
Der Münchner HR-Softwareanbieter Personio übernimmt Circula. Das Berliner Fintech für Ausgabenmanagement wird seit Dienstag, 6. Oktober 2026, unter dem Namen Circula by Personio geführt. Die beiden Unternehmen wollen ihre bisher bereits verbundenen Systeme enger zusammenführen und Personalverwaltung, Lohnabrechnung sowie betriebliche Ausgaben auf einer Plattform bündeln. Circula bringt mehr als 3.000 Unternehmenskunden und rund 250.000 Nutzer mit. Personio selbst zählt nach eigenen Angaben mehr als 16.000 Kunden in Europa. Einen Kaufpreis nannten die Unternehmen nicht.
Mit der Übernahme erweitert Personio sein Geschäft deutlich über die klassische Personalsoftware hinaus. Circula deckt unter anderem Reisekosten und sonstige Auslagen, Firmenkarten, Eingangsrechnungen und steuerlich begünstigte Mitarbeiterleistungen ab. Die beiden Anbieter arbeiten bereits seit mehreren Jahren zusammen. Dabei werden beispielsweise Mitarbeiterstammdaten zwischen Personio und Circula übertragen. Nach Angaben der Unternehmen nutzen bereits mehrere hundert gemeinsame Kunden diese Verbindung. Künftig sollen auch die Abläufe zwischen Ausgabenmanagement und Personios eigener Lohnabrechnung enger aufeinander abgestimmt werden. Die bestehenden Anbindungen an DATEV sollen weiterentwickelt werden.
Zu den finanziellen Bedingungen der Transaktion machten Personio und Circula keine Angaben. Damit ist auch keine belastbare aktuelle Bewertung von Circula öffentlich bekannt. Die WirtschaftsWoche kommt anhand angenommener Umsätze, üblicher Bewertungsmultiplikatoren und möglicher Verwässerung bei früheren Finanzierungsrunden auf einen denkbaren niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Diese Berechnung basiert jedoch auf mehreren Annahmen und ist keine bestätigte Kaufsumme. Auch die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass beide Seiten zum Kaufpreis schweigen. Eine offiziell veröffentlichte Zahl zur Bewertung oder zum Transaktionsvolumen gibt es damit zunächst nicht.
Circula wurde 2017 in Berlin gegründet und richtet seine Software vor allem an Unternehmen, die Ausgaben ihrer Beschäftigten digital verwalten wollen. Nach aktuellen Unternehmensangaben nutzen mehr als 3.000 Firmen mit insgesamt rund 250.000 Nutzern die Plattform. In derzeit veröffentlichten Stellenanzeigen beschreibt Circula sein Team als rund 115 Beschäftigte. Dieses Team soll im Zuge der Übernahme zu Personio wechseln. Für Unternehmen, die bislang ausschließlich Circula verwenden, soll sich zunächst grundsätzlich nichts ändern: Das Produkt soll weiterhin separat angeboten und weiterentwickelt werden. Gleichzeitig sollen gemeinsame Kunden eine stärker integrierte Lösung erhalten.
Die Übernahme folgt auf eine langjährige geschäftliche und finanzielle Verbindung. Personio beteiligte sich bereits 2022 an einer Finanzierungsrunde von Circula. Damals sammelte das Berliner Unternehmen zwölf Millionen Euro ein. Im Mai 2025 folgte eine Erweiterung der Series-A-Finanzierung um weitere 15 Millionen Euro. Zu den Kapitalgebern gehörten unter anderem Alstin Capital, Capnamic Ventures, Peak Capital, Storm Ventures und Wenvest Capital. Circula hatte sein Angebot in den vergangenen Jahren von der klassischen Reisekostenabrechnung auf Firmenkarten, Mitarbeiterleistungen und weitere Ausgabenprozesse ausgeweitet.
Personio wurde 2015 in München gegründet und beschäftigt nach Angaben aus der Übernahmemitteilung mehr als 1.500 Menschen an sechs europäischen Standorten. Mehr als 16.000 Unternehmen mit zusammen rund 1,6 Millionen Beschäftigten nutzen die Plattform. Zu den angebotenen Funktionen gehören Personalverwaltung, Recruiting und Lohnabrechnung. Im April 2026 hatte Personio zudem mitgeteilt, erstmals ein profitables Quartal erreicht zu haben. Gleichzeitig übernahm das Unternehmen das Münchner Recruiting-KI-Start-up aurio. Circula ist damit ein weiterer Zukauf, mit dem Personio zusätzliche Funktionen in seine Plattform integriert.
Strategisches Ziel der Übernahme ist eine engere Verbindung von HR- und Finanzprozessen. Personio will künftig nicht nur Mitarbeiterdaten und Gehaltsabrechnungen verwalten, sondern auch Auslagen, Firmenkarten und Benefits stärker in dieselbe Softwareumgebung einbinden. Für Unternehmen könnte dadurch beispielsweise der manuelle Abgleich von Mitarbeiterdaten, Kostenstellen und abrechnungsrelevanten Ausgaben reduziert werden. Personio und Circula verweisen dabei insbesondere auf ihre Erfahrungen mit europäischen Steuer- und Abrechnungsvorschriften. Ob und wann sämtliche Funktionen vollständig in einer einheitlichen Oberfläche verfügbar sein werden, wurde bei Bekanntgabe der Übernahme nicht konkretisiert.
Personio zählt zu den prominentesten deutschen Software-Start-ups. Die zuletzt im Zusammenhang mit einer Finanzierungsrunde öffentlich genannte Bewertung stammt allerdings bereits aus dem Juni 2022. Damals nahm das Unternehmen weitere 200 Millionen US-Dollar auf und wurde mit 8,5 Milliarden US-Dollar bewertet. Diese Zahl ist keine aktuelle Unternehmensbewertung. Seitdem hat Personio sein Geschäft von damals rund 6.000 auf inzwischen mehr als 16.000 Kunden ausgebaut und weitere Unternehmen übernommen. Zu früheren Zukäufen gehören das spanische Payroll-Start-up Rollbox sowie die Berliner Softwarefirma Back.
Der Zusammenschluss von Personio und Circula trifft auf einen deutschen Start-up-Markt, in dem wieder mehr Kapital investiert wird, sich dieses Geld aber auf weniger Finanzierungsrunden verteilt. Nach dem Startup-Barometer von EY flossen im ersten Halbjahr 2026 knapp 5,3 Milliarden Euro Risikokapital in deutsche Jungunternehmen. Das waren 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig sank die Zahl der Finanzierungsrunden um elf Prozent auf 354. Berlin kam auf knapp 1,7 Milliarden Euro, Bayern auf mehr als 1,1 Milliarden Euro. Besonders viel Kapital floss weiterhin in technologieorientierte Unternehmen, darunter Softwareanbieter.
Die Übernahme selbst ist keine solche Finanzierungsrunde. Sie zeigt jedoch, dass etabliertere deutsche Technologieunternehmen zunehmend angrenzende Softwarebereiche in ihre Plattformen integrieren. Für Personio ist Circula dabei kein völlig neues Geschäftsfeld aus dem Nichts: Die Systeme waren bereits miteinander verbunden, Personio war Investor und beide Unternehmen bedienten teilweise dieselben Kunden. Neu ist nun die gemeinsame unternehmerische Struktur. Circula bleibt zunächst als eigenständiges Produkt am Markt, während Personio seine Plattform schrittweise um Funktionen für das Ausgabenmanagement erweitert.
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