
Die niedersächsische Traditionsbrauerei Rupp Bräu aus Lauenau im Landkreis Schaumburg hat Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen, dessen Geschichte bis ins Jahr 1861 zurückreicht, will die Bierproduktion dennoch fortsetzen. Für die angeschlossene Gaststätte Felsenkeller ist dagegen ein Betreiberwechsel geplant. Anfang November soll das Insolvenzverfahren eröffnet werden.
Der Insolvenzantrag wurde bereits im Sommer beim Amtsgericht Bückeburg eingereicht. Am 13. August 2026 ordnete das Gericht die vorläufige Verwaltung des Unternehmensvermögens an. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 47 IN 74/26 geführt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Moritz Sponagel bestellt.
Nach Angaben des Insolvenzverwalters läuft der Betrieb vorerst weiter. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten werden seit August vorfinanziert. Die förmliche Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist für Anfang November vorgesehen.
Trotz der Insolvenz soll Rupp Bräu als Familienunternehmen erhalten bleiben. Geschäftsführerin Kerstin Rupp erklärte gegenüber dem NDR, dass die Insolvenz der Umstrukturierung des Unternehmens und der angeschlossenen Gastronomie diene. Nach ihrer Darstellung sei das Unternehmen zu keinem Zeitpunkt zahlungsunfähig gewesen.
Auch im November soll das Bier in Lauenau weiterhin regulär gebraut werden. Der vorläufige Insolvenzverwalter bestätigte, dass die Brauerei im Familienbesitz bleiben soll.
Anders sieht es bei der angeschlossenen Gaststätte aus. Das Brauhaus Felsenkeller soll ab dem 1. November 2026 unter neuer Leitung weitergeführt werden. Damit ist für die Gastronomie eine Veränderung vorgesehen, während die Familie Rupp den Brauereibetrieb fortsetzen will.
Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters gab es Anfang Oktober zwei Interessenten für eine Fortführung des Betriebs. Beide wollten laut seinen gegenüber dem NDR veröffentlichten Angaben auch die insgesamt 15 Beschäftigten übernehmen.
Eine abschließende Vereinbarung über die Zukunft der Arbeitsplätze wurde zunächst nicht bekannt. Ebenso blieben die genauen wirtschaftlichen Hintergründe des Insolvenzantrags offen.
Die Brauerei wurde 1861 von Sebastian Rupp gegründet, der aus dem bayerischen Eitensheim bei Ingolstadt nach Lauenau gekommen war. Über fünf Generationen hinweg entwickelte sich das Unternehmen zu einer traditionsreichen regionalen Brauerei.
Zur Geschichte gehört auch der Felsenkeller, der ursprünglich als Lagerstätte für Bier diente. Die Brauerei ist besonders in der Region Hannover und im Schaumburger Land bekannt. Nach eigenen Unternehmensangaben wird Rupp Bräu in mehr als 100 Gaststätten, Restaurants und Hotels der Region ausgeschenkt.
Die Insolvenz von Rupp Bräu fällt in eine schwierige Phase für die deutsche Brauwirtschaft. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank der Bierabsatz in Deutschland 2025 gegenüber dem Vorjahr um 6,0 Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter. Das war der stärkste Rückgang seit Beginn der entsprechenden Zeitreihe im Jahr 1993.
Innerhalb von zehn Jahren ging der Absatz um nahezu ein Fünftel zurück. Die Statistik umfasst allerdings keine alkoholfreien Biere. Welche Rolle die allgemeine Marktentwicklung bei den wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Rupp Bräu gespielt hat, ist nicht bekannt.
Auch andere Traditionsunternehmen sind betroffen. Die Braunschweiger Wolters-Brauerei meldete im Juni 2026 Insolvenz an und kündigte an, ihren Produktionsstandort zum Jahresende zu schließen. Bei Rupp Bräu ist eine solche Schließung dagegen nicht vorgesehen. Die Familie plant, die mehr als 160-jährige Brautradition in Lauenau fortzusetzen.
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