfälle in den USA verstärken den Preisanstieg

Neben der angespannten Lage im Nahen Osten belastet ein Hurrikan die amerikanische Ölproduktion. Der Sturm Isaias bedroht Förderanlagen im Golf von Mexiko.

Die Energiekonzerne Shell und Chevron hatten bereits am Mittwoch angekündigt, ihre Offshore-Aktivitäten teilweise zurückzufahren.

Nach von Reuters veröffentlichten Angaben waren am Mittwoch rund 25 Prozent der Ölproduktion und gut 16 Prozent der Erdgasproduktion im amerikanischen Golf von Mexiko vorübergehend eingestellt.

Damit treffen Einschränkungen auf wichtigen internationalen Transportwegen und verringerte Fördermengen zeitlich zusammen.

Die Internationale Energieagentur kündigte am 7. Oktober an, die bereits beschlossene Freigabe strategischer Ölreserven zu beschleunigen. Nach IEA-Angaben waren aus dem im März vereinbarten Programm rund 100 Millionen Barrel noch nicht freigegeben. Zusätzliche Bestände könnten bei Bedarf bereitgestellt werden.

DAX fällt unter 25.000 Punkte

Die steigenden Energiepreise hinterließen auch am deutschen Aktienmarkt deutliche Spuren. Der DAX verlor am Donnerstagmorgen nach Angaben der ARD-Finanzredaktion zeitweise rund ein Prozent und fiel auf 24.854 Punkte. Die tagesschau veröffentlichte diese Entwicklung in ihrem Marktbericht vom 8. Oktober um 10:30 Uhr.

Bereits am Mittwoch hatte der deutsche Leitindex 1,35 Prozent verloren und bei 25.104,36 Punkten geschlossen. Der erneute Rückgang führte ihn damit wieder unter die psychologisch wichtige Schwelle von 25.000 Zählern.

Auch an anderen europäischen Börsen überwogen die Verluste. Der europäische Stoxx 600 stand nach Reuters-Angaben um 10:33 Uhr deutscher Zeit bei 625,44 Punkten und damit 0,8 Prozent niedriger. Besonders Bankaktien gerieten unter Druck.

Neben steigenden Ölpreisen und geopolitischen Risiken belasteten Sorgen über Zinsen und die wachsende Verschuldung von Staaten und Unternehmen die Märkte.

Anleiherenditen steigen und verschärfen den Druck

Die Entwicklung am Anleihemarkt verstärkt die Unsicherheit zusätzlich. Steigende Energiepreise können die Inflation antreiben und damit Erwartungen an die künftige Zinspolitik verändern.

Am Donnerstagvormittag meldete der britische Guardian gegen 9:45 Uhr deutscher Zeit eine Rendite von 3,504 Prozent für zehnjährige deutsche Bundesanleihen. Die Rendite vergleichbarer französischer Staatsanleihen lag bei 4,931 Prozent.

Auch in Großbritannien zogen die Finanzierungskosten an. Reuters meldete um 13:03 Uhr deutscher Zeit, dass die Rendite zehnjähriger britischer Staatsanleihen im Tagesverlauf 5,527 Prozent erreicht hatte. Das war der höchste Stand seit Juli 2007.

Steigende Renditen bedeuten fallende Kurse bestehender Anleihen. Gleichzeitig können höhere Finanzierungskosten Investitionen bremsen und die Bewertung von Aktien belasten. Besonders verschuldete Unternehmen reagieren empfindlich auf einen länger anhaltenden Zinsanstieg.

Spritpreise in Deutschland zuletzt deutlich gesunken

Für Autofahrer in Deutschland stellt sich angesichts steigender Rohölnotierungen erneut die Frage nach den Preisen an den Tankstellen. Die jüngsten bundesweiten Durchschnittszahlen zeigen allerdings zunächst einen Rückgang.

Nach einer ADAC-Auswertung vom Mittwoch, 7. Oktober, um 13 Uhr kostete ein Liter Super E10 durchschnittlich 2,126 Euro. Das waren 13,2 Cent weniger als eine Woche zuvor.

Diesel verbilligte sich im gleichen Zeitraum um 17,6 Cent auf durchschnittlich 2,233 Euro je Liter.

Hintergrund ist insbesondere die zum 1. Oktober eingeführte Senkung der Energiesteuer. Die rechnerische Entlastung liegt einschließlich Mehrwertsteuer bei rund 16,7 Cent je Liter.

Nach Einschätzung des ADAC wurde diese Entlastung insbesondere beim Benzin bislang nicht vollständig weitergegeben. Die genannten Durchschnittspreise stammen vom Vortag und bilden den Ölpreisanstieg vom Donnerstag noch nicht ab.

Höhere Ölpreise könnten Entlastung beim Tanken begrenzen

Wie sich der neue Ölpreisanstieg auf Benzin und Diesel auswirkt, hängt von mehreren Faktoren ab. Neben den Rohölkosten spielen die Preise für raffinierte Kraftstoffe, Transportkosten und der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar eine Rolle.

Da Rohöl international überwiegend in Dollar gehandelt wird, verteuert ein schwächerer Euro die Beschaffung zusätzlich. Auch die bereits bestehenden Engpässe bei Diesel können die Preisentwicklung beeinflussen.

Ein unmittelbarer und gleich hoher Anstieg an den deutschen Zapfsäulen lässt sich aus dem höheren Brent-Preis jedoch nicht ableiten.

Für die kommenden Tage sind deshalb insbesondere die Entwicklung der Öltransporte durch die Straße von Hormus, die Produktionsausfälle im Golf von Mexiko und mögliche politische Entscheidungen in Washington von Bedeutung.

Solange diese Unsicherheiten bestehen, bleiben die internationalen Energie- und Finanzmärkte anfällig für stärkere Kursschwankungen.

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