
Münster. Eines der markanten Bauwerke am Münsteraner Stadthafen steht vor dem Abriss. Die sogenannte „Schildkröte“, ein altes Betonsilo auf der Hafensüdseite, ist offenbar so stark beschädigt, dass eine dauerhafte Sanierung kaum noch möglich ist. Das Logistikunternehmen Fiege plant deshalb, die Konstruktion abzureißen und an gleicher Stelle neu zu errichten. Die neue „Schildkröte“ soll begrünt werden und bereits Mitte 2027 fertig sein.
Schon seit einiger Zeit sichern Bauzäune das marode Betonsilo neben dem Fiege-Bürogebäude X-Dock. Sie sollen verhindern, dass Passanten durch herabfallende Betonteile gefährdet werden. Nun zeigt sich, dass die Schäden gravierender sind als zunächst angenommen. Nach Angaben von Fiege haben externe Fachleute den Zustand untersucht und erhebliche Mängel an der Bausubstanz und der grundlegenden Konstruktion festgestellt.
„Eine Sanierung der aktuellen ‚Schildkröte‘, die langfristig Bestand hat, ist leider fast unmöglich, weil die Bausubstanz und Grundstruktur in einem desolaten Zustand sind“, erklärt Kai Alfermann, Managing Director bei Fiege Real Estate. Selbst umfangreiche Reparaturen könnten demnach nicht garantieren, dass das Bauwerk dauerhaft erhalten bleibt. Ähnliche Schwierigkeiten hatte es bereits beim benachbarten Betonsilo „Elefant“ gegeben. Dessen Sanierung erwies sich als deutlich aufwendiger und langwieriger als ursprünglich geplant. Diese Erfahrungen hätten die Entscheidung für einen Neubau zusätzlich beeinflusst.
Statt die beschädigte Konstruktion weiter zu sanieren, möchte Fiege die „Schildkröte“ vollständig ersetzen. Der Neubau soll am bisherigen Standort entstehen und die charakteristische Gestaltung des Hafenensembles bewahren. Gemeinsam mit der „Giraffe“ und dem „Elefanten“ gehört die „Schildkröte“ zu den auffälligen Überbleibseln der industriellen Vergangenheit des Stadthafens.
Eine Neuerung ist bereits vorgesehen: Die künftige Konstruktion soll begrünt werden. „Zusätzlich möchten wir die ‚Schildkröte‘ begrünen, um der neuen Hafenpromenade eine etwas grünere Note zu verleihen und eine höhere Aufenthaltsqualität zu schaffen“, sagt Alfermann. Konkrete Einzelheiten zur Bepflanzung oder zur baulichen Ausführung wurden bislang nicht genannt.
Die Abbrucharbeiten sollen nach Unternehmensangaben möglichst zeitnah beginnen. Voraussetzung sind allerdings die erforderlichen Genehmigungen. Fiege möchte die Arbeiten so koordinieren, dass die laufende Umgestaltung der Hafensüdseite nicht beeinträchtigt wird. Die Fertigstellung des Ersatzbauwerks ist für Mitte 2027 vorgesehen.
Der geplante Neubau ist eng mit der Neugestaltung der Hafensüdseite verbunden. Seit April 2026 läuft der zweite von insgesamt drei Bauabschnitten für die neue Hafenpromenade. Er umfasst den Bereich zwischen der Hafenkäserei beziehungsweise der Hafenbrauerei Finne und der Bäckerei Cibaria. Dort sollen unter anderem Natursteinpflaster, Sitzgelegenheiten und eine an Schiffsmasten erinnernde Beleuchtung entstehen.
Die Stadt Münster möchte entlang des Hafenbeckens eine durchgehend barrierefreie Promenade schaffen. Gleichzeitig sollen historische Elemente wie alte Gleise, Kräne und die markanten Betonsilos an die frühere industrielle Nutzung des Hafens erinnern.
„Wir stehen in engem Austausch mit der Stadt und ihrem Planungsbüro, damit sichergestellt ist, dass sich die ‚neue Schildkröte‘ perfekt in die Umgebung der neuen Hafenpromenade einfügt“, erklärt Alfermann. Ob der vorgesehene Zeitplan eingehalten werden kann, hängt unter anderem vom Genehmigungsverfahren und dem weiteren Bauablauf ab.
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