Immer mehr Firmen in Deutschland insolvent: Höchster Juli-Wert seit 13 Jahren

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Symbolbild: Evan Wise

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Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt weiter. Im Juli 2026 registrierten die Amtsgerichte 2.373 Fälle und damit 8,0 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Das teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag, 9. Oktober 2026, mit. Einen höheren Juli-Wert hatte es zuletzt vor 13 Jahren gegeben. Besonders häufig sind Unternehmen aus den Bereichen Verkehr, Gastronomie und Bau betroffen. Aktuelle Untersuchungen zeigen zugleich, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch im September anhielten.

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Unternehmensinsolvenzen steigen 2026 weiter an

Die Entwicklung betrifft längst nicht mehr nur einzelne Monate. Von Januar bis Juli 2026 wurden bundesweit insgesamt 15.185 Unternehmensinsolvenzen registriert. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht das einem Anstieg um 6,9 Prozent.

Allein im Juli kamen 2.373 Verfahren hinzu. Im Juli 2025 waren es noch 2.197 gewesen. Die Zahlen verdeutlichen, dass die anhaltend hohe Insolvenzbelastung der deutschen Wirtschaft auch im Sommer nicht wesentlich nachgelassen hat.

Die amtliche Statistik berücksichtigt beantragte Insolvenzen, sobald ein Insolvenzgericht eine erste Entscheidung getroffen hat. Zwischen dem ursprünglichen Antrag und der statistischen Erfassung liegen häufig rund drei Monate. Die aktuellen Juli-Zahlen spiegeln daher teilweise finanzielle Schwierigkeiten wider, die bereits im Frühjahr entstanden waren.

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Verkehr, Gastronomie und Bau besonders betroffen

Wie unterschiedlich sich die wirtschaftlichen Probleme auf einzelne Branchen verteilen, zeigt ein Blick auf die Insolvenzhäufigkeit. Bundesweit kamen von Januar bis Juli durchschnittlich 42,8 Unternehmensinsolvenzen auf 10.000 Betriebe.

Besonders hoch fiel dieser Wert im Bereich Verkehr und Lagerei aus. Dort registrierten die Statistiker 85,5 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Im Gastgewerbe waren es 70,0 Fälle, im Baugewerbe 62,9.

Damit liegt die Insolvenzhäufigkeit in diesen drei Wirtschaftsbereichen deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt. Die Werte berücksichtigen die unterschiedliche Zahl der Unternehmen in den jeweiligen Branchen und ermöglichen dadurch einen aussagekräftigeren Vergleich als reine Fallzahlen.

Gläubigerforderungen sinken trotz steigender Insolvenzzahlen

Eine bemerkenswerte Entwicklung zeigt sich bei den finanziellen Forderungen der Gläubiger. Obwohl mehr Unternehmen insolvent wurden, fiel die gesamte angemeldete Forderungssumme deutlich niedriger aus als im Vorjahr.

Für die ersten sieben Monate 2026 bezifferten die Amtsgerichte die voraussichtlichen Forderungen auf rund 21,9 Milliarden Euro. Im entsprechenden Zeitraum 2025 waren es noch 31,8 Milliarden Euro gewesen.

Nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes hängt dieser Unterschied damit zusammen, dass im Vorjahreszeitraum mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen von Insolvenzen betroffen waren.

Die steigende Anzahl der Verfahren geht somit nicht automatisch mit einer höheren Gesamtsumme der Gläubigerforderungen einher. Die Statistik unterscheidet allerdings nicht, welcher Anteil der Forderungen später tatsächlich ausfällt. Auch über die Zahl der verlorenen Arbeitsplätze lässt sich aus den Forderungssummen allein keine Aussage ableiten.

Auch im September weiterhin zahlreiche Firmeninsolvenzen

Aktuellere Hinweise auf die Entwicklung liefert das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Nach dessen am 8. Oktober veröffentlichter Untersuchung wurden im September 2026 insgesamt 1.666 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften erfasst.

Das entspricht einem Anstieg um 9 Prozent gegenüber August und um 13 Prozent gegenüber September 2025. Verglichen mit einem durchschnittlichen September der Jahre 2016 bis 2019 lag die Zahl sogar 85 Prozent höher.

Allerdings zeigt der Blick auf das gesamte dritte Quartal ein etwas anderes Bild. Von Juli bis September registrierte das IWH insgesamt 4.880 Insolvenzen. Das waren 2,3 Prozent weniger als im zweiten Quartal. Dennoch handelte es sich um den zweithöchsten Quartalswert seit 2005.

Die Untersuchung erfasst andere Unternehmensgruppen als die umfassendere amtliche Destatis-Statistik. Deshalb sind die absoluten Zahlen beider Erhebungen nicht unmittelbar miteinander vergleichbar. Der IWH-Insolvenztrend basiert auf aktuellen Bekanntmachungen der Insolvenzgerichte und ermöglicht eine frühere Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung.

Weniger Arbeitsplätze von großen Insolvenzen betroffen

Bei der Zahl der betroffenen Arbeitsplätze gibt es nach Angaben des IWH eine gegenläufige Entwicklung. In den größten zehn Prozent der im September insolventen Unternehmen waren rund 11.600 Arbeitsplätze betroffen.

Das waren 28 Prozent weniger als im August und 44 Prozent weniger als im September des Vorjahres. Gegenüber dem September-Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 lag die Zahl allerdings weiterhin deutlich höher.

Im gesamten dritten Quartal waren nach der entsprechenden IWH-Abgrenzung rund 41.000 Arbeitsplätze betroffen. Gegenüber dem Vorquartal bedeutete das einen Rückgang um zehn Prozent.

Gleichzeitig beobachteten die Wirtschaftsforscher in mehreren Dienstleistungsbereichen neue Höchstwerte. Dazu gehörten Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Information und Kommunikation sowie verschiedene wirtschaftsnahe Dienstleistungen. Die entsprechenden Quartalswerte waren die höchsten seit Beginn der IWH-Erhebungen Anfang 2020.

DIHK fordert wirtschaftspolitische Reformen

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) bewertet die aktuellen Insolvenzstatistiken als deutliches Warnsignal. Mittelstandsexperte Marc Evers verwies am Freitag darauf, dass rechnerisch etwa alle 19 Minuten ein Unternehmen in Deutschland insolvent werde.

Aus Sicht des Wirtschaftsverbandes erreicht die konjunkturelle Erholung viele Unternehmen bislang nicht. Die DIHK sieht insbesondere in hohen Energie- und Personalkosten sowie bürokratischen Anforderungen erhebliche Belastungen für die Betriebe.

Evers fordert deshalb schnellere wirtschaftspolitische Reformen und bessere Investitionsbedingungen. Ohne spürbare Entlastungen werde es nach Einschätzung des Verbandes schwierig, die Zahl der Unternehmensinsolvenzen dauerhaft zu senken.

Die DIHK verweist dabei auch auf ihre regelmäßigen Konjunkturumfragen, in denen Unternehmen strukturelle Kostenprobleme als wirtschaftliche Risiken benennen. Die Forderungen nach niedrigeren Belastungen und weniger Bürokratie sind Teil der wirtschaftspolitischen Positionierung des Verbandes.

Wirtschaftsforscher rechnen mit möglicher Entspannung

Trotz der hohen Fallzahlen gibt es für die kommenden Monate vorsichtige Hinweise auf eine Veränderung. Das IWH erwartet auf Basis seiner Frühindikatoren im vierten Quartal insgesamt rückläufige Insolvenzzahlen.

Diese Einschätzung steht nicht im Widerspruch zum Anstieg im September. Einzelne Monate können deutlich schwanken, während die Entwicklung über mehrere Monate eine andere Richtung erkennen lässt. Zudem war die Insolvenzbelastung im zweiten Quartal außergewöhnlich hoch.

Ob die Zahl der Unternehmensinsolvenzen tatsächlich dauerhaft zurückgeht, ist damit noch nicht entschieden. Die September-Werte liegen weiterhin erheblich über dem Niveau vor der Corona-Pandemie.

Verbraucherinsolvenzen entwickeln sich anders

Anders als bei den Unternehmen ging die Zahl der Verbraucherinsolvenzen im Juli zurück. Nach Angaben von Destatis wurden bundesweit 7.111 entsprechende Verfahren registriert. Das waren 5,9 Prozent weniger als im Juli 2025.

Für die ersten sieben Monate insgesamt ergibt sich allerdings ein leichter Anstieg. Zwischen Januar und Juli wurden 46.043 Verbraucherinsolvenzen gezählt, ein Plus von 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die unterschiedliche Entwicklung zeigt, dass sich die Insolvenzlage von Unternehmen und privaten Haushalten nicht einheitlich verändert. Während die Zahl der Unternehmensverfahren deutlich steigt, bleiben die Veränderungen bei Verbraucherinsolvenzen über die ersten sieben Monate vergleichsweise gering.

Die Insolvenzstatistik erfasst zudem nicht jede Geschäftsaufgabe. Unternehmen, die ihren Betrieb ohne Insolvenzverfahren einstellen, sind in diesen Zahlen nicht enthalten. Gleichzeitig bedeutet ein Insolvenzantrag nicht zwangsläufig, dass ein Unternehmen endgültig geschlossen wird. Ein Insolvenzverfahren kann auch dazu dienen, einen Betrieb zu sanieren oder fortzuführen.

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu