
Südkorea und die USA treiben eines der größten angekündigten Atomkraftprogramme der vergangenen Jahre voran. Bis zu 120 Milliarden US-Dollar aus einem südkoreanischen Investitionsrahmen sollen den Bau von acht großen Reaktoren in den Vereinigten Staaten unterstützen. Vorgesehen sind sechs Reaktoren des amerikanischen Typs AP1000 von Westinghouse sowie zwei Anlagen des südkoreanischen Typs APR1400. Vollständig beschlossen ist der Bau der acht Anlagen allerdings noch nicht. Zentrale wirtschaftliche und vertragliche Details müssen erst ausgehandelt werden.
Die Pläne sind Bestandteil eines wesentlich größeren Wirtschaftsabkommens zwischen Washington und Seoul. Südkorea hatte sich im Zusammenhang mit Handelsvereinbarungen zu Investitionen von insgesamt 350 Milliarden US-Dollar in den Vereinigten Staaten verpflichtet. Davon sind 150 Milliarden Dollar für den Schiffbau vorgesehen, weitere 200 Milliarden Dollar für strategische Investitionen. Der Atomkraftbereich könnte mit bis zu 120 Milliarden Dollar den mit Abstand größten Teil dieses zweiten Pakets beanspruchen.
Der vom Vermögensverwalter Brookfield veröffentlichte Rahmen sieht acht neue Atomreaktoren in den USA vor. Sechs davon sollen Westinghouse-Anlagen des Typs AP1000 sein, verteilt auf drei Standorte mit jeweils zwei Reaktorblöcken. Hinzu kommen zwei APR1400-Reaktoren, ein in Südkorea entwickelter großer Druckwasserreaktor. Auch bei diesen Anlagen soll Westinghouse wirtschaftlich beteiligt werden und unter anderem Leistungen sowie Brennstofflieferungen übernehmen.
Die Anlagen sollen nach bisherigen Angaben auf Bundesflächen in den USA entstehen. Konkrete Standorte sind jedoch noch nicht abschließend festgelegt worden. US-Handelsminister Howard Lutnick nannte im Zusammenhang mit dem Programm unter anderem Ohio, Tennessee, South Carolina und Kentucky. Südkoreanische Regierungsangaben halten zugleich fest, dass konkrete Einzelheiten des Atomkraftprojekts noch nicht entschieden sind.
Damit unterscheidet sich der aktuelle Stand deutlich von einem bereits vollständig finanzierten und genehmigten Bauprogramm. Brookfield beschreibt die Vereinbarung ausdrücklich als Rahmen für die Finanzierung und Umsetzung. Die Bedingungen seien nicht bindend und müssten abschließend ausgehandelt werden.
US-Präsident Donald Trump stellte das Gesamtpaket Ende September im Weißen Haus als großen Ausbau der amerikanischen Energieversorgung vor. Neben den acht Reaktoren umfasst es ein großes Gaskraftwerksprojekt in Texas sowie mögliche Investitionen in das Alaska-LNG-Projekt. Für das Kraftwerksprojekt in Texas sind nach südkoreanischen Angaben 22,3 Milliarden Dollar vorgesehen.
Südkorea bestätigte den Finanzierungsrahmen für die Reaktoren, formulierte bei der tatsächlichen Umsetzung aber Bedingungen. Präsident Lee Jae Myung erklärte, dass zunächst die wirtschaftliche Tragfähigkeit sowohl der Atomkraftprojekte als auch des LNG-Projekts geprüft werden müsse. Auch nach Angaben der südkoreanischen Regierung sind die spezifischen Details der geplanten Reaktoren noch offen.
Die Investitionen unterliegen zudem einer jährlichen Obergrenze. Nach Angaben der südkoreanischen Regierung sollen im Rahmen des rechtlich verbindlichen Investitionsabkommens höchstens 20 Milliarden Dollar pro Jahr in die vereinbarten Projekte fließen. Gewinne sollen zunächst zwischen Südkorea und den USA geteilt werden, bis Seoul sein eingesetztes Kapital zurückerhalten hat.
Eine zentrale Rolle nimmt der US-Reaktorhersteller Westinghouse ein. Der Konzern gehört Brookfield und dem kanadischen Uranunternehmen Cameco. Bereits im Oktober 2025 hatte die US-Regierung mit Westinghouse und seinen Eigentümern eine strategische Partnerschaft über mindestens 80 Milliarden Dollar für neue amerikanische Atomkraftprojekte vereinbart. Hinzu kam im Juni 2026 eine bedingte Finanzierungsvereinbarung des US-Energieministeriums über 17,5 Milliarden Dollar, unter anderem für früh benötigte Komponenten.
Der neue US-südkoreanische Rahmen geht darüber hinaus. Er sieht auch vor, dass Südkorea einen Anteil von fünf bis zehn Prozent an Westinghouse erwerben könnte. Damit würde Seoul nicht nur Kapital für einzelne Kraftwerksprojekte bereitstellen, sondern sich möglicherweise direkt an einem der wichtigsten westlichen Reaktoranbieter beteiligen.
Für Südkoreas Atomindustrie wäre insbesondere der geplante Einsatz des APR1400 bedeutsam. Der Reaktortyp wird bereits im Ausland eingesetzt. In den Vereinigten Staaten verfügt das APR1400-Design zudem seit Jahren über eine Zertifizierung der US-Atomaufsicht. Das erleichtert grundsätzlich einen möglichen Einsatz, ersetzt jedoch weder standortspezifische Genehmigungen noch Investitionsentscheidungen für konkrete Anlagen.
Hinter dem Programm steht der rapide steigende Strombedarf in den Vereinigten Staaten. Neue Rechenzentren, zusätzliche Industrieproduktion und die zunehmende Elektrifizierung erhöhen den Bedarf an dauerhaft verfügbarer Erzeugungsleistung. Die US-Regierung setzt deshalb verstärkt auf neue Kernkraftkapazitäten. Brookfield nennt insbesondere den wachsenden Strombedarf durch Rechenzentren und digitale Infrastruktur als einen Treiber des geplanten Ausbaus.
Acht Großreaktoren würden bei vollständiger Umsetzung eine erhebliche zusätzliche Kraftwerksleistung schaffen. Der Umfang des Programms wäre zugleich finanziell außergewöhnlich. Rein rechnerisch entspricht der vorgesehene Rahmen von 120 Milliarden Dollar durchschnittlich rund 15 Milliarden Dollar je Reaktor. Daraus lässt sich jedoch kein endgültiger Preis einzelner Anlagen ableiten, da Finanzierung, Infrastruktur, Standorte und Vertragsbedingungen bislang nicht vollständig festgelegt sind.
Damit steht bereits ein ungewöhnlich großer politischer und finanzieller Rahmen. Ob daraus tatsächlich alle acht vorgesehenen Reaktoren entstehen, hängt nun von den endgültigen Vereinbarungen, der Wirtschaftlichkeit der Projekte, den Standorten sowie den erforderlichen Genehmigungen in den Vereinigten Staaten ab.
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