Seagate und Toshiba sollen um TDKs HDD-Kopfgeschäft ringen

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Im weltweiten Festplattenmarkt zeichnet sich möglicherweise eine weitreichende Veränderung der Lieferkette ab. Seagate und Toshiba sollen um das Geschäft des japanischen Elektronikkonzerns TDK mit Schreib-Leseköpfen für Festplatten konkurrieren. Bestätigt ist ein Verkauf allerdings nicht. TDK erklärte am 6. Oktober 2026 ausdrücklich, dass entsprechende Informationen nicht auf einer Mitteilung des Unternehmens beruhten und bislang keine Entscheidung getroffen worden sei. Das Geschäft ist strategisch bedeutsam, weil TDK nach eigenen Angaben der letzte unabhängige Hersteller von Magnetköpfen für Festplatten ist.

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TDK bestätigt keine Entscheidung über Verkauf

Nach Informationen von Bloomberg soll Toshiba bereits im Frühjahr Gespräche mit TDK aufgenommen haben. Seagate soll später mit einem höheren Angebot in das Verfahren eingestiegen sein. Als möglicher Kaufpreis werden mehrere Milliarden US-Dollar genannt. Eine unabhängige Bestätigung für diese Angaben lag zunächst nicht vor. Auch eine abgeschlossene Vereinbarung wurde nicht bekannt.

TDK reagierte am Dienstag mit einer ungewöhnlich knappen Stellungnahme. Das Unternehmen verwies darauf, dass es Maßnahmen zur Verbesserung seines Portfoliomanagements verfolge. Eine Entscheidung über das HDD-Kopfgeschäft sei jedoch nicht getroffen worden. Damit ist offiziell weder bestätigt, dass TDK die Sparte tatsächlich verkaufen will, noch dass Seagate oder Toshiba als Käufer feststehen.

TDK besetzt eine Schlüsselposition in der HDD-Lieferkette

Die besondere Bedeutung von TDK ergibt sich aus der Struktur des Festplattenmarktes. Die TDK-Tochter SAE Magnetics bezeichnet sich selbst als weltweit einzigen unabhängigen Hersteller magnetischer Schreib-Leseköpfe für HDDs. Auch die zum Konzern gehörende Headway Technologies beschreibt sich als einzigen unabhängigen Produzenten dieser Komponenten.

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Schreib-Leseköpfe gehören zu den technologisch anspruchsvollsten Bauteilen einer Festplatte. Sie schreiben Daten auf die magnetischen Scheiben und lesen sie wieder aus. Mit steigender Speicherdichte werden immer präzisere Köpfe benötigt. SAE deckt nach eigenen Angaben den Produktionsprozess von der Wafer-Fertigung bis zur hochpräzisen Endmontage ab. Dadurch nimmt TDK eine Position ein, die sich nicht ohne Weiteres durch einen anderen unabhängigen Zulieferer ersetzen lässt.

Toshiba wäre von einem Eigentümerwechsel besonders betroffen

Nach den bislang vorliegenden Informationen liefert TDK Magnetköpfe an die drei verbliebenen großen HDD-Hersteller Seagate, Western Digital und Toshiba. Bloomberg zufolge stellen Seagate und Western Digital einen erheblichen Teil ihrer Köpfe selbst her, während Toshiba stärker von TDK abhängig ist. Diese konkrete Lieferstruktur wurde von den beteiligten Unternehmen zunächst nicht gemeinsam bestätigt.

Dass Toshiba und TDK technologisch eng zusammenarbeiten, ist dagegen dokumentiert. Toshiba erklärte bereits bei der Vorstellung seiner HAMR- und MAMR-Entwicklung, dass die Entwicklung magnetischer Aufzeichnungsköpfe gemeinsam mit TDK vorangetrieben werde. Für Toshiba könnte der Zugang zu dieser Technik besonders wichtig werden, wenn der Konzern seine nächste Generation großer Rechenzentrumsfestplatten hochfährt.

Neue Festplatten sollen deutlich mehr Daten speichern

Toshiba hat Ende März 2026 mit der Bemusterung seiner neuen M12-Serie für Hyperscaler und Cloud-Anbieter begonnen. Die Laufwerke kombinieren elf Magnetscheiben mit FC-MAMR und erreichen bei der SMR-Variante Kapazitäten von 30 bis 34 Terabyte. Weitere Modelle und höhere Kapazitäten sind geplant.

Bereits zuvor hatte Toshiba eine 12-Scheiben-Technik vorgestellt. Zusammen mit MAMR soll sie 2027 Festplatten der 40-Terabyte-Klasse ermöglichen. Auch HAMR gehört zur längerfristigen Entwicklungsstrategie. Bei dieser Technik wird die Oberfläche beim Schreibvorgang punktuell erhitzt, damit sich Daten auf immer kleineren Bereichen zuverlässig speichern lassen. Gerade hier werden hochentwickelte Schreibköpfe zu einem entscheidenden Teil des Gesamtsystems.

Auch TDK investiert weiter in die nächste HDD-Generation

Ein möglicher Verkauf käme zu einem Zeitpunkt, an dem das Geschäft von TDK mit Festplattenkomponenten wieder deutlich wächst. Im Geschäftsjahr bis März 2026 erhöhte der Konzern den Umsatz seines Segments Magnetic Application Products um 17,6 Prozent auf 262,9 Milliarden Yen. Der operative Gewinn stieg auf 27 Milliarden Yen und lag damit etwa achtmal so hoch wie im Vorjahr.

TDK führte diese Entwicklung unter anderem auf Nearline-HDDs zurück. Die Absatzmenge von Köpfen für diese Laufwerke stieg nach Unternehmensangaben um rund 14 Prozent, bei Suspension Assemblies um rund 35 Prozent. Zudem investiert TDK weiter in HAMR. Das Unternehmen kündigte an, in etwa zwei Jahren mit der Serienfertigung entsprechender Köpfe beginnen zu wollen. Das TDKs HDD-Kopfgeschäft ist damit nicht nur ein bestehendes Zuliefergeschäft, sondern zugleich Teil der nächsten Technologiegeneration.

KI und Cloud treiben den Bedarf an Massenspeicher

Der Hintergrund ist das starke Wachstum großer Speicherinfrastrukturen. Festplatten konkurrieren in Rechenzentren zwar mit SSDs, bleiben für sehr große Datenmengen jedoch ein zentraler Baustein. Besonders Cloud-Anbieter und Hyperscaler benötigen enorme Speicherkapazitäten für Datenbestände, Backups, Archive und die wachsenden Datenmengen rund um KI-Anwendungen.

Seagate meldete für das Geschäftsjahr 2026 einen Umsatzanstieg um 34 Prozent auf 12,2 Milliarden US-Dollar und verwies ausdrücklich auf eine robuste Nachfrage aus Cloud-Rechenzentren. Seine HAMR-Plattform Mozaic 4+ unterstützt Festplatten mit bis zu 44 Terabyte und wurde nach Unternehmensangaben bereits von zwei großen Hyperscale-Cloudanbietern für den Produktionseinsatz qualifiziert. Seagate sieht langfristig Laufwerke mit bis zu 100 Terabyte als Ziel seiner Technologieentwicklung.

Ein Verkauf könnte die Kräfteverhältnisse verändern

Der HDD-Markt ist bereits stark konzentriert. Mit Seagate, Western Digital und Toshiba gibt es nur noch drei bedeutende Hersteller. TDK bildet daneben einen seltenen unabhängigen Zugang zu einer technologisch entscheidenden Komponente. Würde dieses Geschäft an einen der drei Hersteller gehen, wäre die bislang unabhängige Lieferstufe künftig Teil eines HDD-Produzenten.

Welche Folgen daraus tatsächlich für Lieferverträge, Kapazitäten oder den Wettbewerb entstünden, ist derzeit offen. Ebenso unklar blieb zunächst, ob TDK überhaupt einen Verkauf anstrebt und welcher Interessent gegebenenfalls zum Zuge käme. Sicher ist dagegen, dass die Bedeutung leistungsfähiger Magnetköpfe mit den steigenden Kapazitäten moderner Rechenzentrumsfestplatten weiter zunimmt. Für den HDD-Markt geht es deshalb um wesentlich mehr als um den möglichen Eigentümerwechsel einer einzelnen Sparte.

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