
Münster. Der NRW-Tag 2026 in Münster hat Ende August deutlich mehr Menschen in die Innenstadt gezogen als an gewöhnlichen Tagen. Darauf deuten drei Untersuchungen hin, die im Auftrag der Initiative starke Innenstadt Münster, der IHK Nord Westfalen, der Wirtschaftsförderung Münster und des Handelsverbands NRW Westfalen-Münsterland erstellt wurden. Ausgewertet wurden Passantenfrequenzen, anonymisierte GPS-Bewegungsdaten und eine Befragung von 563 Menschen. Die Ergebnisse zeigen zugleich: Einkaufen war für viele Gäste nicht der Hauptgrund für den Innenstadtbesuch. Auffällig waren vielmehr das größere Einzugsgebiet und längere Aufenthaltszeiten.
Während des Veranstaltungswochenendes vom 28. bis 30. August wurden die Passantenströme an sechs Stellen in der Innenstadt erfasst. Messpunkte lagen unter anderem an der Ludgeristraße, der Salzstraße, am Prinzipalmarkt und am Alten Fischmarkt. Nach Angaben der Auftraggeber lagen die gemessenen Frequenzen an allen drei Tagen über den jeweiligen Vergleichswerten. Besonders deutlich fiel der Unterschied am Sonntag aus: Dort lag die Frequenz demnach rund 70 Prozent über dem Durchschnitt der Stadtfest-Sonntage von 2022 bis 2025. Die Zahlen lassen allerdings nicht unmittelbar auf die Zahl einzelner Besucher schließen, da Menschen mehrere Messpunkte passieren oder an derselben Stelle mehrfach erfasst werden können.
Auch die Daten zur Herkunft sprechen für eine überregionale Wirkung des Landesfestes. Nach der GPS-Auswertung kam knapp die Hälfte der erfassten Besucher aus Münster, rund ein Viertel aus dem näheren Umland, darunter aus Greven, Dülmen und Warendorf. Weitere Gäste reisten aus anderen Teilen des Münsterlands, aus Ostwestfalen-Lippe und darüber hinaus an. An gewöhnlichen Tagen liegt der Anteil der Besucher aus Münster nach Angaben der Untersuchung dagegen bei knapp zwei Dritteln. In der ergänzenden Passantenbefragung erklärten elf Prozent, aus dem Ruhrgebiet angereist zu sein. Dabei dürfte auch das Mobilitätsangebot eine Rolle gespielt haben: Während des NRW-Tags waren Busse und Bahnen in Münster kostenlos nutzbar, zudem war über den eezy.nrw-Tarif eine kostenlose Nahverkehrsanreise aus Nordrhein-Westfalen möglich. Welchen Anteil dieses Angebot an der größeren Reichweite hatte, lässt sich aus den vorliegenden Daten jedoch nicht bestimmen.
Die Untersuchungen deuten außerdem auf längere Aufenthaltszeiten hin. Bei der Befragung am Sonntag wollten 42 Prozent der Teilnehmer zwischen zwei und vier Stunden in der Innenstadt verbringen, weitere 26 Prozent planten mindestens vier Stunden. Auch die ausgewerteten GPS-Daten weisen nach Darstellung der Auftraggeber an allen drei Veranstaltungstagen auf eine längere Aufenthaltsdauer als üblich hin. Die Befragung selbst bildet allerdings nur einen Ausschnitt ab: Sie wurde ausschließlich am Sonntag zwischen 13 und 18 Uhr an fünf Innenstadtstandorten durchgeführt. Aussagen aus dieser Erhebung lassen sich deshalb nicht ohne Einschränkung auf sämtliche Besucher des dreitägigen NRW-Tags übertragen.
Besonders deutlich fällt das Ergebnis beim Besuchsanlass aus. 56 Prozent der am Sonntag Befragten nannten den NRW-Tag als Hauptgrund für ihren Innenstadtbesuch, sechs Prozent kamen in erster Linie wegen des Stadtfestes „Münster Mittendrin“. Lediglich sieben Prozent bezeichneten Einkaufen als wichtigsten Anlass. Allerdings kombinierten 20 Prozent ihren Aufenthalt mit einem Einkaufsbummel, 28 Prozent besuchten zusätzlich Restaurants oder Cafés. Damit stützen die Daten zumindest für die Sonntagsbefragung die Einschätzung, dass der Handel eher Teil des Gesamtangebots als Hauptanziehungspunkt des Wochenendes war.
Nach Angaben der Untersuchung kam knapp die Hälfte der Befragten ohnehin mindestens einmal pro Woche in die Münsteraner Innenstadt. Knapp ein Drittel erklärte dagegen, nur selten dort zu sein oder erstmals beziehungsweise nach längerer Zeit wieder die Innenstadt besucht zu haben. Das spricht dafür, dass der NRW-Tag auch Menschen erreichte, die nicht zu den regelmäßigen Innenstadtbesuchern gehören.
Die beteiligten Wirtschaftsverbände ziehen aus den Ergebnissen eine positive Bilanz. Andreas Weitkamp von der Initiative starke Innenstadt Münster betonte, beim NRW-Tag habe nicht zusätzlicher Umsatz im Mittelpunkt gestanden. „Für die meisten Besucher war das Einkaufen nur ein Nebenaspekt“, erklärte Weitkamp. Der Handel sei dennoch „ein Baustein im Gesamterlebnis“ gewesen. Auch Tobias Buller-Langhorst vom Handelsverband NRW Westfalen-Münsterland sieht das Zusammenspiel von Veranstaltung, Gastronomie, Stadtfest und Handel als wichtigen Faktor für das Wochenende. Diese Bewertungen stammen allerdings von Organisationen, die selbst die Interessen des Handels vertreten und an der Beauftragung der Untersuchungen beteiligt waren.
Jens von Lengerke von der IHK Nord Westfalen nutzt die Ergebnisse zudem für eine weitergehende Forderung. Die Daten belegten nach seiner Einschätzung, dass attraktive Veranstaltungen die Innenstadtfrequenz deutlich steigern könnten. Gleichzeitig kritisierte er die aus seiner Sicht „sehr zurückhaltende Auslegung des Ladenöffnungsgesetzes“. Damit verbindet die IHK die Untersuchung ausdrücklich mit der Debatte über verkaufsoffene Sonntage in Münster. Für den NRW-Tag selbst war eine Sonntagsöffnung in einem festgelegten Innenstadtbereich von 13 bis 18 Uhr genehmigt worden. Nach Angaben des Handelsverbands lagen die Umsätze dabei allerdings nicht über denen eines normalen Samstags.
Die Untersuchung kombiniert drei Ansätze. Die Wirtschaftsförderung Münster ließ Passantenfrequenzen an sechs Innenstadtstandorten auswerten, die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung analysierte für die IHK anonymisierte und aggregierte GPS-Daten zu Herkunft und Aufenthaltsdauer. Ergänzend wurden am Sonntag 563 Passanten an fünf Standorten befragt. Dadurch lassen sich unterschiedliche Aspekte des Veranstaltungswochenendes vergleichen. E






Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu